Sonntag, April 01, 2007
Leinenpflicht für´s Glück
Hab ihn gesehen, wie er von ihr erzählte, wie er sie küsste, sich zurücklehnte und zuhörte. Es geht ihm gut. Hab inzwischen von einem Sommersprossengesicht geträumt und mit Lukas gespielt. Auf einem von Göpferts Stühlen. Daheim angekommen, bin ich gleich in den Chat gegangen und habe Fabrice gesehen. Er hatte wie immer keine Lust, irgendwas zu erzählen. Blieb nur das Bild auf dem Monitor und das gemeinsame Schweigen. Was ist Nähe? Sich wegzuträumen, sobald man zusammen ist, oder miteinander zu sein, sobald man träumt? Doris war da. Ich mag sie nicht. Seit Jahren. Alles an ihr. Ihre Art zu lachen, zu kämpfen, da zu sein. Das ist ungelebte Zeit neben ihr. Seit den Familiengeburtstagen, zu denen sich sogar ihre Freunde in zwei Lager aufspalteten. Du konntest nicht mit jedem sprechen. Das war als ob eine unsichtbare Grenze die Freunde trennte. Vielleicht ging er fremd. Die lebten zusammen wie Feinde. Grad läuft El Temperamento. Es gibt nichts Anziehenderes als Gleichgültigkeit, sagt Christian. Warum bin ich Groke so gleichgültig, dass er kein einziges Mal mailt? Irgendwann übersetze ich mal den Liedtext mit Nina. Vielleicht steckt da ja die Lösung drin.
Du hast Reflexe wie ein Nilpferd, sagt Nina
"If you leave me now", lief im Radio, der erste Titel auf der CD, die Gert mir gebrannt hat. Die habe ich oft gehört, wenn mir sein Genuschle gefehlt hat, und ihn verflucht. ... mich weit weg träumen mit einem Vermissten, nach Venedig. Groke in Venedig zu treffen, zu grinsen, Hallo,IhreStimmeKlingtSoVertraut.SindSieDerAusDemRadio? zu fragen, das wär schön. Einen Moment lang ohne Eile zu vergleichen, mich zu spüren und die kleine Ewigkeit für immer abzuspeichern, irgendwo, wo ich immer wieder zurückblättern kann. In einem Blog. In meinem Blog. Egal, wie Google ihn verlinkt. Wem zuliebe würdest du irgendetwas an deinen nächsten fünf Minuten verändern? Wie weit würdest du dabei gehen? Was macht dich müde? Wovon träumst du dann? Wie lange hält sich dieser Traum? Für welchen Preis würdest du aufwachen? Was wäre das Erste, was du im Aufwachen tun würdest? Einen Kaffee brühen, ihn in Gedanken ausziehen, oder lieber doch irgendetwas Strukturiertes, Zielführendes? Einen Artikel Schreiben über das Hören? Verdammt, induktive Höranlagen... Warten macht hässlich, sagt Thomas. Ich hab jahrelang vergütet gewartet. Beobachtet, aufgezeichnet und gewartet. Gewartet auf nichts, darauf, das nichts passiert. Und das Nichts aufgezeichnet. Immer nur dabei. Ohne gezielt zu träumen. BelRia träumt von ihrem Einzigen. Das verbindet, sagt sie. Sie spürt ihn dann ganz deutlich. Tessa macht das nicht. Dabei sagt sie, es gibt eine Stimme, für die sie sogar sterben würde. Ein Synchronsprecher ist das. Hannes Jaenicke heißt der. Der kauft in ihrem Supermarkt ein und würde da genauso sprechen wie im Film. Er hätte die gleiche Stimme. Letzte Nacht hab ich mich in eine Frauenstimme verliebt, ins Studio gemailt und prompt hat sich die Stimme verändert. Als ob ich sie gestört hab mit meiner Mail. Hab das Notebook sofort ausgeschaltet. Jetzt riechen meine Hände wieder fischig. Träumen ist vertane Zeit für Tessa. Stefan Hoyer am Telefon zu Hören, war fast normal. Der scheint oft irgendwo anzurufen. Jedenfalls hatte er keine Probleme damit, dass mein Telefon nachts klingelte. Weniger als ich mit dem Telefon von Uwe Groke. Hab Groke nur ein einziges Mal telefonisch "erwischt". Dabei ist die Wahrscheinlichkeit, zurückgerufen zu werden, viel geringer als die jemanden von den SWR3-lern auf einer Privatnummer zu erreichen. Ich glaube nicht, dass Hoyer den Namen der Nachrichtensprecherin nicht kannte. Der wollte nur auskosten, wie das ist, zwischen zwei Frauen zu stehen und Barriere spielen zu können. Der ist eiskalt.
Mitternacht
Hab wieder ihre Stimme gehört. Ganz nah und scheinbar vertraut. Namenlos. Hoyer hat gesagt, dass er ihr meine Emailadresse gibt. Ein komisches Gespräch: Der weiß ihren Namen nicht, dabei senden sie gemeinsam.
Samstag, März 31, 2007
Mit 18 ziehst du hier aus!
Ob es ein Witz sein sollte, weiß ich nicht. Martin hat es zu Nina gesagt, als die ganze Familie dabei war, einen Tag vor ihrem achtzehnten Geburtstag. Ich hab geschluckt. "Man müsste noch mal 17 sein", war alles, was ich in dem Moment dagegen zu setzen hatte. Der Gag hatte eine Vorgeschichte, sagt Nina. Vielleicht erfahre ich die ja irgendwann.
Könnt ihr nicht mal Claudia heißen oder Stefanie?
... meldet ein meist nackt zu sehender Schlacks bei einer Radio-Umfrage gerade seine Wünsche an. Eine Aufzeichnung von vielen. Kurz drauf die obligatorische Unfallmeldung von der A81. Verrückt. Hab nichts Brauchbares von Fannie gefunden. Henriette nennt sie sich ja jetzt. Egal. Genauso albern wie mein Biggi. Aber wozu hat frau ihren zweiten Namen, wenn sie ihn nicht auch benutzt. Ich bin gespannt, wann Nina sich Maria nennt. Tim hat auch noch keine weiteren Wünsche angemeldet. Er war sauer, als ich losgegangen bin, um mich aufzuwärmen. Kuczynski hat alles aufgeschrieben, was ihm passiert ist, und es Alltagsgeschichte genannt - ein Messie der ersten Generation. Da hatte jeder Müll eine Botschaft. Was will mein Schnupfen mir sagen, grübel. Marcus Barsch ist wieder zum Feuchtwerden.
Durchgefroren
Tafeln im Freien in der Frühlingssonne, ganz durch den Wind. Hab Antje getroffen. Sie beherrscht Quarkexpress und ist Geografin. Hab Lust, mit ihr die Reiseerzählungen für Thomas zu bearbeiten und die Petra Kahl anzubieten, falls sich noch ein paar Verben finden, die Gesehenes bewegen. Hoffentlich hat Thomas nicht nur ein fotografisches Gedächtnis, sondern seinen eigenen Film. Kleine Anekdoten wie die über Gegessenes will ich ihm aus der Nase ziehen. Im April könnte ich alle drei miteinander bekannt machen. Mir ist immer noch kalt, aber der Kaffee tut gut. Eingeklebte Umschläge mit den jeweiligen Suppenrezepten wären auch nett. Und Illustrationen. Ich werde Fannie dazu anbaggern. Aber das hat noch Zeit. Hab erst ein paar Sätze von ihm gelesen. Und bei denen ist mir das Grinsen vergangen. Die Leiche und das entsprechende Suppenrezept, träum. Allmählich wird mir wieder warm.
Webcam-Romanze
»Ficken! Zieh dich aus! Ich will deine Brust sehen! Bist du rasiert? Wann bist du das letzte Mal gefickt worden?« Das ist der Gesprächseinstieg beim Flirt-Chat. Die Ausgehungerteren bieten dir dann noch im Windows Live Messenger Sadomaso-Fotos und Pornofilme an. Und wenn du dann immer noch staubtrocken bist, bleibt ja noch der Blaster im Bremsstreifenocker des Lebens.
Crazy Days bei Möbel-Martin
Ich fühle mich leer, sehne mich nach Nähe und brenne aus. Das Bild im Spiegel wird immer trostloser. Das Lachen gefriert wächsern. Beziehungsstreit, was ist Beziehungsstreit? Warum ist Nähe manchmal so freudlos? Leo hat jetzt ein schönes Foto in seinem Messenger. So ein schöner Mann. Und der hat mich sich so nackt sehen lassen. Es ist verrückt. Was dem durch den Kopf gegangen ist? Ein verrückter Zufall. Wahrscheinlich hat er mich verwechselt mit irgendjemandem, den er mag. Groke fehlt mir. Das Leo-Foto scheint neu zu sein. Es ist alles so unwirklich. Martin und Claudia hätten gerade jeder eine Krise, sagt Nina. Heute ist Ninas Geburtstag. Obstsalat.
Das Bremsstreifenocker des Lebens
Inspiriert durch die Stille sitze ich wieder mal mit nassen Haaren vor dem Monitor, suche nach mir selbst, google nach Groke und werde sofort müde. Kontakt lässt sich nicht erzwingen. Auch nicht mit Google. Gestern meinte Thomas "Die wollen dich fertig machen". Ich hab keine Ahnung, warum er wollte, dass ich das denke. Will ich jemanden fertig machen? Oder er? Will er mich fertig machen? Das Radio und die Welt würde mich fertig machen wollen. Hab ihn nicht gefragt, warum er will, dass ich ihn so lese. Ich kann kaum lachen neben ihm. Neben ihm ist Lachen Schwerstarbeit. Es ist, als ob das Leben nichts mehr bereithält für mich. Der Tod der Synchronschwimmerin... Ob ich Dilda maile, tot wie er ist? Wölfchen hatte ich nach seinem Tod auch mit Mails bombardiert, um mir selbst interessanter zu werden. Hab keine Ahnung, was ich Dilda mailen würde, wenn er noch leben würde. Alles ist so belanglos geworden. Schlaf, einfach schlafen, ohne aufzuwachen. Diabetes. Jetzt ist er nicht mehr da. Schade. Ob er sich fertig gemacht hat?
Und sie war ihren Autosuggestionen schutzlos ausgeliefert
Irgendein Kasper transferierte Amokläufer per Assoziation in Attentäter. Und aus Attentäter wurde dann binnen kurzem Musiker. Danach ging nichts mehr, weder www.sr1.de, noch www.swr3.de. Zwei Sender auf einmal. Hab gestaunt über die plötzliche Stille. Wahrscheinlich ist es tatsächlich sicherer zu Terrestrischem zu bloggen. Obwohl auch der Walkman manchmal eigenartig reagiert. Dann schaltet er sich plötzlich ab. Vielleicht hat der auch eine eigene Seele, nicht so kompliziert wie das Weltweite, aber vielleicht durch das SesamÖffneDich "Wahnsinn" zu öffnen. Ich wünsche mir Überschaubares. Nicht so überschaubar wie die spärlichen Google-Einträge zu Groke, aber so überschaubar, dass ich Gehörtes und Erlebtes abgleichen kann. Micha hat heute zu Reiki etwas von mir gefunden. Irgendwo steht immer noch irgendwas, wovon ich keine Ahnung habe.
Freitag, März 30, 2007
Der Tod der Synchronschwimmerin
Lachen ist Schwerstarbeit mitten in dieser Weite. Ganz ohne das He,ÜberwachungMeintNichtDich,DuBistNurZufälligDabeiWährendIchSucheUndIchVergoogleDichWirklichNurPerSoftware. Eigentlich ist nichts passiert, ich hab lediglich ein paar Marcus-Barsch-Minuten verpasst und wittere gleich System. Es ist wie beim Sensen mit Walkman: Der Film läuft nah und grell, und ich bin gleichzeig in der ersten Reihe und Hauptdarsteller. Aber deshalb weiter zu zappen, wäre schade. Dilda ist tot. Der Film ist zu Ende. Er sieht ihn nicht mehr. Stattdessen taucht irgendein Fuzzy mit amerikanischer Tastatur im Blaster auf und labert über Nachhaltigkeit. Seit ein paar Wochen bekomme ich täglich um die selbe Zeit Anrufe von einem Mann. Ich höre ihm zu und sage nichts. Nach zwei Wochen sagt er, ich sei sein Lebensinhalt. Dabei spricht er immer wieder von einer Frau, die ich nicht kenne, zu mir, die er nicht kennt. Trotzdem sei ich sein Lebensinhalt. Wie sehr Schweigen verbindet, ist erstaunlich. Vielleicht sucht er ja auch nur einen externen Speicher für den Fall, dass er vorzeitig verblödet. Im Messenger hat sich die letzten Tage ein 23-Jähriger mit FickOderBlockierMich-Verwünschungen profiliert. Ich hab ihn schließlich blockiert. Angst hatte ich schon. Er hatte eine Menge durchgemacht. So viel, dass ich schon gern gewusst hätte, dass es ihm grad gut geht. Mein Voyeurimus hat ihn offensichtlich genervt.
Auf dieser Seite ist ein Fehler aufgetreten: Objekt wird erwartet
Die eigenwilligste Fehlermeldung seit langem. Es muffelt schon wieder nach Weltverschwörung. Nach diesem Zufall jedenfalls, der Truman-Show zum Krimi macht. Es ist wie immer, wenn da zu viel Gleichzeitiges ist: Irgendein Link fällt aus. Am Windows Media Player scheint es nicht zu liegen. Irgendwo da draußen hat sich was verändert. Anonym und nah. Draußen. Es meint nicht mich. Ich erlebe es nur. Kurz vorher war auf den SWR3-Seiten zu lesen, dass Schäuble jetzt eine Anti-Terror-Datei freischalten will. So gut es ist, Information zugänglich zu machen, so chaotisch ist diese Zentralisation von Datenbanken. Ich denke, das ist erst der Anfang eines gewaltigen Gaus, der das Internet plattwalzen wird. Zumal der Zugang lediglich auf Polizei und Nachrichtendienst beschränkt bleibt. 13 000 Personen umfasst die Datenbank bis jetzt. Solange der Zugang auf eine zentrale Datenbank auf einen bestimmten Personenkreis beschränkt bleibt, rudimentiert sie lediglich zum Druckmittel, wie die Daten des Arbeitsamtes auf den Arbeitsmarkt. Korruption und Manipulation werden dadurch nicht nur machbar, sondern mehr als wahrscheinlich.
Grinsen ist sein Job
Eigentlich ist ihm zum Heulen. Die Maske sitzt. Er nützt. Jedem. Ist ihm mies, macht er Urlaub. Er träumt so, dass er beim Träumen sicher verstanden wird. Von jedem, der zufällig vorbeikommt. Eine Geheimsprache hat er nicht nötig: Grinsen ist sein Job. Er wird verstanden. Er hat eine Message: Ich nütze euch. Er nützt euch.
Freitag
"Überlege doch einmal, was du deinem Chef nützt, fest im Sattel." Bin wütend wie selten, wenn ich das höre. Ausgerechnet Groke labert das. "Ersticke neben ihm. Rette ihn. Schmachte ihn an. Tauche Sommersprosse für Sommersprosse in Zartblau. Bäume dich auf, lächle mild und schlafe ein. Stirb leise", ist alles, was bei mir ankommt. Wie entstand der Buchtitel "Fest im Sattel"? Und warum nervt ausgerechnet Groke damit am Freitagmorgen? Tritt und buckelt der sich dort grad durch´s Team? Ich wünsche ihm Urlaub. Am besten Jahresurlaub. Verdammt, er fehlt mir. Ich hab Sehnsucht. Schade, dass die Cola über das Notebook gelaufen ist.
Single-Blues
Wenn jeder Zweifel Selbstzweifel wird, wird Ausatmen Sex. Er hält mich für einen Egomanen. Ficken ist die einzige Interaktion, die er benennt.
Someday - Glass Tiger
When I come home the telephone
Will say you're waiting for me
I ask you why, I hear you cry,
But you're still waiting for me
Hab das Lied noch nie gehört. Erwartet zu Werden, muss schlimm sein. Mindestens so peinlich wie Vergöttert zu Werden.
Will say you're waiting for me
I ask you why, I hear you cry,
But you're still waiting for me
Hab das Lied noch nie gehört. Erwartet zu Werden, muss schlimm sein. Mindestens so peinlich wie Vergöttert zu Werden.
Tim
Hab gestern mit ihm synchrongeschlafen. Mutter plätscherte vor sich hin. "33 Augenblicke des Glücks" von Ingo hatte sie gelesen. Ich hatte die Stories schon wieder vergessen. Ich merke mir die immer nur für Augenblicke. Alltagssplitter, belanglos wie der vorletzte Gedanke. Aber Tim war ausgeruht. Ich auch. Ein glücklicher Tag.
Fest im Sattel
Caro hatte den größten, hellsten Raum der Wohnung zum Schlafzimmer gemacht. Da war kaum Raum für ein Schlagzeug in dem schmalen Kinderzimmer. Sie hatte Großes vor. Als ich mich darüber mokiert hab, meinte sie nur, dass Martin aber fest im Sattel sitzt. Damals war er schon ausgezogen und hatte Tim ein Schlagzeug geschenkt. Das steht inzwischen direkt vor Tims Bett und wird nur selten benutzt. Martin sitzt fest im Sattel. Jetzt heißt eine WieOnaniereIchAmDekorativstenVorMeinemChef-Broschüre "Fest im Sattel". Lecker.
1., 2., 3.
Bleiern schwer ist der Morgen. Ich hab gestern eine fremde Stimme gehört. Jemand von Bayern 3. Kurz drauf begann wieder dieses IchBinGläsern. Diese bleierne Last. IchWerdeGesehen,MussGefallenUndFunktionieren. Sobald ich dann über Würde und Scham nachdenke, komme ich bei Ayos Explosionen an. Als ob Würde und Begleiten sich ausschließt. Verdammt, warum fällt mir das jetzt so auf? Warum ist Nähe so schnell entgrenzt? Was macht Sie unverzichtbar für Ihren Boss, fragt Groke grad. Das Begleiten bei Explosionen? Oder das Schweigen danach? Auf wen könnte ich nicht verzichten, wenn ich Boss wäre? Dilda fehlt mir, Franz nicht. Im Gegenteil. Ich bin froh, dass er weit weg ist, der große Schweiger.
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