Mittwoch, Oktober 31, 2007
Sonntag, Oktober 28, 2007
Kinder als Akteure und als Kunden
Kinder als Akteure zu stützen, heißt, eine Vielzahl von Sozialleistungen und Bildungsmodulen schwellenfrei und vernetzt anzubieten, dass das Kind, auch wenn die Mutter nicht allgegenwärtig ist, möglichst selbstbestimmt aus dem Spektrum der Möglichkeiten wählen kann, ohne zu dem Zweck eine Ganztagsschule zu autorisieren. Zu DDR-Zeiten gab es erste Anfänge dazu in der Pionierorganisation, in der sich Gleichaltrige zur Selbsthilfe in Brigaden organisierten.
So wie ein Markt immer wieder Marktforschungsstudien erfordert, um ihn zu aktualisieren, ist es wichtig Bildungsträgerangebote auf Kundenzufriedenheit hin zu hinterfragen, um nicht beim totalitären Pauschalzwang mit Ganztagsförderschulen zu enden.
Nicht erst der durch Zentralabitur abgefragte Bildungsstandard lässt sich durch das Zusammenfügen unterschiedlicher Module erreichen. Je vernetzter diese Module sind, um so ganzheitlicher ist die daraus resultierende Denkart.
In der DDR war ich mal in Mauernähe im Niemandsland, einer Zone, in die ich nur mit Passierschein kam und in der jede Landkarte oder Beschilderung fehlte. Ich musste Einheimische fragen, um mich zurecht zu finden. Die hatten die Ortskenntnis und damit Herrschaftswissen. "Berater" gab es keine. Stattdessen bin ich von Grenzern fast über den Haufen gefahren worden, als ich mich beim Spazieren im Wald verlaufen hatte.Unvernetzte Wissensbrachen erinnern mich an den Wald im Niemandsland. Insider finden sich gut in ihnen zurecht. Als Hinzukommender fühle ich mich wie einer der Verlierer der PISA-Studie. Berater sind schon wichtig, je neuralgischer das Thema ist, um so wichtiger – sie vernetzen.
Aktienoptionen auf Kinder dürfen keine Schuldenrisiken für Kinder bergen. Das Weiterzahlen von Kindergeld im Weltwärts-Programm finde ich gut.
So wie ein Markt immer wieder Marktforschungsstudien erfordert, um ihn zu aktualisieren, ist es wichtig Bildungsträgerangebote auf Kundenzufriedenheit hin zu hinterfragen, um nicht beim totalitären Pauschalzwang mit Ganztagsförderschulen zu enden.
Nicht erst der durch Zentralabitur abgefragte Bildungsstandard lässt sich durch das Zusammenfügen unterschiedlicher Module erreichen. Je vernetzter diese Module sind, um so ganzheitlicher ist die daraus resultierende Denkart.
In der DDR war ich mal in Mauernähe im Niemandsland, einer Zone, in die ich nur mit Passierschein kam und in der jede Landkarte oder Beschilderung fehlte. Ich musste Einheimische fragen, um mich zurecht zu finden. Die hatten die Ortskenntnis und damit Herrschaftswissen. "Berater" gab es keine. Stattdessen bin ich von Grenzern fast über den Haufen gefahren worden, als ich mich beim Spazieren im Wald verlaufen hatte.Unvernetzte Wissensbrachen erinnern mich an den Wald im Niemandsland. Insider finden sich gut in ihnen zurecht. Als Hinzukommender fühle ich mich wie einer der Verlierer der PISA-Studie. Berater sind schon wichtig, je neuralgischer das Thema ist, um so wichtiger – sie vernetzen.
Aktienoptionen auf Kinder dürfen keine Schuldenrisiken für Kinder bergen. Das Weiterzahlen von Kindergeld im Weltwärts-Programm finde ich gut.
Glück ist...
...wenn es jemanden gibt, den du liebst, jemanden, der dich liebt, und wenn du deine Entscheidungen selbst treffen kannst.
Samstag, Oktober 27, 2007
Die Haut spannt, die Lider sind schwer. Bleiern müde fühlt sich der Morgen an. Ich schiebe die Diskussionsberichte und das "Am Rande notiert" vor mir her. Groke ist auf Sendung. Ich fühle mich leer. Mir ist kalt, dabei läuft die Heizung auf Maximum. Nina und Tim scheinen noch zu schlafen. Ich will mit ihnen 17 Uhr zum TrickfilmLounge Festival in die Scheune.
Virtuelles Miteinander
Hab grad sechs Verwarnungspunkte bei radioforen.de bekommen wegen "werbendem oder unnötigem Posten". Ich hatte nach attraktiven Communities von Regionalsendern gefragt. Bei Orangekiss hat Nick mich verwarnt, ich würde werben, ohne Gespräche zu suchen, als ich über Sonia Cillari geschrieben hatte. Bald habe ich mein "eigenes" Forum zum Weglaufhaus Dresden - aber die Seite ist erst noch im Entstehen. Zu moderieren ohne einzuengen ist schwer. Hab die Oskarstraße 14 vor Augen und träume schon wieder vom medikationsfreien Mekka für die akute Krise.
Freitag, Oktober 26, 2007
Persönliches Budget
Der 1. Januar 2008 bringt eine Neuerung für Behinderte: Sozialleistungen werden dann nicht mehr nur als Sachleistung angeboten, sondern können auch ausgezahlt oder als Gutschein vergeben werden - und das an verschiedenen, vernetzten Stellen. Die Höhe der Zahlungen soll nach einem individuell festzustellenden Bedarf gewährt werden. Der Betroffene kann selbst entscheiden, welche Hilfen für ihn am besten sind. Das umfasst Leistungen wie Arznei, Verband-, Heil- und Hilfsmittel, Arbeitsassistenz und Kraftfahrzeughilfe. Es wird Zeit, ein ähnliches Budget für Kinder zu schaffen, um Gleichbehandlung zu ermöglichen und der in Deutschland erschreckend schnell wachsenden Kinderarmut entgegenzuwirken. Ergebnisgerechtigkeit und Verfahrensgerechtigkeit... Musikunterricht hat wahrscheinlich wenig mit Verfahrensgerechtigkeit zu tun: Choreographie und Ablauf stehen fest, für Kreativität bleibt kaum Raum, wie in autoritären Systemen überhaupt. Cheerleading im Schwarm...
Drinnen & Draußen
Wenn das Telefon kaputt ist, werde ich nervös. Tim schweigt sich am Telefon meist aus oder spielt mir die Musik von einer Band vor, von der erwartet, dass ich sie genauso gut kenne und vergöttere wie er. Dabei kann ich mich meistens nur daran erinnern, dass er den Namen schon mal genannt hat. Es ist, als ob wir in unterschiedlichen Welten leben - das einzige Bindeglied das Telefon.
X. hat gelacht, als ich ihr von der Mail erzählt hatte: Shilpa heißt sie, hat im Schnitt eine Milliarde Zuschauer pro Film und tourt gerade durch Deutschland und England. Ich hatte sie bei "TV total" gesehen. Eine Inderin. Ich habe sofort an X. gedacht und an ihr Praktikum. Aber deshalb Shilpa zu mailen war sinnlos. Inzwischen ist eine Woche vergangen, und sie hat nicht geantwortet. Vielleicht ist Shilpa auch nicht ihr Vorname. Als Surf-Lehrer auf den Malediven zu jobben wäre das richtige Praktikum für X., glaube ich.
Hab den Messenger und ein kryptisches Mobile Phone Programm deinstalliert, und der PC ist wieder so schnell wie vorher. Ich bin glücklich. Es ist wieder Freitag 18 Uhr, aber kein Uwe Groke auf Sendung. Schade eigentlich. Ich hatte mich auf ihn gefreut. Pech. Ich bin so glücklich, dass der PC nicht mehr spinnt. Ich könnte die ganze Welt umarmen. Und ich habe es selbst geschafft, ganz allein, hab Andreas nicht mal angerufen. Ein kurzes Telefonat mit Media-Construct genügte.
X. hat gelacht, als ich ihr von der Mail erzählt hatte: Shilpa heißt sie, hat im Schnitt eine Milliarde Zuschauer pro Film und tourt gerade durch Deutschland und England. Ich hatte sie bei "TV total" gesehen. Eine Inderin. Ich habe sofort an X. gedacht und an ihr Praktikum. Aber deshalb Shilpa zu mailen war sinnlos. Inzwischen ist eine Woche vergangen, und sie hat nicht geantwortet. Vielleicht ist Shilpa auch nicht ihr Vorname. Als Surf-Lehrer auf den Malediven zu jobben wäre das richtige Praktikum für X., glaube ich.
Hab den Messenger und ein kryptisches Mobile Phone Programm deinstalliert, und der PC ist wieder so schnell wie vorher. Ich bin glücklich. Es ist wieder Freitag 18 Uhr, aber kein Uwe Groke auf Sendung. Schade eigentlich. Ich hatte mich auf ihn gefreut. Pech. Ich bin so glücklich, dass der PC nicht mehr spinnt. Ich könnte die ganze Welt umarmen. Und ich habe es selbst geschafft, ganz allein, hab Andreas nicht mal angerufen. Ein kurzes Telefonat mit Media-Construct genügte.
Donnerstag, Oktober 25, 2007
Peinlich
Spontan plapperte ich los, tonlos, dünn. Das Grinsen blieb mir im Hals stecken. Ich fühlte mich starr: Er hörte mich - ich telefonierte mit ihm. Von diesem Moment hatte ich nie geträumt. Ihm zuzuhören fiel mir leicht, aber plötzlich selbst zu sprechen, war schwerer, als ich dachte. Und er schwieg. Ich fühlte mich beobachtet... beim Beobachten beobachtet. Warum verdammt hatte ich ihn angerufen? "Hallo, du kennst mich nicht, aber ich sehne mich nach dir"? Idiotisch. Das ging nicht. Stattdessen hab ich mich mit "Salzer, ich rufe aus Dresden an", gemeldet. Und er legte auf - mein Name und meine Stimme waren ihm fremd. Das zweite Gespräch führte ich dann mit seinem Anrufbeantworter. Wenig später habe ich Martin den gleichen Vorschlag gemacht: Ich will, dass er mit zur Performance von Sonia Cillari kommt. Ich weiß nichts über ihn. Genauso gut könnte ich mich mit der Ampel an der nächsten Straßenecke verabreden. Er macht seinen Job, und den macht er gut. Es war peinlich. Glashart nah, berechnend und eiskalt, ohne nostalgisch verklärte Schwüle - so liebte ich mich. Meine Stimme, tonlos und dünn. Ein Moment von vielen. Das Leben ist kurz. Mein Leben ist kurz. Nein, ein Plappern war es nicht. Mir ist schon wieder tragisch, ganz Harndrang. Und jeder Atemzug endgültig.
Maus-Grau wie Malaria
Ich sehe heute ganz grau im Spiegel aus, arbeite mit Adobe InDesign, bastle mit Miri an weglaufhaus-dresden.de und schreibe für Sigurd Goldenbogen Artikel. Ab Montag bin ich im Wissenschaftsministerium. Die Ärzteversorgung hat dem Arbeitsamt zugesagt, dass mein Ruhegeld bis Mai weiterläuft. Damit liege ich zwar nach wie vor unterhalb der Armutsgrenze von 1450 EURO, aber immerhin nicht in HARTZ IV-Nähe. Deutschland belegt zwar weltweit Platz 14 bezogen auf seine soziale Ausgewogenheit, die Kinderarmut wächst hier aber schneller als in den meisten Industrieländern. Das System ist verrückt.
Mittwoch, Oktober 24, 2007
Indien muss schön sein
Die Film-Lotte aus "Auf der anderen Seite" war dort. Seitdem will Nina hin. Gestern habe ich ein Kroke-Plakat gesehen. "Kroke spielen jüdische Musik, mischen den Klezmer aber mit Jazz, Chanson und Folkeinflüssen", steht irgendwo im Weltweiten.
Dienstag, Oktober 23, 2007
Du schließt die Augen, um sie nie wieder zu öffnen, saugst die Luft in dich ein, um nie wieder auszuatmen, schluckst und spürst noch im selben Moment, wie dein Gaumen trocken schwillt. Er fehlt dir. Du ziehst die Schultern hoch und verschränkst Arme und Beine. Tragisch. Es ist, als ob du wieder schneller gealtert bist als sonst, grau im Grau. Er fehlt dir, es ist nicht zu übersehen. Jeder sieht es. Es schreit aus dir heraus. Nur er spürt es nicht, seit Jahren. Du verzehrst dich und vertrocknest irgendwo weit weg, entfernt von dem, was dir wichtig ist. Kein Grund weiterzuatmen. Zieh die Schultern ruhig hoch. Bald kommt auch die Kälte, und es wird dich zerreißen wie jeden Tag, sobald du an ihn denkst. Und es giemt. Du presst das, was mal Atem war, ächzend heraus und hoffst, dass der Schlaf kommt und dich einhüllt.
Anheimelnd vertraut
Er ist Saarbrücker, kräftig, mit gewinnendem Lachen. Freunden zeigt er verblüffend viel Haut. Abend für Abend löscht er alle Freundschaften in seinem Profil bis auf die Drei, die ihm wichtig sind. Er ist ein Familienvater, dem die Woche lang wird. Liebst du ihn, bist du schnell einsam. Es ist eben ein Saarbrücker. Und wer verliebt sich schon so schnell in einen virtuellen Gegenüber.
Selbsthilfegruppe
In der Dresdner Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS) auf der Ehrlichstraße 3 entsteht eine Selbsthilfegruppe Schizophrenie, die sich monatlich treffen wird. Ziel soll das Stützen in angespannten sozialen Notlagen und der Austausch über scheinbar abweichende Wahrnehmungen sein. In Deutschland gibt es kein Recht auf abweichende Wahrnehmungen. Oft werden sie mit Zwangsbehandlung, Elektrokrampftherapie oder Psychopharmaka abgestraft - Psychopharmaka, deren tierexperimenteller Ansatz eine verminderte mentale Abwehr, das verminderte Sniffing, ist. Inzwischen ist der 2. Oktober auch Gedenktag für die, die in der Psychiatrie erstickten oder am Kammerflimmern verstarben. Zwangseinweisungen werden immer häufiger. Zehntausende, 40 Prozent aller psychiatrischen Krankenhauseinweisungen, waren es noch in den Neunzigern: Oft wird abweichende Wahrnehmung mit Fremdgefährdung gleichgesetzt, der Betroffene anstaltspsychiatrisch isoliert und mit Psychopharmaka gedämpft, statt ihn ambulant sozialtherapeutisch zu begleiten. Das Risiko, selbst einer der Zwangseingewiesenen zu werden und bei Widerstand mit Depotspritzen lebenslang ins Abseits gedrängt zu werden, steigt für jeden Einzelnen. Die eigene Wahnfreiheit nachzuweisen ist im Einzelfall fast unmöglich. Der Betroffene durchläuft dann eine Odyssee von psychiatrischer Reglementierungen, die ihn immer stärker im Alltag, auf Arbeit und in der Freizeit begrenzen und isolieren. Sozialtherapie wird kaum konkret budgetiert und muss vom Betroffenen oft pauschal vergütet werden. Viele landen dadurch in einer Endlosschleife, in der soziales Leid mit Benzodiazepinen gedeckelt wird, fühlen sich isoliert und sind verunsichert. Gut, wenn da andere sind, denen Ähnliches passiert ist und die begleiten wollen.
Montag, Oktober 22, 2007
Ich kann zu Radiostimmen in den seltensten Fällen die Gesichter ergänzen, die ich auf den Fotos sehe. Noch verrückter wird es, sobald ich mir nach einmal gesehenen Fotos das Gesicht ohne Webcam vorzustellen versuche. Gerade bei Uwe Groke bin ich bei jedem neuentdeckten Foto verblüfft. Es wird mir dann jedes Mal klarer, wie fremd eine einzelne Radiostimme bleibt, auch wenn ich sie scheinbar oft gehört habe. Es ist ein fremder Mensch, den ich nur in Sekundenbruchteilen erlebe. Schade eigentlich.
Hab heute meinen ersten Chemie-Text redigiert. Das Schöne war, dass ich ellenlange Sätze zu kurzen Sequenzen zerpflücken konnte, ohne dass Holger, der Autor, der selbst Chemiker ist, eine Veränderung bemerkt hatte. Hab ihm ein Stellenangebot vom Thieme-Verlag rausgesucht, auch wenn der Trainer behauptet, dass Holger ortsgebunden ist und handwerklich arbeiten will. Morgen will ich es ihm mailen. Er hat mit Christine Ertel zusammen gewohnt und gearbeitet. Sie sei jetzt in Syrien.
Sonntag, Oktober 21, 2007
Uwe Groke hat am 6. Juli Geburtstag und ist drei Monate jünger als Martin, der Vater von Nina und Tim. Direkt nach seinem Geburtstag musste er 2003 auf Sendung, damals noch beim SWR3. Was ich damals geschrieben habe, weiß ich nicht mehr, nur dass er auf Sendung ging. Seitdem halte ich meine eigenen Gedanken sorgfältiger fest. Schließlich sendet er ja nicht nur für mich. Es gibt also keinen Grund, mich selbst neben ihm zu vergessen. Und die Distanz erhalte ich mir, indem ich schreibe. Seit letzter Woche mache ich eine Reha. Da kann ich nicht ständig schreiben. Aber ich brauche die Zeit, um nächsten Monat fit für ein Praktikum bei Eileen Mägel im Wissenschaftsministerium zu sein und nicht ständig von einer Radiostimme zu träumen. Verdammt, er fehlt mir. Hoffentlich hat der PC morgen eine Soundkarte und Internetanschluss.
Überlastung
Der Job als Anästhesist war härter als ich ihn mir vorher vorgestellt hatte. Außerdem war er oft freudlos. Da war keine Zeit zum Träumen. Immer ging es um alles, ums Leben. Zu Hause war ich wie ausgebrannt. In der Zeit wurde die Nachbarstochter krank. Ihr Vater schloss die Zufahrt, als bei ihr Krebs diagnostiziert wurde. Da war ich gerade mit Tim schwanger. Ich soll mir einen Hubschrauber kaufen, meinte er. Es gab viel Hin und Her per Anwalt. Dabei war die Wohngegend idyllisch. 
Ich verlor die Lust an meinem Job. Alles wurde mechanisch. Auch zu Hause. Bis ich zusammengebrochen bin. Danach begann ich eine neue Ausbildung. Als Journalist. Ich habe dann jahrelang Gedankenprotokolle gemacht und sie sofort ins Netz gestellt. Dabei fielen mir virtuelle Gleichzeitigkeiten auf, die mich verunsicherten: Im Webradio auf SWR3 schienen sich Unfälle zu häufen, ohne dass ich mich abgrenzen konnte. Alles schien mit mir zu tun zu haben, ohne dass ich mich zurückziehen konnte. Ich erlebte mich als unfrei und hilflos, wie ein Spielball. Als ob es jemand krachen ließ, um mich zu manipulieren. Ich vertraute niemandem mehr, nicht einmal mir selbst. Da begann eine Zwangstherapie.

Ich verlor die Lust an meinem Job. Alles wurde mechanisch. Auch zu Hause. Bis ich zusammengebrochen bin. Danach begann ich eine neue Ausbildung. Als Journalist. Ich habe dann jahrelang Gedankenprotokolle gemacht und sie sofort ins Netz gestellt. Dabei fielen mir virtuelle Gleichzeitigkeiten auf, die mich verunsicherten: Im Webradio auf SWR3 schienen sich Unfälle zu häufen, ohne dass ich mich abgrenzen konnte. Alles schien mit mir zu tun zu haben, ohne dass ich mich zurückziehen konnte. Ich erlebte mich als unfrei und hilflos, wie ein Spielball. Als ob es jemand krachen ließ, um mich zu manipulieren. Ich vertraute niemandem mehr, nicht einmal mir selbst. Da begann eine Zwangstherapie.
Samstag, Oktober 20, 2007
Kompakt
Bin noch wie betäubt beim Wochenrückblick: Die Schreiben ans Amtsgericht wegen der Betreuungsvergütung, der Artikel für die Jahresdelegiertenkonferenz des VVN-BDA, das Hin-und-Her zwischen PTZ, Arbeitsamt und Ärzteversorgung, die Gründung der Selbsthilfegruppe für psychisch Betroffene, das Gespräch mit Miri zum Weglaufhaus und meine aufgeregte Mutter gestern mittag. Tim schläft. Nina ist mit Martin zu AFS unterwegs.
Freitag
Hab zwei VVN-Interviews abgetippt und zum Autorisieren gemailt. Nächsten Freitag will ich sie Sigurd Goldenbogen übergeben. UW Groke hat heute 18 Uhr nicht gesendet. Ich hatte heute früh in der Straßenbahn von ihm geträumt. Die Fahrt war fast zu kurz - zwölf Kilometer in einer Dreiviertelstunde. Lothar hat gesimst. Hab die SMS in der Straßenbahn gelesen und mir war wohlig warm. Eigentlich ist Dresden schön.
Donnerstag, Oktober 18, 2007
Collage & Arbeitsmappe
Heute war im PTZ Ergotherapie. Die Ergotherapeutin gab ihre Handlungsanweisungen per Arbeitsblatt. Ebert heißt sie. Ich sollte in 90 Minuten eine Collage machen und trug Farbe auf, die sich zu herbstlichem Braun vermengte. Die Auswertung der Arbeit ist morgen. Der nächste Job ist das Binden einer Arbeitsmappe. Jetzt schreibe ich den VVN-Artikel.
Mittwoch, Oktober 17, 2007
Beliebig
Ich wäre dir gern so nah wie irgendjemand, ein Jeder ganz in deiner Nähe, einfach da. Ohne Eile, lange, endlos lange. Du fehlst mir.
Die erste Unterweisung im PTZ
Hab alle Unterlagen zu meinen Schulden zusammengestellt. Hab Lust, mich anzulehnen und fallen zu lassen. Aufgefangen zu werden muss schön sein. Mir ist endlos schwer. Die VVN-Mitschriften habe ich auch dabei. Heute nachmittag gründet sich die Selbsthilfegruppe für psychisch Betroffene. Ich freue mich auf Nina und Tim. Ich bin gespannt, was sie von London erzählen. Eine knappe Stunde UW, und dann geht es los.
Hypnose
1992 war ich in der Anästhesie in der Urologie. Damals habe ich das erste Mal jemanden getroffen, der psychiatrisch invalidisiert worden war. Nie vorher war mir jemand so nah. Er wollte keine Spinalanästhesie, hatte aber einen Ureterstein, der zertrümmert werden sollte. Schritt für Schritt bin ich mit ihm die Anästhesie-Verfahren durchgegangen, um zu erfahren, wovor er Angst hatte. Ich konnte es nicht eingrenzen und hab dann resigniert: Es wird die gesamte Situation gewesen sein, die verkorkst war. Daraufhin unterschrieb er die Anästhesie-Einwilligung. Die Spinale ging problemlos. Aber mit Beginn der Zertrümmerung bekam er massive Herzrhythmusstörungen. Beim nächsten Eingriff entschied Ingrid Straßberger, dass anstelle der Spinalanästhesie eine Vollnarkose fällig wird. Ich gab ihm Sauerstoff, die Schwester spritzte Hexo, und ich fiel um. Zum Glück kam die Heidi Liebscher rechtzeitig, um ihn zu übernehmen, sonst würde er wahrscheinlich nicht mehr leben. In meinem Schädel-CT wenige Stunden später ließ sich nichts finden, was die Schwindelattacke erklärte. Als ich Revenstorf davon erzählte, begann er mich zu hypnotisieren, um Widerstand und Abwehr auszulasten. Ob die Hände kalt sind, war seine erste Frage, aber sie blieben die ganze Zeit neben ihm warm und schwer.
Dienstag, Oktober 16, 2007
Sommersprossendurst
Ich habe grad die Fliegenmaden aus der Wohnung verbannt, als einer, der seine Frau Claudia und seinen Sohn Mario nennt, sich von Wet Wet Wet "Love is all around" bei Dieter Exter wünscht. Ausgerechnet das Lied, das mich an Marcus Barsch erinnert. Bin wieder fünf Zentimeter zu nah an diesem Planeten. All you need is Love... Immerhin sind die Schmerzen weg. Bei den Antifas war keiner mit Krücke dabei. Rein zufällig ist es gerade 20:31, und Dieter Exter meldet einen liegengebliebenen Laster. Mir ist einsam. Und ein Thomas meint "Wish you were here".
VVN-BDA
Heute war ich für einen Verlag in meiner Nachbarschaft zur Jahresdelegiertenkonferenz des Sächsischen Landesverbandes der VVN-BDA, einem Auftraggeber, mit dem ich hoffentlich nur wenig zu tun haben werde: Er setzt sich hauptsächlich mit Gedenkstättenpflege und NPD-Verbot auseinander. Momentan sterben dem Verband 400 Mitglieder pro Jahr weg. 900 Mitglieder hat Sachsen noch. Das Durchschnittsalter ist 78. Der Kampf gegen den Linksextremismus sei für den Verband nicht das Kerngeschäft, ließ Thomas Schikora, der Leiter der Satzungsredaktion, heute vermerken. Außer mir war niemand von der Presse da. "Lasst uns Nazis toasten", ist ein Slogan der dortigen Jugendarbeit, trumpft Uwe Schuch auf. Von Gewaltverzicht habe ich nichts in der Satzung gelesen, von Karnevals- und Sportvereinsarbeit, von Mitarbeit in der Feuerwehr und anderen Formen der Jugendarbeit, die sie den Rechtsextremen vorwerfen, auch nicht. Nach dem 2.10., dem Gedenktag für die Psychiatrietoten in der BRD, gefragt, zuckten mehrere Delegierte nur mit den Schultern und fragten, ob ich von der BILD-Zeitung komme. Das Bündnis für Sachsen erscheint ihnen rechtslastig, zwischen CDU und DSU angesiedelt. Der 3.10. als Tag der offenen Moschee ist ihnen gleichgültig. Dass der Verfassungsschutz sie observiert, ordnen sie als ungerechtfertigt ein, und sie sind empört, dass bei der Neuzulassung von Lehrern die Mitgliedschaft im VVN-BDA abgefragt wird.
Morgen bereite ich im Personaltrainingszentrum Dresden mein Praktikum in der Pressestelle des Sächsischen Wissenschaftsministeriums vor. Es sieht ganz so aus, als ob der VVN-BDA dort auch einer meiner Gegenüber sein wird: Das Sächsische Gedenkstättengesetz ist gerade ein Streitgegenstand zwischen den beiden.
Morgen bereite ich im Personaltrainingszentrum Dresden mein Praktikum in der Pressestelle des Sächsischen Wissenschaftsministeriums vor. Es sieht ganz so aus, als ob der VVN-BDA dort auch einer meiner Gegenüber sein wird: Das Sächsische Gedenkstättengesetz ist gerade ein Streitgegenstand zwischen den beiden.
Lampenfieber
Wenn Uwe Groke heute auf Sendung geht, pinsle ich gerade die Grußrede der Antifas mit. Ich bin aufgeregt. Ich werde mich vorn rechts vor das Rednerpult setzen, um Fotos machen zu können. Im Radio blubbert 103.5.
Montag, Oktober 15, 2007
Kinderträume
Hab grad noch einmal die Fragen gelesen. Ich hatte mich für die E-Gitarre für Tim beworben. Gewonnen hat sie dann tatsächlich eine Christine für ihre Tochter Sarah. Heute war Bill Titze aus Homburg im Studio. Der 12-Jährige, einer der Gewinner der Kinderträume, will Sportreporter werden. Seine Texte sind Spitze. Bloß beim Vorlesen war er noch zu sehr Quote. Aber es ist wahrscheinlich verdammt schwer, sämtliche Hörer zu einem einzigen zu verdichten, für den mann DIE Message hat.
Distanz
Ich erzähle Stories, lulle ihn ein, immer mit Blick auf die Uhr. Irgendwann wacht er auf, und mein Job ist vorbei. Ich sehe mich schon wieder von draußen in irgendeinem verfremdeten Rollenspiel.
Fünf Millimeter Zahn
Bin schon wieder ganz Bühne. Nahkampf. Alles meint mich, als ob sein Zahnstatus von mir abhängt. Eigentlich weiß ich nur, dass da irgendwo etwas abgebrochen ist, weder die Funktionseinschränkung, noch die kosmetische Wirkung kann ich einschätzen. Außerdem kann er die Rekonstruktionskosten als Werbungskosten oder als Sonderausgaben abschreiben. Es ist alles weit weg und kein Grund, sich aufzuregen. 50 000 Euro Bußgeld bei mangelnder Zurückhaltung hat mir das Regierungspräsidium angekündigt. Das steht in keinem Verhältnis zu den eventuell durch verzögerte Rekonstruktion fällig werdenden 300 Euro für ein zahnfarbenes Inlay. Dieses AlleSehenMich,Ich MussGefallen-Gefühl ist toxisch. Außerdem legt sowieso jeder auf, der mir wichtig ist. Ich habe Zeit. Jeder? Groke. Verdammt, ich schwitze schon wieder.
High Tech
Hab das Aufnahmegerät und die Kamera getestet: Alles klappt. Ich muss nur noch die Akkus laden.
Entwurf eines Schreibens an das Vormundschaftsgericht
Ich kann die Vergütungsansprüche der Betreuerin Cordula Bey nicht tilgen. Mein Einkommen liegt unterhalb der Pfändungsgrenze, da ich Unterhalt zahle und der Krankenkassenbeitrag abgezogen werden muss. Der Kontostand kann für die Vergütung von Frau Bey nicht relevant sein, da aus ihm meine Schulden bei meinen Eltern für vorab von ihnen getilgte Vergütungsansprüche an Frau Bey noch nicht hervorgehen. Gegebenfalls füge ich auch meine mit der Schuldnerberatung besprochene Haushaltssituation bei.
Sonntag, Oktober 14, 2007
SWR3-Charts
Ich höre grad die SWR3-Charts: Annie Lennox hat es bis in die Neuvorschläge geschafft. Der Neuvorschlag war von mir. Jan Garcia, der ihn vorgestellt hat, ist seit dieser woche auf meiner MySpace-Freundesliste. Ich bin glücklich.
Samstag, Oktober 13, 2007
George Harrison
Ein Statement von vielen
Ich habe mich in eine Saarbrücker Radiostimme verliebt und sauge alles, was an ihn erinnert, wie ein Schwamm auf. Uwe Groke heißt er, will aber offensichtlich nichts von mir wissen. Deshalb schaue ich mir das SOL.de an, um zu sehen was im Saarland so reizvoll anders ist oder ob es tatsächlich "nur" dieser Mann an sich ist, der mich fasziniert, sobald er den Mund aufmacht. Ich habe ihn zur Cynetart nach Dresden eingeladen, aber noch keine Antwort von ihm. Als ich ihn diese Woche anrufen wollte, hat er sofort aufgelegt. Inzwischen hatte ich ihn allerdings zur Ikone hochstilisiert, was ihm peinlich zu sein schien. Das passt offensichtlich nicht zur Corporate Identity seines Claims. Mcnep, ein Düsseldorfer Mitblasterer auf www.assoziations-blaster.de übersetzt das Feedback jedenfalls so. Mcnep meint andererseits, Groke sei jemand, von dem er sich unbesehen die Gangschaltung reparieren lassen würde. Letztendlich ist mein Hauptproblem, dass ich seit Jahren das irre Gefühl hatte, Groke kann mich sehen, sobald ich das Radio anmache. Anfangs war das eine fixe Idee, später verselbständigte sie sich zum Wahn. Irgendwann war ich dann soweit, ihn einfach anzusprechen, soweit das von Dresden aus ging. Damals war er noch in Baden-Baden beim SWR3. Mcnep ordnete mein Blasten zu Groke als Stalking ein. Andererseits hat Mcnep jede meiner Aktionen mit penetranter Genauigkeit verfolgt und kommentiert, was auch einen Beigeschmack von Stalking hat. Blasterer untereinander sind manchmal so klebrig, dass sogar Google die Interaktion listet. Mcnep wiederum ging soweit, zu listen, auf welchem Google-Listenplatz ich wann in welcher Stichwort-Kombination bei Groke stand.
Mir geht im Moment viel durch den Kopf. Ich war diese Woche zweimal bei der Schuldnerberatung. Dass ich dort keine Rechtsberatung erhalte, war mir klar, aber einen roten Faden. Das Gericht ordnet mich aufgrund meines Kontostandes von mehr als 800 Euro als vermögend ein und verlangt die Vergütung für die Betreuungskosten von mir. Die Forderung will ich abwehren. Die bisherigen Zahlungen hatten meine Eltern übernommen. Jetzt wird es auch meinem Vater zu viel. Ich hab mir bei der Schuldnerberatung das Vorgehen bis hin zum Gerichtsvollzieher erklären lassen. Vater meinte nur, dass Ilona, seine Kollegin, mehrfach den Gerichtsvollzieher im Haus gehabt hätte. Irgendwann rede ich mit meinen Kindern darüber. Bis dahin muss ich selber aber erst mal einen roten Faden sehen. Den erhoffe ich mir im Personaltrainingszentrum zur beruflichen Rehabilitation nächste Woche und von der Sozialarbeiterin in der Psychiatrie. Meine vorherige Psychiaterin hat dann immer nur gelacht und gesagt, dass ich auf meine Rente achten soll. Ich habe mich sehr isoliert gefühlt und mir kaum getraut, auf potentielle Freunde zuzugehen aus Angst, dass es etwas kosten könnte. sogar wenn meine Kinder da waren, habe ich ständig gerechnet. Noch vor vier Jahren war das nicht nötig. als ich noch gearbeitet hatte, konnte ich vor Angst vor dem nächsten Arbeitstag nicht schlafen, jetzt raubt mir die Armut den Schlaf. Und zu allem dann noch Vaters Kommentar zu hören, dass andere mit noch weniger Geld auskommen, ist wie ersticken.
Neue Linie
Hab geträumt, unten ohne Straßenbahn zu fahren. Nach Prohlis. Ich saß in der Straßenbahn nach Prohlis, fuhr aber die 85er Strecke. Niemand sagte etwas. Alle schauten betreten weg. Es dauerte eine Weile, bis ich es bemerkte. Auf dem Langen Weg sah ich es: Ich war nicht rasiert. Der Walkman streikte. Der Traum war schlimmer als der, in dem ich mit Martins Birkenstock-Schuhen über den Schillerplatz fuhr.
Das sind doch alles keine richtigen Freunde!
Mitten in meinen Stolz hinein kam Tims Kommentar. Natürlich ist das Miteinander bei MySpace alles andere als intensiv. Trotzdem habe ich mich gefreut, dass Jan Garcia mich geaddet hat. Vielleicht gerade deshalb. Die Stimme ist immer so nah. Ich fühle mich geborgen, sobald ich sie höre. Irrational geborgen. Stundenlang.
Traumprinz
"Du musst geschützt werden, das kann ich nicht leisten. Die Gruppe, die du brauchst, gibt es noch nicht." Es sind Bruchstücke, Gedankensplitter, die mir durch den Kopf gehen. Ich fühle mich orientierungslos. Ein Traumprinz wäre schön. Einer der mich in die Arme nimmt und beschützt. Nett und reich müsste er sein. Aber sowas gibt es nicht. Armut und Ablehnung ist das, was ich kenne.
Einsames Vegetieren
"Du bist nicht die Einzige, die einsam ist", schreibt er. Aus irgendeinem Grund macht mir das Angst. Warum fällt es mir so schwer zu vertrauen? Warum ist es um so viel leichter, von Groke zu träumen? Und warum erreiche ich Groke nicht? Ist es das Gleiche wie bei Franz? Armut macht mir Angst. Ich sei vermögend, steht auf dem Gerichtsbeschluss. Wahrscheinlich muss ich dagegen Widerspruch einlegen. Ich würde gern in den Urlaub fliegen. Irgendwo am Strand zu liegen, wäre schön. Unter Palmen. "Es ist eine schizophrene Sendung", sagt Steffie Haiber grad. Ich habe verpasst warum. Ich habe das Gefühl, endlos lange bestraft zu werden, dafür dass ich anders empfinde als andere. Das macht einsam. Ich habe nur noch Online-Kontakte und keine Freundschaften mehr. Und meinen Kindern kann ich durch die hohe Miete wahrscheinlich auch nicht mehr lange nah sein. Martin ist mir fremd. Fremder als andere.
Freitag, Oktober 12, 2007
Schuldnerberatung
Es ist knapp. Ich soll den Dispokredit kündigen, sagt sie. Sie will einen Anwalt für Betreuungsrecht fragen, ob und wie ich die Vergütung der Betreuungskosten abwehren kann. Meine Miete sei hoch.
Weglaufhaus Dresden
Psychiatrieerfahrene tauschen sich in Dresden kaum über ihre Sehnsucht nach Medikamentenfreiheit in der Krise aus. Die Stadt hat bis jetzt keine Lobby gegen psychiatrischen Gewalt. In Berlin geht das Weglaufhaus bereits ins zehnte Jahr. Bochum und das Saarland haben bereits entsprechende Konzeptionen. In Leipzig soll ein altes Schiff den von psychiatrischer Gewalt Bedrohten Raum geben. Die Finanzierung wird bis auf weiteres problematisch sein. Daran ändern auch die alljährlichen Demonstrationen zum Gedenktag für die Psychiatrietoten am 2. Oktober nichts. In Deutschland gibt es kein Recht auf abweichende Wahrnehmungen. Meist werden sie mit Neuroleptika abgestraft. Sozialtherapie wird kaum budgetiert. Viele landen dadurch in einer Endlosschleife, in der soziales Leid mit Benzodiazepinen gedeckelt wird, fühlen sich isoliert und sind verunsichert. Gut, wenn da andere sind, denen Ähnliches passiert ist und die begleiten wollen.
Donnerstag, Oktober 11, 2007
Gleich gehe ich zu Sigurd Goldenbogen wegen dem Artikel. Danach will ich zur Schuldnerberatung. Alex hat sich gemeldet. Eric meint, es sei gut, solange es keine Kugel ist, wenn mir viel durch den Kopf geht. Parzival scheint noch zur Tagung zu sein. Heute läuft eine Sendung, die ihn vielleicht interessiert.
Mittwoch, Oktober 10, 2007
Gleich kommt Tim
Mars Volta gefällt ihm, marinierter Hering nicht. Ich hab heute den Hausarzt gewechselt und hätte mich kaum noch an Christine Ertl erinnert, wenn heute nicht der Nobelpreis für einen Autokatalysator an Gerhard Ertl gegangen wäre. Und bei alledem wären mir Nobelpreise nicht unter die Haut gegangen, wenn ich nicht wenige Minuten bevor der deutsche Physiker Grünberg für Magnetfeld-Kram an Computern damit ausgezeichnet wurde, ausgerechnet den Kommentar über einen Grünberg aus meinem Blog gelöscht hätte. Ich bekam gleich wieder diskrete Schwierigkeiten, Gleichzeitiges zu trennen. Aber das Risperdal ist gut. Da ist das Wahrgenommene zwar gleichzeitig, aber nicht grell. Nur die ischialgiformen Schmerzen im linken Bein sind ein herber Preis dafür. Gleich kommt Tim.
Tagtraum
Hab das mündliche OK für die Kostenübernahme des Arbeitsamtes für Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben durch das Personaltrainingszentrum für zwölf Wochen. Jetzt brauche ich noch die Zusage der Sächsischen Ärzteversorgung, dass sie mir im Rahmen dieser Förderung nicht die Berufsunfähigkeitsrente kürzt.
Dienstag, Oktober 09, 2007
Parzival
Seit ein paar Tagen schreibe ich in einer saarländischen Domain, um Groke näher zu kommen. Dabei habe ich Parzival kennengelernt. Er hat einen interessanten Job. Er hat mehrere Tage gezögert, bevor er mir den Link nannte, obwohl ich mich mit vollem Namen und einem Maximum an Links in der Domain vorgestellt hatte. Schwerbehindertenangelegenheiten, Integrationsämter, Arbeitsagenturen und deren Fördermöglichkeiten sind Gegenstand einer Tagung, die er heute besucht. Egozentrisches Konfliktverhalten scheint, liest man ihn, ein Knackpunkt bei seelischer Behinderung zu sein. Was Paul an dem Gralssucher so fasziniert, dass er ihn zu seinem Nick macht, weiß ich noch nicht. Der WillsteQuatschen-PaulH verlinkt seine Seite gerade mit einem Drogendealer-Spiel. Mir gefiel mein Name jahrelang nicht, deshalb hatte ich den Nick Biggi gewählt. Es war wie ein Hineinwachsen in eine komfortablere Haut. Scheinbar existentielle Konflikte rückten dadurch weiter weg. Gestern kam ich beim Anrufen – ich hatte Grokes Nummer gewählt – nur bis zum »Hallo, hier ist Salzer. Ich rufe aus Dresden an«, bevor die Stimme am anderen Ende auflegte. Jetzt zu deuten, warum er aufgelegt hat, fällt mir schwer. Was Namen im Netz überhaupt bewegen, erscheint mir insgesamt mehr als zufällig. Ich dachte, je konkreter Information ist, um so sinnvoller wird das Internet. Ansonsten verflacht es zu einer Allgemeingültigkeit wie die egozentrisch stalkende Graffitibotschaft IchLiebeDich. In Konfliktsituationen ist es schon üblicher, seinen Standpunkt mit Namen und Adresse zu unterlegen, auf die Gefahr hin, aus der virtuellen Community ausgeschlossen zu werden. Aber was kann ein Name im Zeitalter von Google überhaupt noch bewirken, wenn Bite zur Währungseinheit mutiert? Dann muss der Claim schon sehr klein sein, um überhaupt noch einen Trend zu erkennen.
Montag, Oktober 08, 2007
Es zerreißt mich
Schon wieder Mond... Irgendwann wird alles Alltag, auch Schwerelosigkeit. Ob Kosmonauten Salsa tanzen können? Hab Groke angerufen. Er hat sofort aufgelegt. Das passiert mir so selten, dass ich immer noch weiche Knie habe, sobald ich mich erinnere. Verdammt, warum geht mir Unerwartetes so unter die Haut, als ob es etwas mit mir zu tun hat? Es roch nach Angst. Vielleicht ist es das. Es roch nach meiner eigenen Angst. Aber wovor ich Angst habe, kann ich noch nicht einordnen. Vor dem Nichtzurückblätternkönnen am ehesten. Da ist eine Lücke, die ich so nicht schließen kann. Zumindest eine Informationslücke. Im OP und bei Besprechungen ist mir das passiert. Nein, im OP nicht. Da konnte ich ewig anrufen, sogar beim Intubieren. Telefon war da Bühne, egal wie sehr die Luft brannte. Und wenn dann einer am Telefon die Nerven verlor, war das Symptom für den Worst Case. Deshalb die weichen Knie. Es hat wahrscheinlich doch mehr mit mir zu tun, als ich mir zugeben will.
Ferien
Tim will sich mit Freunden treffen, Nina surfen. Franz studiert. Bald ist die zweite Runde von Short Film - Live Music, bei dem Franz letztes Jahr mitgemacht hat.
Sonntag, Oktober 07, 2007
Wiener Mief
Ursel beschreibt Ehre als männlich - die Frau sei nur Objekt und der Mann eine Wiener Mischung aus Knigge und Altem Fritz. Er duelliert sich, um seinen Sexualtrieb zu befriedigen.
Touched Echo
Parzival hat sich für mich beim SR3 El Temperamento von Marquess mit Grüßen an Uwe Groke gewünscht, aber es wurde nicht gesendet. Ich habe den SR3 heute das erste Mal gehört: Peinlichkeitskoeffizient wie DD-Radio - ein Wunschkonzert eben. Erstaunlicherweise wünscht sich in Saarbrücken niemand Tom Reichel. Tim mag Fahrkartenkontrolleusen nicht. "Ich will deine Fahrkarte sehen und nicht deine Lebensgeschichte hören", kommentiert er sie, vom Alltag gestalkt.
Samstag, Oktober 06, 2007
Erste virtuelle Radio-Party
Gestern haben sich Orangekiss und DD-Radio aufwendiger vernetzt, zu einer Party. Der Chat war auffallend liebevoll programmiert, das Studio belebter als sonst. Es fehlte aber eine einheimische Band, um vom Ficken-Fressen-Saufen-Image wegzukommen. Janos Wieland hat zugesagt, dass er Dresdner Bands vorstellen wird. Wann und Wie, frage ich ihn später. Schön wäre es, wenn bei der nächsten virtuellen Party die Band Neuland mit im Studio wäre, die mit ihrem Titel Fahrkartenkontrolleuse seit vier Wochen die Regionalcharts führt.
Freitag, Oktober 05, 2007
Zukunftsträume
Mein Ausbilder hat inzwischen den Medizinredakteur in München abgerüstet und sich stattdessen auf das Management im Gesundheitswesen konzentriert.
November
Das Personaltrainingszentrum wird mich bei meinem Praktikum in der Pressestelle des Wissenschaftsministeriums unterstützen und das gleich als Arbeitserprobung nutzen.
Donnerstag, Oktober 04, 2007
Sächsische Zeitung
Heute war Arne Nowak, mein Ex-Nachbar, in der Sächsischen Zeitung: Alex Schneider hat über ihn geschrieben. Es war der erste Verhandlungstag zu seinen zerschossenen Knien. Er hat sich die beiden Russen angeschaut, die ihn überfallen hatten, sollte aber gleich wieder den Saal verlassen. Inzwischen kann er wieder ohne Krücken gehen.
Immer liebt man das Land, in dem man nicht wohnt, und den Mann, den man nicht kennt
Fernweh ist fast ein Trost. Gestern war ich in einem ehemaligen DDR-Plattenbau-Kindergarten. Heute ist er DIE Moschee in Dresden. Wieder stehen Schuhe im Treppenhaus. Aber diesmal gehören sie Erwachsenen. Wieder ist die Sprache zur Nachmittagszeit gedämpft, als ob immer noch geschlafen wird. Allerdings hat der Bau so gar keine Ähnlichkeit mit einem Dornröschenschloss, eher mit einem Kriegsgebiet: Die Räume sind leer, die Tapeten stellenweise von den Wänden gefetzt, so ganz anders als im Frauenbildungszentrum wenige Straßen weiter. Aber viele der Männer haben frisch gewaschene Füße. Trotzdem ist mein Fernweh kaum noch zu spüren, die breiten, gen Mekka gekrümmten Rücken vor Augen. Meine Neugier ist schnell gesättigt. Noch während sie beten, verschwinde ich. Da gehöre ich nicht dazu, noch weniger als zu der halbverrotteten Platte. Es ist ein Stück Vergangenheit, mit dem ich nichts mehr zu tun habe.
Parkpädagogen statt Parkwächter

Deutschlandradio Kultur berichtet von Parkwächtern in Potsdam. In Dresden ist das Grillen auch nur an bestimmten Stellen erlaubt. Aber es gibt keine so starke Lobby für das gezieltere Auslasten des Altstädter Großgrüns wie in Potsdam. Der Spruch "Wir brauchen keine Spielplätze, wir haben den Wald" ist zur Nostalgie verkommen, Baum verkümmert zu Reservat, während Plattenbau-Kindergärten von Muslimen besetzt werden.
Mittwoch, Oktober 03, 2007
Eschberg
Bis jetzt ordne ich Eschberg zwischen Neuperlach und Marzahn ein. Groke wohnt dort und macht dort jetzt sogar zwei Wochen Urlaub. Der letzte Urlaub, von dem er erzählt hat, war in Vietnam zur Regenzeit. Aber das ist schon wieder ein Jahr her. Vielleicht ähnelt Eschberg aber eher Siemens-Town Ottobrunn oder Berlin-Herzberge, wenn ich Dieter, einen Saarbrücker, richtig verstehe. In Saarbrücken gibt es Veranstalter, denen es zu gelingen scheint, Kochen als Event zu vermarkten, so dass Männer bis zu 50 Euro für entsprechende kurse ausgeben. Wenn ich könnte, würde ich Jamie Oliver einladen. Aber dass der nach Dresden kommt, ist noch unwahrscheinlicher, als dass Groke sich hierher verirrt. Außerdem ist die Sprachbarriere blöd.
Tag der offenen Moschee
Die Dresdner Verkehrsbetriebe listen keine Verbindungen von der Bärensteiner Straße 14 zur Uhlandstraße 34. Die Dresdner Moschee ist in einem Kindergartenneubau der späten Siebziger. Im selben Typenbau waren auch Nina und Tim. Ich bin wieder in die Zeit zurückversetzt, als Stine uns bekocht hat, vor mir viele nach Mekka verneigte Männer. Überall liegt Bauschutt, dazwischen hochfloriger Teppich, nirgendwo ein Flyer über Integrationsprojekte oder eine Frau. Wenige Häuser weiter beginnt das Uni-Gelände. Wenige Minuten später gehe ich wieder und hoffe, dass Tim an einem schöneren Ort ist.
Paul hat mir ein Jeff Brett Gedicht gemailt. Das PTZ bietet mir ein Gespräch zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt an. Mein Konto schmilzt. Ich hab noch keinen Termin bei der Schuldnerberatung. Ich sehne mich nach einer sicheren Perspektive und nach Herzenswärme. Ja, Herzenswärme hat Liane Freudenberg das genannt, was ich im Weltweiten suche.
Montag, Oktober 01, 2007
Anne Frank hat mir den Link zur Herbst-Comedy gemailt. Hab sogar Real Player und Firefox inzwischen.
Abonnieren
Posts (Atom)

