Dienstag, Oktober 09, 2007
Parzival
Seit ein paar Tagen schreibe ich in einer saarländischen Domain, um Groke näher zu kommen. Dabei habe ich Parzival kennengelernt. Er hat einen interessanten Job. Er hat mehrere Tage gezögert, bevor er mir den Link nannte, obwohl ich mich mit vollem Namen und einem Maximum an Links in der Domain vorgestellt hatte. Schwerbehindertenangelegenheiten, Integrationsämter, Arbeitsagenturen und deren Fördermöglichkeiten sind Gegenstand einer Tagung, die er heute besucht. Egozentrisches Konfliktverhalten scheint, liest man ihn, ein Knackpunkt bei seelischer Behinderung zu sein. Was Paul an dem Gralssucher so fasziniert, dass er ihn zu seinem Nick macht, weiß ich noch nicht. Der WillsteQuatschen-PaulH verlinkt seine Seite gerade mit einem Drogendealer-Spiel. Mir gefiel mein Name jahrelang nicht, deshalb hatte ich den Nick Biggi gewählt. Es war wie ein Hineinwachsen in eine komfortablere Haut. Scheinbar existentielle Konflikte rückten dadurch weiter weg. Gestern kam ich beim Anrufen – ich hatte Grokes Nummer gewählt – nur bis zum »Hallo, hier ist Salzer. Ich rufe aus Dresden an«, bevor die Stimme am anderen Ende auflegte. Jetzt zu deuten, warum er aufgelegt hat, fällt mir schwer. Was Namen im Netz überhaupt bewegen, erscheint mir insgesamt mehr als zufällig. Ich dachte, je konkreter Information ist, um so sinnvoller wird das Internet. Ansonsten verflacht es zu einer Allgemeingültigkeit wie die egozentrisch stalkende Graffitibotschaft IchLiebeDich. In Konfliktsituationen ist es schon üblicher, seinen Standpunkt mit Namen und Adresse zu unterlegen, auf die Gefahr hin, aus der virtuellen Community ausgeschlossen zu werden. Aber was kann ein Name im Zeitalter von Google überhaupt noch bewirken, wenn Bite zur Währungseinheit mutiert? Dann muss der Claim schon sehr klein sein, um überhaupt noch einen Trend zu erkennen.
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