Donnerstag, Oktober 25, 2007
Peinlich
Spontan plapperte ich los, tonlos, dünn. Das Grinsen blieb mir im Hals stecken. Ich fühlte mich starr: Er hörte mich - ich telefonierte mit ihm. Von diesem Moment hatte ich nie geträumt. Ihm zuzuhören fiel mir leicht, aber plötzlich selbst zu sprechen, war schwerer, als ich dachte. Und er schwieg. Ich fühlte mich beobachtet... beim Beobachten beobachtet. Warum verdammt hatte ich ihn angerufen? "Hallo, du kennst mich nicht, aber ich sehne mich nach dir"? Idiotisch. Das ging nicht. Stattdessen hab ich mich mit "Salzer, ich rufe aus Dresden an", gemeldet. Und er legte auf - mein Name und meine Stimme waren ihm fremd. Das zweite Gespräch führte ich dann mit seinem Anrufbeantworter. Wenig später habe ich Martin den gleichen Vorschlag gemacht: Ich will, dass er mit zur Performance von Sonia Cillari kommt. Ich weiß nichts über ihn. Genauso gut könnte ich mich mit der Ampel an der nächsten Straßenecke verabreden. Er macht seinen Job, und den macht er gut. Es war peinlich. Glashart nah, berechnend und eiskalt, ohne nostalgisch verklärte Schwüle - so liebte ich mich. Meine Stimme, tonlos und dünn. Ein Moment von vielen. Das Leben ist kurz. Mein Leben ist kurz. Nein, ein Plappern war es nicht. Mir ist schon wieder tragisch, ganz Harndrang. Und jeder Atemzug endgültig.
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