Heute war ich für einen Verlag in meiner Nachbarschaft zur Jahresdelegiertenkonferenz des Sächsischen Landesverbandes der VVN-BDA, einem Auftraggeber, mit dem ich hoffentlich nur wenig zu tun haben werde: Er setzt sich hauptsächlich mit Gedenkstättenpflege und NPD-Verbot auseinander. Momentan sterben dem Verband 400 Mitglieder pro Jahr weg. 900 Mitglieder hat Sachsen noch. Das Durchschnittsalter ist 78. Der Kampf gegen den Linksextremismus sei für den Verband nicht das Kerngeschäft, ließ Thomas Schikora, der Leiter der Satzungsredaktion, heute vermerken. Außer mir war niemand von der Presse da. "Lasst uns Nazis toasten", ist ein Slogan der dortigen Jugendarbeit, trumpft Uwe Schuch auf. Von Gewaltverzicht habe ich nichts in der Satzung gelesen, von Karnevals- und Sportvereinsarbeit, von Mitarbeit in der Feuerwehr und anderen Formen der Jugendarbeit, die sie den Rechtsextremen vorwerfen, auch nicht. Nach dem 2.10., dem Gedenktag für die Psychiatrietoten in der BRD, gefragt, zuckten mehrere Delegierte nur mit den Schultern und fragten, ob ich von der BILD-Zeitung komme. Das Bündnis für Sachsen erscheint ihnen rechtslastig, zwischen CDU und DSU angesiedelt. Der 3.10. als Tag der offenen Moschee ist ihnen gleichgültig. Dass der Verfassungsschutz sie observiert, ordnen sie als ungerechtfertigt ein, und sie sind empört, dass bei der Neuzulassung von Lehrern die Mitgliedschaft im VVN-BDA abgefragt wird.
Morgen bereite ich im Personaltrainingszentrum Dresden mein Praktikum in der Pressestelle des Sächsischen Wissenschaftsministeriums vor. Es sieht ganz so aus, als ob der VVN-BDA dort auch einer meiner Gegenüber sein wird: Das Sächsische Gedenkstättengesetz ist gerade ein Streitgegenstand zwischen den beiden.
Dienstag, Oktober 16, 2007
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