Donnerstag, Oktober 04, 2007
Immer liebt man das Land, in dem man nicht wohnt, und den Mann, den man nicht kennt
Fernweh ist fast ein Trost. Gestern war ich in einem ehemaligen DDR-Plattenbau-Kindergarten. Heute ist er DIE Moschee in Dresden. Wieder stehen Schuhe im Treppenhaus. Aber diesmal gehören sie Erwachsenen. Wieder ist die Sprache zur Nachmittagszeit gedämpft, als ob immer noch geschlafen wird. Allerdings hat der Bau so gar keine Ähnlichkeit mit einem Dornröschenschloss, eher mit einem Kriegsgebiet: Die Räume sind leer, die Tapeten stellenweise von den Wänden gefetzt, so ganz anders als im Frauenbildungszentrum wenige Straßen weiter. Aber viele der Männer haben frisch gewaschene Füße. Trotzdem ist mein Fernweh kaum noch zu spüren, die breiten, gen Mekka gekrümmten Rücken vor Augen. Meine Neugier ist schnell gesättigt. Noch während sie beten, verschwinde ich. Da gehöre ich nicht dazu, noch weniger als zu der halbverrotteten Platte. Es ist ein Stück Vergangenheit, mit dem ich nichts mehr zu tun habe.
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