Mittwoch, Oktober 17, 2007

Hypnose

1992 war ich in der Anästhesie in der Urologie. Damals habe ich das erste Mal jemanden getroffen, der psychiatrisch invalidisiert worden war. Nie vorher war mir jemand so nah. Er wollte keine Spinalanästhesie, hatte aber einen Ureterstein, der zertrümmert werden sollte. Schritt für Schritt bin ich mit ihm die Anästhesie-Verfahren durchgegangen, um zu erfahren, wovor er Angst hatte. Ich konnte es nicht eingrenzen und hab dann resigniert: Es wird die gesamte Situation gewesen sein, die verkorkst war. Daraufhin unterschrieb er die Anästhesie-Einwilligung. Die Spinale ging problemlos. Aber mit Beginn der Zertrümmerung bekam er massive Herzrhythmusstörungen. Beim nächsten Eingriff entschied Ingrid Straßberger, dass anstelle der Spinalanästhesie eine Vollnarkose fällig wird. Ich gab ihm Sauerstoff, die Schwester spritzte Hexo, und ich fiel um. Zum Glück kam die Heidi Liebscher rechtzeitig, um ihn zu übernehmen, sonst würde er wahrscheinlich nicht mehr leben. In meinem Schädel-CT wenige Stunden später ließ sich nichts finden, was die Schwindelattacke erklärte. Als ich Revenstorf davon erzählte, begann er mich zu hypnotisieren, um Widerstand und Abwehr auszulasten. Ob die Hände kalt sind, war seine erste Frage, aber sie blieben die ganze Zeit neben ihm warm und schwer.

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