Freitag, August 31, 2007
Fußball
Tim weiß jetzt noch, wer im afrikanischen Viertelfinale zwischen Kamerun und Elfenbeinküste das entscheidende Tor beim Elfmeterschießen vermasselt hat. Fußball ist ihm wirklich wichtig. Mit der Präzision merke ich mir nicht mal, wann Barsch oder Groke gelacht haben.
Danebenreden
Smolka ist Psychiater, nicht Psychologe. Und er sucht einen approbierten Arzt. Warum er mich trotzdem bestellt hat, begreife ich nicht. Was ich noch weniger begriffen hatte, war, warum der Mitbewerber aus Konstanz kam, nachdem gestern bei Marcus Barsch ein Martin aus Konstanz anrief, ob sein Auto Jasmin Tabatai gehört hat. Wie hängt das zusammen? Der Andere ist Rollstuhlfahrer und Psychologe, sein Betreuer Jurist. Ich zelebriere meine Denkstörung. Der Preis dafür ist hoch genug: Ein Jahr Psychiatrie und die eingebüßte Approbation. Grund genug, sie auszukosten. Ich glaube, ich wäre dort nie glücklich geworden.
Meine kleine Welt
Er macht sich wahrscheinlich zu viele Gedanken, schreibt er. Hab gestern wieder an ihn gedacht. Daran, dass es gut wäre, wenn Tims Band bald zu proben beginnt. Gestern hat Nina Crepes gebacken. Die Ausstellung über Schlaf und Traum hatte sie mehr interessiert, als ich erwartet hatte. Mich interessierte die Frage WieLangeHaltenSieSichTäglichImFreienAuf? auf einem der Monitore dort. Nachher ist das Vorstellungsgespräch bei Smolka in der Klinischen Psychologie. Mein Bewerbungs-Jacket lasse ich diesmal zuhause. Ich ziehe lieber die blaue Strickjacke an. Ich bin so aufgeregt. Fast als ob ich Grokes Telefonnummer wählen will. Es ist alles so verrückt. Der Jobist sowieso schon weg. Vielleicht war das Gespräch auch schon gestern, und die wundern sich, was ich heute bei ihnen will. Mir ist schlecht. Ich habe keine Lust aufzustehen. Ausgerechnet jetzt kommt Wake me up when september ends von Green Day. Die Weltverschwörung riecht wahrscheinlich nach Zufall, wenn es sie überhaupt gibt. Was macht Verschworensein überhaupt aus? Verstehen per Knopfdruck? Wie die drei Bewertungspunkte beim Blasten, die Suggerieren, dass Hören, Denken und Schreiben eine Einheit bilden?
Donnerstag, August 30, 2007
Verliebt
Ich glaube, der Unwahrscheinlichkeitsantrieb spielt eine große Rolle - die Befürchtung, den Anderen so nie erreichen zu können - im Wechselspiel von Selbstzweifel und Fernweh. Wenn sich dann trotzdem unerwartet eine Chance auftut, ist der Moment bestimmt überwältigend, das Danach aber wahrscheinlich ernüchternd. Aber was im Alltag geschieht schon nach dem Alles-oder-Nichts-Gesetz? Du siehst jemanden Tag für Tag, ihr geht aufeinander zu, plötzlich weicht er aus, du stutzt, beobachtest ihn genauer und spürst, dass du ihn brauchst, und wenn es nur ist, dass du magst, wie er dich gemocht hat. Geht er auf dich zu, weichst du aus und zweifelst an dem, was er sucht, zweifelst an ihm.
Mittwoch, August 29, 2007
Das Sehen verändert das Licht. Quantenphysik
Nächste Woche kommen zwei Berliner nach Dresden und halten vor der Psychiatrieerfahrenen-Selbsthilfegruppe einen Vortrag über die Krisenpension in Berlin. Danach wollen wir einen Termin mit der Dresdner Psychiatriekoordinatorin vereinbaren, um zu sehen, wie sich ein Weglaufhaus in die hiesige Psychiatrie-Landschaft einordnet. In Dresden werden andersartige Wahrnehmungen leider oft primär medikamentös und nicht sozialtherapeutisch behandelt. Diese Lücke, wenn sie sich im Gespräch mit der Psychiatriekoordinatorin nachweisen lässt, soll das Weglaufhaus zu schließen helfen.
Montag, August 27, 2007
Autobahn A81
Irgendwo an der A81 scheint jemand zu wohnen, der oft auf der SWR3-Verkehrs-Hotline anruft. Das passiert so oft, dass es mir auffällt. Oft sind es Rehe auf der Fahrbahn, die er meldet. Manchmal denke ich, er liest hier und in der Blasterstatistik mit, dieser Jemand. Eine Zeitlang hatte es mich sehr verunsichert, zumal nicht wie bei dem Wetterbericht von Helmut Kohla der Name mit angesagt wird. Dann falle ich mit boshafter Regelmäßigkeit in die A81-Gedankenkette 1981HabeIchMartinKennengelernt-InDerDresdnerStraße81HabeIchGewohnt-81PfennigKosteteDasMalfaBrotVorDerWende. Bevor ich aus der Arabeske ausbreche, vergehen jedesmal Zehntelsekunden, in denen ich mich nicht konzentrieren kann. Es ist eine inhaltliche Denkstörung, aber eine, die mir vertraut ist. Vertraut wie ein langjähriger Wahn. Es ist, als ob dieser Jemand mich meint. Es ist ein Wahn. Verrückt. Beziehungslos und nicht mal synchron. Einfach Zufall. Ein Zufall, den auch Marcus Barschs Stimme nicht zwingender werden lässt. Irgendwann bin ich so weit, dass ich ihn gar nicht mehr bemerke, diesen Zufall.
Psychologischer Dienst
Ich war heute auf dem Arbeitsamt. Der Leistungstest war schwerer, als ich erwartet hatte. Meine Fehlerrate war zwar gering, aber die Leistung war streckenweise nur Durchschnitt. Die Psychologin meinte, dass der Leistungsumfang zwar für eine Umschulung genügt, für die Arbeit als Arzt allerdings zu knapp ist. Woraus sie schlussfolgert, dass da ein quantitativer Unterschied sein muss, hat sie nicht verraten. Meine Gedankenkette zu Unfallhäufungen auf der A81 beim SWR3-Hören ordnet sie als inhaltliche Denkstörung ein. Deshalb will sie einer Umschulung eine niedrigschwelligere Phase im PTZ oder in der FAW vorschalten. Wie willst du auch etwas erklären können, was dir selbst unheimlich ist? Ich bin noch nicht mal so weit, dass ich zeitliche Zusammenhänge erkenne, denen ich dann irgendwelche Kausalitäten zuordnen könnte.
Samstag, August 25, 2007
Freitag, August 24, 2007
Professioneller Charme
Hab grad das erste Mal Im Sturm der Liebe bewußt gesehen. Mutters Lieblingsserie läuft parallel zum Morgenmagazin auf dem NDR: Schwangerschaft in der Ehe kann offensichtlich ein Scheidungsgrund sein. Hab versucht, Mutter per Telefon in das Forum zu locken. Bin fast verzweifelt dabei: Zu ahnen, was sie grad sieht, ist fast unmöglich und dabei gelassen und süß zu bleiben, schwer. Mittlerweile ist es Zeit, zur Behindertenbeauftragten zu fahren.
Donnerstag, August 23, 2007
Fremdeln
Bin bei der Suche nach Sex bei seelischer Behinderung auf einen Thread von 2003 gestoßen. Bin schon wieder wund, sobald ich zurückblättere. Damals hatte ich das Gefühl Aiman Abdallah sieht mich, sobald er sendet, überall. Egal, ob ich eine Tür öffne oder mich in die hinterste Zimmerecke verkrieche. Am schlimmsten war es, als dann eine Stelle bei Welt der Wunder ausgeschrieben war und ich mich nicht sofort beworben hatte. Dann meinte mich sogar der Irak-Krieg. Es war, als ob alle Welt darauf wartete, wie ich reagiere, und sich an meiner Einsamkeit weidete. Jahre später wurde ich dann tatsächlich bei Welt der Wunder Praktikant, sah die Abläufe und beruhigte mich schnell: Ich war allen mehr als egal, nichts meinte mich, ich war nur zufällig dort. Morgen habe ich ein Gespräch mit der Behindertenbeauftragten der medizinischen Fakultät, dort werde ich wahrscheinlich auch nur zufällig sein. Ich begreife bis jetzt noch nicht, welche Funktion sie bei dem Gespräch haben wird. Wahrscheinlich wird es sein wie immer: Sie wird meine mangelnde Eignung untermauern, genau wie die Richter damals, die ich als Personalrat gebeten hatte, mir beim Vertragsabschluss in der Anästhesie zu helfen. Ein Job wäre schön.
Zeit aufzustehen
Meine Augen tränen. Hab eine Einladung zu Smolka für ein Vorstellungsgespräch zur wissenschaftlichen Mitarbeit bei funktioneller Kernspintomografie in der Klinischen Psychologie. Damit hatte ich nicht gerechnet. Er interessiert sich für Sucht. Smolka will die Behindertenbeauftragte mit dazu nehmen. Ich freue mich, dass er an einem Gespräch interessiert ist. Dass ich den Job kriege, ist unwahrscheinlich. Smolka darf nicht nach meiner Behinderung fragen, sagt die Beauftragte. Es ginge lediglich um eine berufliche Eignung. Ich habe mit ihr einen Termin für ein Vorgespräch vereinbart. Wir treffen uns beim Bäcker neben der Klinischen Psychologie. Ich bin aufgeregt wie lange nicht mehr. Die psychologische Leistungsdiagnostik auf dem Arbeitsamt lässt sich nicht verschieben. Es macht viel mehr Spaß, Radio zu hören, zu chatten und Janos in der Webcam zu beobachten, als für den Leistungstest zu üben. Perspektivwechsel fällt mir schwer. Das habe ich gestern im Chat gemerkt, als Janos und Tommy eine Karaoke-Party moderierten. Ich habe nicht mal unterscheiden können, wer gerade spricht. Entweder bin ich einfach mies drauf, oder die Stimmen sind mir noch zu fremd. Janos hat mir eine Partyadresse gegeben. Mutter hat mich fotografiert. Wie ein Party-Chick sehe ich trotzdem nicht aus. Alles trieft vor Schwere. You take my self control, tönt es wieder einmal postmortal aus dem Weltweiten. Das Digicam-Akku lädt heute wieder ewig. Kann die Bilder nicht hochladen. Grad rief Petra Bildhauer an: Die Stelle bei Smolka wird von der medizinischen Fakultät bezahlt. Deshalb wird die Behindertenverteterin der medizinischen Fakultät und nicht der TU dabei sein. Ich erreiche sie nicht.
Mittwoch, August 22, 2007
Chat-Inhalte mit Webcams zu verlinken wäre toll - verdichtete Information. Internet-Bildtelefon goes UKW, träum. Mit Links, die per Klick sofort ins Weltweite münden, niedrigschwellig wie eine Graffiti-Wand, auch wenn dadurch viel Redundanz Raum greift. Ein Zeitdokument.
Becken
Heute ist es soweit: Tim kauft mit Dorian Becken für sein Schlagzeug im Soundhaus. Dann will er Jonas und Julie ansprechen - beide spielen E-Gitarre - und Flo spielt Bassgitarre. Wenn die vier sich zusammengerauft haben, suchen sie eine Singstimme. Der Proberaum hat noch Zeit. Ein Keyboard lehnt Tim ab. Rock mag er. Mittags ruft Dorian an: Er hat einen Totalschaden und erledigt gerade den Papierkram, da kaufen die beiden das Becken später.
Regel & Störung
Gestern war ich beim Verein Lebendiger Leben. Angelika Weirauch ist seine Geschäftsführerin. Es ging mir wieder um das Weglaufhaus als Alternative zum Fremdgefährdungspassus beim PsychKG. Hab ihr wenige Geschichten erzählt: die von Helga, die ein Papierknöllchen in einen Notarztwagen am Neumarkt geworfen und den Notarzt angeschrien hat, die von Petra, die nach einem Psychiatrieerfahrenentreffen Saalverbot kriegen soll, und die Geschichte von Petras momentaner Zwangseinweisung nach einer handfesten Auseinandersetzung mit einer Nachbarin. Es gibt unübersichtliche Situationen, in denen der Notarzt eine Alternative braucht, um nicht jeden Störenfried in der Geschlossenen abzukippen, der lediglich durch den Wind zu sein scheint und noch keine unmittelbar justiziable Ordnungswidrigkeit begangen hat.
Neuroimaging Center
Ich hatte es schon nicht mehr erwartet: Ich habe eine Einladung zu Smolka zum Vorstellungsgespräch. Meine Chancen sind gering. Aber immerhin bin ich bis in die nächste Runde gekommen.
Dienstag, August 21, 2007
Interaktives Radio
Deutschlandweit gibt es 1400 Sender. Wahrscheinlich gibt es in und um Dresden mehr als DD-Radio, Radio Dresden, Coloradio und Neon.
C: Welche Möglichkeit hat DD-Radio, eine Sendefrequenz zu bekommen, wenn die Sächsische Landesmedienanstalt (SLM) eine Vergabe mit der Begründung es gäbe keinen Platz mehr auf dem UKW-Band ablehnt? Was ist das nächste, der SLM übergeordnete Gremium?DD-Radio ist ein Internetradio, das sich finanzieren kann - so Janos Wieland, der Programmdirektor. Trotzdem kämpfe DD-Radio seit langem ohne Erfolg um eine Sendefrequenz. Gescheitert sei der Sender an der Sächsischen Landesmedienanstalt, die ihre Ablehnung damit begründe, dass es keinen Platz mehr auf dem UKW-Band gäbe. Man müsse im Dreiländereck Rücksicht auf das angrenzende Polen und auf Tschechien nehmen. Auch Wielands Einräumung, dass der Sender lediglich eine Lizenz für den Raum Dresden will, führte nicht weiter. Wieland vermutet, dass Absprachen zwischen einem konkurrierenden Sender und der SLM Auslöser für die Ablehnung einer Sendefrequenz waren.
R: In Dresden ist das UKW-Band voll? ..der beste Lacher seit Tagen. Da war doch mal was auf so einer Mini-Frequenz im letzten Jahr... Nachtigall ick hör dir trapsen.Andersherum wäre allerdings die Frage zu stellen, was es bei euch zu hören gibt, was nicht auch per Jump und PSR die Ohrmuscheln verklebt...
C: Zugang per Alleinstellungsmerkmal zu begrenzen, ist nicht marktkonform, sondern eher diktatorisch. Es ist das Totschlagargument WirBrauchenNichtNochMehrKonkurrenz Altgedienter. Dann fehlt nur noch ein entsprechendes Kleingeld mit der Bemerkung MachtEuchWiederEinenSchönenUrlaub, das über den Tisch wächst, um die Argumentation des jeweiligen Senders bei der SLM zu untermauern.
C: Welche Möglichkeit hat DD-Radio, eine Sendefrequenz zu bekommen, wenn die Sächsische Landesmedienanstalt (SLM) eine Vergabe mit der Begründung es gäbe keinen Platz mehr auf dem UKW-Band ablehnt? Was ist das nächste, der SLM übergeordnete Gremium?DD-Radio ist ein Internetradio, das sich finanzieren kann - so Janos Wieland, der Programmdirektor. Trotzdem kämpfe DD-Radio seit langem ohne Erfolg um eine Sendefrequenz. Gescheitert sei der Sender an der Sächsischen Landesmedienanstalt, die ihre Ablehnung damit begründe, dass es keinen Platz mehr auf dem UKW-Band gäbe. Man müsse im Dreiländereck Rücksicht auf das angrenzende Polen und auf Tschechien nehmen. Auch Wielands Einräumung, dass der Sender lediglich eine Lizenz für den Raum Dresden will, führte nicht weiter. Wieland vermutet, dass Absprachen zwischen einem konkurrierenden Sender und der SLM Auslöser für die Ablehnung einer Sendefrequenz waren.
R: In Dresden ist das UKW-Band voll? ..der beste Lacher seit Tagen. Da war doch mal was auf so einer Mini-Frequenz im letzten Jahr... Nachtigall ick hör dir trapsen.Andersherum wäre allerdings die Frage zu stellen, was es bei euch zu hören gibt, was nicht auch per Jump und PSR die Ohrmuscheln verklebt...
C: Zugang per Alleinstellungsmerkmal zu begrenzen, ist nicht marktkonform, sondern eher diktatorisch. Es ist das Totschlagargument WirBrauchenNichtNochMehrKonkurrenz Altgedienter. Dann fehlt nur noch ein entsprechendes Kleingeld mit der Bemerkung MachtEuchWiederEinenSchönenUrlaub, das über den Tisch wächst, um die Argumentation des jeweiligen Senders bei der SLM zu untermauern.
Montag, August 20, 2007
Claudia
Wie immer zerreißt es mich, sobald Groke den Namen ausspricht. Es ist jedesmal, als ob er ihn als Waffe benutzt. Claudia. Mir wird kalt und heiß. Es schmeißt und zerreißt mich, als ob der alte Teufelskreis neu beginnt. Immerhin sehe ich ihr Gesicht nicht mehr überall. Eine zeitlang tauchte es sogar im Spiegel vor mir auf, grinste mir aus dem Fernsehen entgegen, und jede Radiostimme kommentierte die Göttliche. Es war die Hölle. Bis ich mich aufgerafft hatte und eine Stalkinganzeige auszulösen versuchte vor Grokes Foto. Nach drei Jahren Quälerei. Claudia. Mein Nacken glüht. Es ist, als ob jeder Atemzug der letzte ist. Ich bin müde und wach. Aufgewühlt. Und kaue auf einem Pflaumenkern.
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