Montag, Juli 30, 2007

Zappen

MDR Klassic verkündet um 8 Uhr, dass Brad Pitt und Angelina Jolie in Berlin auf der Torstraße 140 mit ihren vier Kindern eine 600 Quadratmeter große Mansarde erworben haben. Außerdem sei ein Landsitz in Arbeit. Die beiden wollten sich aus der Schauspielerei zurückziehen, und Berlin sei, verglichen mit Japan, Großstadt genug.

Medizin & Zusatzstudium

Ich wollte gerade nach "Medizin & Zusatzstudium" googeln, als SWR3 meldete, dass ein Rollstuhlfahrer, der von der Brust abwärts gelähmt ist, wegen sexuellem Missbrauch verurteilt wurde. Illegale Preisabsprachen bei flächendeckendem Anheben der Milchpreise diskutiert das Bundeskartellamt gerade. Die Nachrichten sind wirklich interessant. Ich bekomme Lust auf SWR3. Hab Trilsch gemailt, ob er mich beim Erkämpfen der Wiederzulassung als Arzt beraten kann. Martina rät mir ein Organigramm, um effektiver mehrgleisig zu fahren.

In Gedanken

Bin in Gedanken schon beim Einrichten der neuen Wohnung. Einiges werde ich verkaufen müssen. Sie ist kleiner als die jetzige, hat aber einen Balkon. Hab Christoph gefragt: Der Fitnessvertrag hat eine Kündigungsfrist von vier Wochen zum Vertragsende. Ich muss also bis zum 16.10.07 schriftlich kündigen.

Bin drin

Robby Williams hat mich in seine Kontaktliste aufgenommen. Ein komisches Gefühl. Ich bin einer von 77 000 Kontakten.

Gerade rief ein Makler an: Hab für morgen abend einen Besichtigungstermin vereinbart. Im Internet sieht die Wohnung traumhaft aus - hell und geräumig. Mal sehen, wie es mit DSL, Telefon, Kabelfernsehen, Waschmaschine, den konkreten Abmessungen, dem Weg zum Fitnessstudio und den Einkaufsmöglichkeiten ist. Endlich kein Teppich mehr und trotzdem fußwarm, träum.

Over & Out

Jenny hat mich gesperrt. Sie hat hier gelesen, schreibt sie. Jenny verwaltet das Forum für falsche Erinnerungen. Heute bin ich wieder bei Martina zur Psychotherapie-Sitzung. Ich will wieder arbeiten können. Gleich sendet Groke. Hab mich mit R. zum Tangokurs angemeldet. Tangokurs, Hörfunkkurs, Orientierungskurs für erwerbslose Frauen, Praktikum im Ministerium für Kunst und Wissenschaft und ab 2008 die Qualifizierung zur Kauffrau im Gesundheitswesen. Mal sehen, was Martina dazu sagt. Vater war gestern bedrückt, Mutter auch. Beide hatten keine Lust mit mir zu reden. Ich sehne mich nach Nähe. Die Milch wird teurer, Butter bis zu 50 Prozent, sagt Groke grad. Bezahlte Arbeit wäre gut. 50 Cent oder 50 Prozent? Begründet wir der Preis mit einer Dürre in Australien und dem gestiegenen Bedarf in China.

Sonntag, Juli 29, 2007

Bin aufgewühlt

Nach langer Zeit war ich wieder mal beim Tango, selbstfremd und zerrissen, angespannt und ausgebrannt. Seit Stunden versuche ich zu schlafen. Meine Gedanken rasen und überschlagen sich. Ich bin durch den Wind. Hab gestern das erste Mal im Forum für falsche Erinnerungen geschrieben und fühle mich total zerpflückt.

Samstag, Juli 28, 2007

Psychiatrie-betroffen in Deutschland

Hunderttausende werden Jahr für Jahr in die Psychiatrie eingewiesen. Viele unter der Diagnose schizoaffektive Psychose. Die entsprechende Diagnosenummer auf einen Einweisungsschein zu schreiben, ist eine kleine Mühe. Das sich für den Betroffenen daraus ergebende Stigma blockiert die berufliche Rehabilitation lebenslänglich. Trotzdem fließen ständig gewaltige Mittel in gerade diesen Behandlungsweg. Gutachter, die nach Stigmatisierung den Weg ins Berufsleben zurück ebnen, gibt es kaum. Damit kommen zu den Millionen Arbeitslosen viele Erwerbsunfähigkeitsrentner hinzu. Das ist eine Last, die irgendwann zur Verelendung nicht zuletzt dieser Psychiatrie-Betroffenen führt. Eine Blüte, die diese Verelendung treibt, ist ein Forum für induzierte Erinnerung, in dem sich Psychiatrie-Erfahrene gegenseitig die Richtigkeit ihrer Erinnerungen absprechen. Elender geht nicht, wenn sogar die Wahrnehmung des Einzelnen in der "Angehörigenarbeit" ad absurdum geführt wird, statt sie sinnvoll mit anderen Positionen zu vernetzen, um Andersdenkende zu reintegrieren.

Gläsern & sicher

Radio hat den Reiz des Unmittelbaren und Synchronen beim Stimmenhören auch im Verkehr. Andererseits ist dadurch oft schwer vorherzusehen, wie sich die Inhalte entwickeln, vieles erscheint willkürlich. Um eine "Regie" im Hörfunkstudio zu ahnen und so unter anderem zu erkennen, wie welche Verkehrsmeldung wann wie den Weg bis zum Mikro findet, wäre eine Webcam, die den Panoramablick auf die Studiomonitore zulässt, gut. Scheinbar haben aber nur wenige Sender Interesse am Echtzeit-Kino, und die Moderatoren erleben sich eher als Piloten.

Schmale Oberlippe

Mir war ihr Grinsen noch gar nicht aufgefallen, aber das haben viele. Schwarzenegger, mein 20-jähriger Kühlschrank, brummt heute leiser. Ich höre grad Jump: Chris Derer fragt einen Filmdialog von Curtis und Schwarzenegger ab. Das ist alles weit weg. Dass sich das Tim-t grad nicht tippen lässt, macht mir gleichzeitig Gänsehaut und Brechreiz.

Markenbewusstsein

St. Gertrud soll einen Mietvertrag im Magdeburger Hundertwasserhaus lösen.

Störung vor Regel

Wenn die Online-Durchsuchungen gesetzlich geregelt sind, wird es schlimm: Danach ist nichts mehr wie vorher. Hast du bis dahin über Nimda- oder Trojaner-Attacken gestöhnt, sehnst du dich nun nach ihnen zurück, denn du konntest mit deiner Software mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit das Arbeitstempo deines PC wieder beschleunigen. Darf sich aber das exekutive Auge auf deiner Festplatte einnisten, um den Querulanten 0815 zu beobachten, hilft dir nichts mehr. Es wird die Hölle sein, Teil eines Ganzen zu bleiben, ohne dass Rückzug vorm Investigationsstau möglich ist. Dagegen sind akzidentelle Erschießungen bei französischen Passkontrollen harmlos. Inzwischen schwächt Beck seinen Vorstoß laut Jump ab: Online-Durchsuchungen seien erst statthaft, sobald der Betroffene sich mit Anwalt dagegen wehren kann. Es wird heiß, fast dokumentationspflichtig. Aber wie willst du eine Durchsuchung als Betroffener dokumentieren? Du siehst nur, dass die Ladezeiten variieren. Aber den Verursacher für den veränderten Traffic kannst du nicht nachweisen.

WG

Hab eine WG in der Friedrichstadt entdeckt. Mehr als 40 Quadratmeter hätte ich da. Bin gespannt auf die Besichtigung. Heute sehe ich im Spiegel nett aus. Auch die Waage ist gnädig. Vielleicht wird der Tag schön. Vater war gestern da und hat Kassensturz gemacht. Er sah gut aus: Er kam von seinem ersten Rückentraining. Ich hatte wieder mehr Ausgaben als Einnahmen. Mir ist schlecht. Ich weiß nicht, wie andere es schaffen klarzukommen. Ich freue mich auf den Kurs für erwerbslose Frauen. Nächste Woche ist das Gespräch bei der BfA wegen der Qualifizierung zur Kauffrau im Gesundheitswesen. Ich will arbeiten. Wenn alles so klappt, wie ich will, ist erst der Hörfunkkurs, dann der Erwerbslosenkurs, dann das Praktikum in der Pressestelle des Ministeriums für Kunst und Wissenschaft, dann der Reha-Vorbereitungskurs, und dann beginnt die zweijährige Qualifizierung zur Kauffrau im Gesundheitswesen. Das in einer WG wäre schön. In einer WG mit Telefon- und Internet-Flatrate.

Hunger nach Nähe

Hab mich im Forum für falsche Erinnerungen eingeloggt: "Ich bin 2005 zwangseingewiesen worden und ein Jahr stationär und in der Tagesklinik behandelt worden, als ich eine Stalking-Strafanzeige auslösen wollte. Ich interessiere mich für Gedächtnisprotokolle anderer zu ihren Zwangseinweisungen, bin gerade beim Brainstorm zur Entstehung eines Dresdner Weglaufhauses und habe Interesse daran, etwas zu Krisenpensionen zu erfahren."

Freitag, Juli 27, 2007

Besoffen ins All oder Herr im eignen Haus

Ich höre Groke zu mir sprechen und bin ganz Quote. Es ist scheinbar zusammenhanglos und direkt an mich gerichtet. Wahnsinn. Komischer Tag. »Wenn Sie Angst haben, zum Arzt zu gehen«, sagt er. Ich bin beim Mailen an Elisabeth Dederken und schwafle über naturbegabte Laientherapeuten, die ihre biografische Erfahrung über tradierte Methodik stellen und Ureigenstes spontan und ungefiltert durchpeitschen wie Eintänzer ohne Choreografie. Petra will nur tanzen und sich nicht in einen Teppich dabei einwickeln, sagt sie. Immerhin. Hab keine Lust sie ersticken zu sehen, drohe ich ihr, und maile ans LebensGut Pommritz, um den Schamanen zu finden, der sie 2002 fasziniert hatte. Ich hasse ihn. Was hat der, dass sie ihm ähneln will? Er stampft im Kreis durch das Gewölbe, dass alles bebt. Ich rücke näher an die Wand, um beim Einbrechen der Decke übrig zu bleiben. Irgendwann genügt ihm der Reiz nicht mehr: Er wickelt sich in einen Teppich, löscht das Licht, stöhnt und ächzt, beginnt zu röcheln und wird still. Ob das Exstase oder schon Ersticken ist, ist nicht mehr zu erkennen. Das Nahtoderlebnis sei gewollt und kurativ wirksam, sagt er. Sexual Healing ist das nicht. Das ist nur verrückt: Der bringt sich fast um neben ihr und zwingt sie, ihm dabei zuzuschaun. Ein Exhibitionist. Ich hab schon wieder kalte Füße und atme zu flach. Elisabeth Dederken favorisiert Krisenpensionen. Hab ein neues Forum entdeckt: Vielleicht finde ich da Informationen zu Gedächtnisprotokollen für Zwangseinweisungen.

Donnerstag, Juli 26, 2007

Scham

Lindsay Lohan trägt ein Band am Knöchel, das ihren Blutalkoholwert aufzeichnet. Mcnep entschuldigt sich für Schamlippensushi. Petra will Schamane werden. Gleich kommt Vater wegen der Rückenschmerzstudie.

Von der Stereotypie der Macht bei großen Stückzahlen

"Was schauen Sie da?", spricht sie mich an und erzählt ihre Geschichte: Sie hat sich ein Buch gekauft, um zu sehen, wie andere mit dem Tod umgehen. Als Sechsjährige war sie dabei, als andere, auch Kinder, ein Grab ausheben und sich erschießen lassen mussten. Sie ist schwerkrank, sagt sie. Es ist Hautkrebs. Gegen die Schmerzen bekommt sie Morphinpflaster und ist von ihrem Arzt vor Albträumen gewarnt worden. "Sind Sie Studentin?", fragt sie mich, weil ich grad in der Diplomarbeit von Inge Naumann blättere. Ich darauf, dass ich bis vor zehn Jahren als Arzt gearbeitet hatte, aber aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste. Wegen einer Schizophrenie. Das ist schlimm, meint sie. Sie kennt das: Da kann man mit dem Anderen gar nicht reden, aber eine Stunde später ist es wieder, als sei nie etwas gewesen. Hab ihr von dem russischen Kasernengelände auf dem Heller erzählt, auf dem jetzt das Berufsförderungswerk steht. Da sind wir schon an der Hartmannstraße angekommen, und ich muss raus. Ich wünsche ihr viel Freude daran, in Gedanken zu sein. Tino heißt der Ex von Susanne Lorenz. Schreiben tut gut. Immer wieder. Das ist alles weit weg. Zehn Jahre. Barbara Roßberg hat mir einen Job genannt: die Kauffrau im Gesundheitswesen.

Ernährungsberater

In der Psychiatrie sind fast alle fett. Sich entsprechend der Ernährungspyramide zu ernähren und ausreichend zu bewegen ist schwer. Die Leiche der deutschen Geisel wird heute obduziert. Der war 44 und hatte Diabetes. Ich habe zugenommen. Ich muss mich bewegen und klebe schon wieder am Notebook, um Groke nicht zu verpassen. Komisch. Es ist schon komisch, je bewusster ich weniger esse, um so schneller nehme ich zu. Das selbstvergessene Surfen hilft wahrscheinlich am ehesten abzunehmen. Groke hören und surfen. Bin froh, dass ich den Job bei Ärzte ohne Grenzen nicht gekriegt habe, sonst würde ich jetzt grad mit irgendwelchen afghanischen Löchern in der Brust auf irgendeinem deutschen Obduktionstisch liegen. Jetzt mit der Straßenbahn zum Heller zum Berufsförderungswerk zu fahren ist mir aufregend genug. So aufregend, dass ich fett werde. Verdammt, ich begreife nicht, wie mein Körper funktioniert, wann ich ausbrenne und wie ich mich erhole. Es ist alles so durcheinander. Die ganze Bilanz ist chaotisch. Vielleicht mache ich sie die nächsten Tage schriftlich, um zu sehen, ob ich mit der Schilddrüse in die Unterfunktion abrutsche und dadurch zunehme. Hab im Moment wahrscheinlich zu selten Hunger und zu oft Appetit. Aber der Durst ist schon wichtig. Vielleicht bin ich mit dem Gesamteiweiß jetzt so weit im Grünen, dass jeder Tropfen Flüssigkeit gleich eingelagert wird. Aber dann wäre die Haut nicht so trocken. Oder doch? Bin durcheinander. 9:40 - ich muss los.

Salzwüste

Wüsten begrünen, Regenwälder aufforsten und Menschen aufrichten will Petra. Mutter sagt, als die Russen vor Jahren eine Wüste begrünt hatten, sei der Aralsee fast ausgetrocknet. Hab nach einer Aralsee-Webcam gesucht, aber nur Fließtext gefunden. Groke meldet grad Rückstau bei einer provisorischen Ampelanlage. Das ist alles so weit weg. Ich hab kalte Hände. Und kalte Füße. Und Durst. Gleich ist das Gespräch im Berufsförderungswerk. Mutter will eine Ernährungsberatung. Ich soll Ernährungsberater werden, sagt sie. Und dass die Idee, in dem Diabetes-Netzwerk mitzuarbeiten, gut wäre. Hab ihr von der Internetfamilie, die die Früherkennung aus der Bahn geworfen hatte, erzählt als Revanche für die Aralsee-Story. Dann kam Julia, und Mutter hatte keine Zeit mehr zum Telefonieren, weil sie Frühstück machen musste. Vater bekommt heute eine Spritze in Friedrichstadt, geht aber abends in das Fitnessstudio wegen der Rückenstudie. Petra hat angerufen, weil sie Matthias nicht erreicht. Wüsten begrünen, träum. Ich hab schon wieder Durst.

Mittwoch, Juli 25, 2007

Lebenskünstler

In der Lebenskünstler-Broschüre der Stadtverwaltung tauchen die BfA und das Assessmentcenter eines Berufsförderungswerkes auf. Hab dort angerufen und jeweils einen Termin zur Reha-Beratung vereinbart. Nachmittags war Alex da. Er recherchiert wieder über amerikanische Kultur. Das Internet will er dazu nicht nutzen. Gedrucktes findet er seriöser. Er hört kein Radio. Hab gestaunt, wie sehr das trennt. Hab heute wieder stundenlang nach Jan Schlegel gesucht, ohne etwas Eindeutiges zu finden. Direkt anzurufen, fehlt mir der Mut. Vielleicht maile ich.

Dein Lächeln verändert die Welt

In New York steht die schönste Müllhalde der Welt: Eine Komplimentemaschine mit 150 verschiedenen Anmachsprüchen. Ich muss schon wieder an Peter Ufers Zeugnis denken: Die Hälfte des Blattes handelte ab, wie toll die Sächsische Zeitung ist. Danach folgten ganz blasse Kommentare zu mir. Ufer als Selbstdarsteller. Fehlte nur noch eine Kolummne zum Zustand seiner Unterhose. Halt, das war Hase. Ich verwechsle da gerade etwas. Nirgendwo steht mehr etwas über seine Bremsstreifen in der Unterhose, tja. Alles fließt. Ich wünsche mir gebratenen Fisch, ich habe Hunger. Am liebsten Barsch.