Donnerstag, Juli 26, 2007
Von der Stereotypie der Macht bei großen Stückzahlen
"Was schauen Sie da?", spricht sie mich an und erzählt ihre Geschichte: Sie hat sich ein Buch gekauft, um zu sehen, wie andere mit dem Tod umgehen. Als Sechsjährige war sie dabei, als andere, auch Kinder, ein Grab ausheben und sich erschießen lassen mussten. Sie ist schwerkrank, sagt sie. Es ist Hautkrebs. Gegen die Schmerzen bekommt sie Morphinpflaster und ist von ihrem Arzt vor Albträumen gewarnt worden. "Sind Sie Studentin?", fragt sie mich, weil ich grad in der Diplomarbeit von Inge Naumann blättere. Ich darauf, dass ich bis vor zehn Jahren als Arzt gearbeitet hatte, aber aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste. Wegen einer Schizophrenie. Das ist schlimm, meint sie. Sie kennt das: Da kann man mit dem Anderen gar nicht reden, aber eine Stunde später ist es wieder, als sei nie etwas gewesen. Hab ihr von dem russischen Kasernengelände auf dem Heller erzählt, auf dem jetzt das Berufsförderungswerk steht. Da sind wir schon an der Hartmannstraße angekommen, und ich muss raus. Ich wünsche ihr viel Freude daran, in Gedanken zu sein. Tino heißt der Ex von Susanne Lorenz. Schreiben tut gut. Immer wieder. Das ist alles weit weg. Zehn Jahre. Barbara Roßberg hat mir einen Job genannt: die Kauffrau im Gesundheitswesen.
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