Sonntag, Juli 08, 2007
Weglaufhaus
Ich spekuliere gerade über Herbstzeitlose, als Helga anruft: Sie will ein Weglaufhaus gründen. Weder habe ich Lust mitzumachen, noch interessiert mich ihr Projekt. Aus irgendeinem Grund sage ich trotzdem Ja. Ich sage bei Helga oft Ja. Ich habe keine Ahnung warum. Lustvolle Zweisamkeit ist es nicht. Ich sehe sie immer noch in dem pinkfarbenen Wollkleid, dass von ihr überquillt, während sie von ihrer Ahnenreihe erzählt: Sie ist ein direkter Nachkomme von Honecker und Kaiser Wilhelm und stammt aus dem Saarland. Irgendjemand hat sie verfolgt, sie ist Flüchtling. Das hat sie schriftlich. Ihre Wohnung sieht aus wie eine Pflegestation, und neben dem Waschbecken steht statt Flüssigseife Erbrochenes. Helga will ein Weglaufhaus gründen. Ihre Tochter soll dort als Sozialarbeiter arbeiten. Wenn ich vor irgendetwas weglaufen sollte, dann garantiert nicht zu Helga. Hab immer noch den Geruch von Erbrochenem an den Händen, sobald ich an sie denke.
