Montag, April 09, 2007

Seniorenresidenz & Bestattungshaus

In Dresden gibt es eine Region, in der professionell gestorben wird, fernab von geschäftig akademischem Manierismus: Tolkewitz zu Ostern - jeder Grabstein etwas ganz Persönliches, preiswert und sachlich, angemessen und gediegen. Wenn es irgendetwas gibt, was mir Salzurnen-Wasserbestattungen schmackhaft macht, dann das uferfiltratnahe Einäschern gewesener Dresdner in Tolkewitz.

Foto-Software

Hab die Exakta-Digicam-CD eingelegt, und nichts ging mehr. Nicht mal SR1 lässt sich mehr aufrufen. Google findet nicht einmal mehr www.sr1.de. Schade. Irgendetwas hat sich irgendwo verändert. Wahrscheinlich mehreres gleichzeitig an verschiedenen Orten. Ich hatte mit einem Messtechniker gechattet. Der hatte mir geraten, fünf Sekunden die AUS-Taste anzutippen, falls das Notebook nicht mehr reagiert. Woher er wusste, dass das Notebook nicht mehr reagieren wird, weiß ich nicht. Das Webradio lief da noch. Und zwar SR1. Selbst die Webseite
www.sr1.de lässt sich jetzt von meiner IP aus nicht laden. Der Zugang über http://www.medienindex.de/Radio_Saarland.htm ist auch blockiert.

Tapetenwechsel

Venedig tat gut. Hab frei weg heulen können, als ich abends auf dem Markusplatz saß und wie erwartet kein einziges Groke-Double auftauchte. Niemand, der auch ohne Brille auf zwanzig Meter Distanz auch nur annähernd mit ihm zu verwechseln wäre. Als ob ein Riesenfilter über allem lag, ein Filter mit der Option Einmalig. Wer ist schon so einmalig, dass er nicht zu verwechseln wäre? Tim veränderte sich von Minute zu Minute. Ich hätte am liebsten ständig die Kamera draufgehalten. Immerhin reagierte er erst nach Stunden genervt. Mutter perfektionierte ihr Wir-Gefühl. Ich hab noch nie jemanden so oft "Wir" sagen hören wie Mutter in den letzten Tagen. Das Aufregendste war eine weiße Plastetüte, die Mutter unbemerkt quer über den Platz hinter sich her schleifte.Ihr fiel ewig weder das unterschiedliche Geräusch ihrer Schritte, noch das Schleifen der Plaste unter ihren Füßen auf. Sie war ganz Auge. Das Wasser am Marktbrunnen schmeckte wie zuhause. Morgen bringe ich die Filme zum Entwickeln.

Mittwoch, April 04, 2007

Schwarz

Die Webcam streikt.

Einlauf

Es ist schon wieder sechs Jahre her. Da waren Nina und Martin in Venedig. Eigentlich wollten wir zu viert fahren. Kurz vorher hatte ich es mir anders überlegt. Nach Venedig wollte ich nur mit jemandem, den ich wirklich liebe, hab ich Martin an den Kopf geknallt, der mit uns dort seinen vierzigsten Geburtstag feiern wollte. Als Nina und Martin schließlich dort waren, war dort ein Erdbeben, tagte in Genua der G8-Gipfel und es gab den ersten Toten bei den Demonstrationen. Tim förderte mit großen Schmerzen eine Riesenknolle zu tage, nachdem ich idiotischerweise, statt mit Lactose zuzuwarten, einen Einlauf gemacht hatte. Bis dahin hatte er so starke Schmerzen, dass ich befürchtete, der Einlauf zerfetzt ihm den Darm. Hab kaum geschlafen in der Nacht und das erste Mal gechattet, um wach zu bleiben. Beäugt wurde ich dabei von einer Fledermaus, die sich über Tims Kopf in der Textiltapete festkrallte. Ich weiß noch, wie der am anderen Ende fragte, wie der Sex mit meinem Mann ist. Auf seinem Anrufbeantworter hatte er eine ganz leise Stimme und begrüßte mich mit "Liebe Freunde". Trotzdem war ich froh, in der Nacht nicht allein zu sein. Lieber mit so einem absurden Typen zusammen, als nur auf Tims Bauch zu starren. Zur selben Zeit hundert Kilometer weiter verabschiedete sich gerade der Citroen.

Webcam-Benefit

Sobald du die Webcam anwirfst, unterstellst du deinem Gegenüber, dass er dich nackt sehen will, sagt mir mein Instinkt seit ein paar Tagen. Dabei ist es schon Porno genug, Mimik zu beobachten. Du liest eine total sortierte Sprache, siehst das Gesicht dazu und grübelst, was auf seinem Desktop grad alles passiert. Weder Gedanken noch durchgezapptes Fernsehprogramm ahnst du, nicht einmal, wo der Monitor steht. Und sobald du dich nach irgendwas Greifbarem sehnst, rutschst du im Alternativfragemodus gen Cybersex ab, als ob - am Ende des Entscheidungsbaumes angekommen - gerade das Freilegen diverser Geschlechtsteile irgendetwas Verbindliches bringt. Genausogut kannst du dich über das kommende Wetter austauschen. Bislang war Textbearbeitung der einzige reale Benefit, den der Messenger für mich bislang hatte.

Gerupft & abgeschossen

Groke hat es geschehen lassen. Irgendjemand hat ihn gerupft. Schade um die roten Locken. Geblieben ist ein schwarzes Etwas. Eine Fotografin hat ihn danach abgeschossen. Ihr Dekolleté muss dabei verdammt tief gewesen sein. Es tut weh, ihn so zu sehen.

Autorin für Verlag gesucht

Hab gerade bei Newsroom eine interessante Stellenanzeige gelesen: Autorin für Verlag gesucht. Diplomanden wollen sie ansprechen. Meine Diplomarbeit aufzupeppen, wäre vielleicht eine dankbare Aufgabe. Zwanzig Jahre ist die inzwischen alt, also Grund genug, sie lesbar zu schreiben. Sie behandelt schwere Atemnot: Jedem Zwanzigsten versagt die Lunge, bevor er auf die Intensivstation kommt. Die Hälfte stirbt daran. Der Betroffene ringt um Luft und wird trotz Sauerstoffgabe blau. Die Lunge ist entzündet, feucht, schwer, steif und im Röntgenbild diffus aufgehellt. Auslöser dafür kann vieles sein. Thomsen untersucht die Ausatmung, um Trends zu erkennen und zu behandeln. Er beatmet mit erhöhten Drücken oder mit verändertem Atemzeitverhältnis.

Bohemian Rhapsody

Das war Weihnachten 2003. Ich war inzwischen so sortiert, dass ich meine Kinder sehen konnte, ohne sofort Schreikrämpfe zu kriegen, weil ich an ihren Vater dachte. Im CD-Player die Bohemian Rhapsody. Ich hatte den runden Tisch in die Diele geschoben, ihn ausgezogen, mit weißer Decke bestückt und die größten Teller genommen, die ich hatte. Es war ein Fest. Und dazu die stille Frage "Is it just fantasy?" Es war fast so, als ob Spleth mit am Tisch saß. Nina meinte genervt, dass das nicht ihre Musik ist. Inzwischen mag sie Salsa und tanzt ihn auch. Ich könnte ihr stundenlang zusehen, wenn sie Möhren schneidet oder Kartoffeln püriert. Tim steht dann auch ganz versunken neben ihr. Mehlschwitze, grins. Irgendwann mache ich die perfekte Mehlschwitze. Gestern habe ich mir bei der ersten Kartoffel gleich in den Daumen geschnitten. Aber das ist schon fast wieder verheilt.

Delphine

Kai Karsten spielt jedes Mal am Ende seiner Show eine Windows98-wave-Datei mit Delphinschreien ab. Das erste Mal hab ich die bei Hohen Eichen gehört und eher an Eichelhäher gedacht. Hab ihm entsprechend gemailt, um zu erfragen wer bei ihm schreit, aber keine Antwort bekommen. Stattdessen tauchten im nächsten bischupu zu Eichen-Atrappen hochstilisierte Sendemaste auf. Keine Antwort ist auch eine Antwort.

Dienstag, April 03, 2007

Sie lief ihm so lange hinterher, bis er sie nicht mehr fort ließ.

Vorhin fragte mich betagte Lady wieder ein 23-Jähriger, was ich vom Sex mit ihm halte. Keine Telefonnummer, keine Adresse, nur die Höflichkeitsfrage. Das sind so die Momente, in denen ich mich verarscht fühle, aber nicht durch Marktabgleich traumatisieren will. Jung sein kann ja jeder. Aber klettern lernen würde ich gern von ihm. Schon um meine Selbstzweifel zu beackern. "Notgeil" ist Ninas Diagnose. Als JedesProblemMitSexLösenZuWollen übersetzt sie es mir. OK, klettern wär gut, muss aber nicht. Hab sowieso Höhenangst. Ich würde einen offenen Eindruck machen, hat er gesagt. Komische Situation.

Beobachten, erklären, fühlen und fragen

Risperdal und Desmin schließen sich aus. Nix Menopausenkosmetik, jaul. Hommel ist knallhart. Jedenfalls sein Monitor. Das hohe Alter kommt rasend schnell. Und wegen der Kostenübernahme für die neue Spirale hat er offensichtlich auch keine Idee. Die hat dann wahrscheinlich eher mein Psychiater. Verdammt, ist das alles kompliziert. Die Papilloma-Virus-Impfung würde er bis zum 19. Geburtstag durch einzelne Kassen bezahlt bekommen, sagt er. Diese ewige Zitterei vor den Vorsorge-Ergebnissen würde dann wegfallen. Aber die Studien sind offensichtlich noch nicht so tragfähig, dass alle Kassen die Zahlung auch tatsächlich übernehmen. Jedenfalls fiel das kryptische Argument, Papilloma-Viren spuken mit dem ersten Verkehr im Muttermund, angesichts der möglichen Kostenübernahme weg. Andererseits ist mir nicht klar, warum bei der hohen Durchseuchung nur so wenige einen Krebs entwickeln. Aber die haarlose Schöne heute neben mir im Wartezimmer schon eindrucksvoll. Ich konnte mir kaum verkneifen, sie nach der Impfung zu fragen.

versteckte Kameras

Es ist nichts weiter als dieses permanente Überich, diese Stimmen sind das, die ich überall höre, sobald ich irgendeiner Norm nicht zu genügen scheine. Dann zu sehen, dass der andere sich gerade selbst kasteit, statt unbefriedigt in mich selbst zurückzusinken und in meiner Scham zu vergehen, fällt mir schwer. Um so schwerer, je mehr ich ihn vergöttere. Ich höre dann alles überlaut, grell und nah. Nein, nicht alles, nur die Wortfetzen, die mich zu meinen scheinen. 80 Prozent ist das Ausmaß meiner Behinderung und die ist unbefristet. Es ist verhext. Jetzt springt der Cursor zurück wie in alten Zeiten. Es tut gut, ihn so zurückspringen zu sehen. Vergehen. Er ist auf "vergehen" zurückgesprungen. Ich liebe diesen Zufall. Versteckte Kameras meinen ja nur ein IchDenke,DuSiehstMich. Mehr ist es nicht. Und alles Gleichzeitige scheint ein Beweis dafür zu sein, dass du mich siehst. Nicht irgendein Du. Ein Groke-Du. Irgendein Moment, in dem Groke hier blättert. Es ist so, als ob alles, was mir durch den Kopf geht, sich nach irgendwelchen zufälligen Gleichzeitigkeiten in seinen Worten ausrichtet. Das sind natürlich komplexere Veränderungen als das bloße Zurückspringen des Cursors. Nina geht es schlecht. Ich muss los.

danke für die info

Was will ich von Groke? Warum ist er mir so nah? Was für eine Perspektive hat dieses selbstvergessene Schwärmen? Wieso tut es mir so gut, mich fallen zu lassen, sobald ich an ihn denke? Gibt es diese versteckten Kameras tatsächlich? Kameras, vor denen ich mich nur so lange sicher fühle, solange ich schwärme? Was könnte schlimmstenfalls passieren? Dass meine Gedanken abreißen? Dass Marcus Barsch kurz vor Sendeschluss von MEINEN fettigen Haaren spricht, um mich zu verprellen? Ich als lästiger Hörer... Lästig durch versteckte Kameras und durch mein Freischreien. Oder dass Spleth MICH bemitleidet, wenn er von Selbstzweifeln spricht? Ich höre Wortfetzen und beziehe sie sofort auf mich, nur weil sie scheinbar in meinen Gedankenablauf passen, und der ursprüngliche Gedanke reißt ab. Was ist ein eindeutiges Gespräch? Kann Blog tatsächlich mehr, als ein Selbstgespräch zu sein? Und dann sagt Spleth ausgerechnet "Danke für die Info" zu einem Hörer, genau wie Jens zu mir. Was meint tatsächlich mich? Was ist nur grad zufällig Gedankenbruchstück geworden? Stefan ruft an und regt sich über seine Dagmar auf. Tag für Tag. Ich sage nichts, und er verklärt mich zu seinem Lebensinhalt. So verblüfft ich darüber bin, so selbstverständlich lasse ich es zu, dass Groke für mich vom Alltags-Patch zum Lebensinhalt anschwillt. Ich mag mich als Schwärmer. Das wird es sein. Mehr ist es nicht. Das regungslose Verharren mag ich. Regungslos mit fettigen Haaren.

Montag, April 02, 2007

Frieren

Alles ist so eng und kalt. OK, ich habe mich verrannt. OK, ich bin in einer Sackgasse angekommen. Ich ziehe mich immer weiter zurück, blaste und blogge nur noch. Und nicht mal im Blasterforum komme ich weiter. Es ist einsam. Zu einsam, um sich hier wohl zu fühlen.

Ostern

Ich freu mich so auf Venedig. Morgen gehe ich in die Bibliothek, mir einen Reiseführer holen. Tirol, die Dolomiten, der Gardasee, Venedig, Verona, Mailand und dann noch ein See stehen auf dem Programm. Eine Busreise. Yoga war heute schlimm. Kundalini-Yoga hat Karin das genannt, aber mich nur mit Seitbeugen gescheucht. Die Vorabinstruktion WennDirÜbelOderSchwindligWird,HörAuf war auch schmackig. Und da war es auch kein Trost, dass da noch sechs Andere waren, die sie außer mir schikanierte. Am beunruhigendsten war das Brainjogging durch assymmetrische Bewegungsabläufe: Ich hab es nicht fertiggebracht, mich durch meine Finger zu tasten, ohne Links und Rechts zu verwechseln. Dann nach Hause zu Kommen und den Blaster Aufzurufen, war eins.

Gleichzeitiges

Es gibt nur wenige Sender, die so gläsern sind, dass du das Radio anschalten kannst und schon vorher weißt, wer am Mikro sein wird. Entweder ist dort einer immer auf dem selben Sendeplatz oder er/sie wechselt nach so einem chaotischen Schema, dass du ohne Einsicht in den Moderationsplan nicht planen kannst. Diese Woche vormittags habe ich Pech: Auf SWR3 sendet Reufsteck, auf SR1 eine Rosch-Urlaubsvertretung und auf PSR die unvermeidliche Miss Peggy. Mich jetzt durchs Weltweite zu zappen, um DIE Stimme für den Vormittag zu finden, habe ich keine Lust. Bleibt als geringstes Übel Miss Peggy. Hören an der Schmerzschwelle...

Mir spukt immer noch Sperma durchs Riechhirn, wenn ich Auberginen-Knoblauch-Käse-Auflauf von den Händen spüle und Mcnep lese, der geborenen Vegetariern den Geschmack von Roastbeef vermitteln will, indem er auf Cunnilingus verweist.

Tim ist krank, will aber in Ruhe gelassen, werden, befürchte ich. Das heißt, jetzt schläft er. Als ich ihm angekündigt habe, dass ich zum Yoga will, war er wahrscheinlich sauer. Ich glaube, er weiß, wie wichtig mir Yoga ist. Jetzt kündigt PSR grad eine Papilloma-Virus-Impfung an. Angeblich geht die nur vor dem ersten Verkehr. Hab noch nirgendwo den genauen Mechanismus gelesen. Hören und Schmerzschwelle...

Sonntag, April 01, 2007

Handschmeichler

Rosenkranz für Orientierungslose, nennt Mcnep ihn.

Flirt

Ich berühre deine Hand, streife das Handgelenk, taste mich den Unterarm hinauf und umfasse den Ellbogen. Meine Hand ist warm, ich berühre deinen Nabel ohne Eile. Du liegst sicher, die Unterlage trägt dich. Deine Beine sind entspannt. Haar fällt dir in die Stirn, eine ganze Strähne. Deine Füße sind warm. Ich lege meine Hand auf deinen Nabel und frage dich, ob du etwas verändern willst, meine Hand, die Strähne oder etwas anderes. Du trägst ein Leinentuch, das ist angewärmt. Ich greife dir ins Genick, und du lässt deinen Nacken in meine Hand fallen. Ich knie hinter dir und streife deine Schläfen mit beiden Händen. Ich fühle deine Schultern, streife deine Haare aus dem Gesicht, lege meine Hände auf deine Schultern und lasse sie dort lange liegen. Das Leinentuch ist weiß. Es schmiegt sich an deinen Körper. Es ist frisch gebügelt und berührt dich unterschiedlich stark. Besonders deutlich spürst du es an den Knien, auch am Oberschenkel und am Nabel. An anderen Stellen spürst du es weniger. Dein Atem wird schneller. Ich frage dich, ob du bequem liegst oder ob du etwas verändern willst. Du spürst die Stellen, an denen dein Körper aufliegt - an den Fersen, an den Waden, am Po, am Rücken, an den Oberarmen und am Kopf. Und du spürst die Stellen, an denen er besonders leicht ist - in den Kniekehlen, in der Taille und im Nacken. Du stellst dir eine Linie zwischen deinem Hirn und dem Nabel vor und ziehst alle Gedanken in den Nabel. Die Leichtigkeit breitet sich überall aus. Sie trägt dich. Und du lässt dich davon überraschen, was du als Nächstes tun wirst. Du spreizt die Beine hüftbreit und rettest die Welt, atmest bis ins Becken, und ich mache das Licht an. Ich habe Hunger auf Fisch.

Hab es gefunden

Ich komme mit Google immer besser klar. Die www.radioforen.de -Einträge sind zwar erst vom 29.März, aber es normalisiert sich allmählich. Ich mag die Suchmaschine von Tag zu Tag mehr, auch wenn ich nur einen Bruchteil der Links begreife, die von dem Blog ausgehen. Thomas hat nach sich selbst gesucht. Zwischen Blitzurteil und Grübelei: Hören Sie auf Ihre Seele, titelt eine Illustrierte grad. "Jetzt sehen Sie, wie er wirklich ist!" Weit weg, unerreichbar und eiskalt. Was war grad? Hab ich funktioniert? War ich so nett, wie ich wollte? Ist meine Welt so schön, dass es mir gut tut? Oder träume ich lieber weiter? Irgendein Timo hat grad Gold im Tischtennis bekommen. Tim kennt den bestimmt. Alles fühlt sich so leer an. Hör- und Schmerzschwelle... Eine Grafik wär gut. warum schreibt Franz ausgerechnet mir? Und warum mag ich ihn von Tag zu Tag weniger? "Die Welt ist so klein und doch so groß mit dir und mir im Mittelpunkt", schreibt er. Wer gibt dem das Recht, dadrüber ausgerechnet meinen Namen zu schreiben? Der läuft in eine Sackgasse, denkt, jetzt ist er mir näher und bezeichnet diese Enge als die Welt, in der ich Platz finden soll. Mir ist zum Ersticken. Was er beschreibt, kann ich nicht nachvollziehen. Genauso wenig wie ich kapiert hab, warum er Patience gelegt hat, begreife ich, wie sein Tag jetzt abläuft. Jeder Satz eine Drohung. Ihm könnte etwas passieren, wenn ich nicht reagiere, droht er. Warum sollte ausgerechnet ihm etwas passieren? Es ist unwahrscheinlich, dass ihm etwas passiert. "Hol mich bitte zu dir", schreibt er. Das habe ich so niemandem geschrieben. Nicht mal beim Neuroleptika-Einschleichen. Da hatte ich nur das Groke-Foto im Schubfach. Das hatte gereicht. Warum braucht Franz mehr? Ich will nicht. Ich will nicht. Ich kann nicht mal mit ihm schlafen, geschweige denn mit ihm reden. Ihm etwas zu schreiben, schaffe ich nicht. Das werden nur wüste Schimpfkanonaden. Petra scheint es ähnlich zu gehen. Was wenn er tatsächlich tot wäre? Wie würde es mir dann mit den Briefen gehen? Der ist krank. Krank. Krank. Hören. Grübeln. Aber über dem Brief steht tatsächlich mein Name. "Ich lese dich", ist das Einzige, was der Pfleger ihm ausrichten soll, den ich angerufen habe. Alles andere an Nettigkeiten wäre gelogen. Genauso gelogen, wie auf Andreas zuzugehen, damit er nicht säuft. Verdammt, das ist mein Leben. MEIN Leben. Dilda ist tot. "Das ist Internet", sagt Mcnep. Ich bin entspannt. Fast so entspannt wie beim Lesen von Klaus, der seiner Karin gerade beim Auszug zuschaut. Nein, sie zieht sich nicht aus, sie zieht aus.