Sonntag, Dezember 31, 2006

Stefan Hoyer

Der Mann ohne Webcam. Nachrichtenmanagement per Promi-Catwalk scheint seine Stärke zu sein. Es fließt. Immerhin leistet er sich O-Ton.

Widerstandsarme Recherche

Hab inzwischen gelernt vorauszusetzen, dass mein Gegenüber reden will, wenn ich auf ihn zugehe. Dass er fotografiert werden will. Gerade jetzt. In diesem Moment. Von mir. Egal wie ich aussehe. Nur dadurch, dass ich ihn anspreche. Ich spare erstaunlich viel Zeit dadurch. Komisch, dass dazu erst ein Zeitungspraktikum nötig war. Der Übergang vom Störer zum Investigator war eine kleine Revolution für mich. Beobachten, beschreiben und das Beobachtete nach dem Beschreiben wieder Beobachten. Es gibt nur Weniges, was so befriedigend ist wie dieses Wechselspiel von Beobachten und Beschreiben, ohne eingreifen zu müssen. Eine unwahrscheinliche Ruhe trotz Echtzeit geht davon aus. Nichts drängt, nichts treibt. Nur die Gewissheit, dass das, was ich sehe, reproduzierbar - also Teil einer Wahrheit - ist. Und dann das SichAneinanderReiben der unterschiedlichen Perspektiven als Vitalität mitten in einem Konfliktherd zu genießen, tut gut. Es fühlt sich wie Heimat an. Brodelnd und explosiv. Jeder Beschriebene sofort bereit, zu kontern und Richtigstellungen einzufordern. Je detaillierter die Beschreibung wird, um so lauter ist das Feedback.

selbstvergessen nah

strohhalm im weltweiten... und action! ein dahingeworfenes wort, und schon fließt alles. treue... es ist noch gar nicht lange her, da hab ich bei goerge an treue gedacht. das erste und das letzte mal war das, dass ich treue als selbstvergessenheit verklärt hatte, dachte ich. und es ist mir schon wieder passiert. jede fernwehikone ist gut zur tranceinduktion. nur dass goerge momentan noch unerreichbarer zu sein scheint als noch vor fünf jahren. warum schaffe ich es nicht, widerstandsarm zu recherchieren? alex hat riesenstapel papier auf seinem schreibtisch. dazwischen sitzt und qualmt er. so selbstvergessen bin ich zum glück noch nicht. ich spüre meinen körper noch, hoffe ich, treibe mich aber auch nicht so oft auf polizei und gerichten herum wie er. knappe sequenzen über gelebte zeit notiert er. am liebsten würde ich ihn beschatten, um zu sehen, wie seine kurzmeldungen entstehen. selbstvergessen nah. ab mittwoch kann ich hoffentlich nebenwirkungsarm in seinem stapel kramen. jeder gedanke ein eigenes chaos. die stasi interessiert ihn. dieses sichselbstfremdwerden durch die treue unsichtbarer dritter.

Email

Uwe Groke hat mir gemailt. In Worten: MIR. Ich bin glücklich. Ich höre ihn und schlafe sofort ein. Geborgenheit. Irrationale Geborgenheit fühlt sich so an. Die Mail drucke ich aus. Sonst glaubt mir das keiner.

Samstag, Dezember 30, 2006

Das Leben ist kurz.

"Es schlug mein Herz geschwind zu Pferd. Es war getan, fast eh gedacht." Hab heute einen Banker im Chat erlebt, der pokerte. Mit dem Nachdruck eines Kurzzeitweckers. Freudlos war das. Ein Hamsterrad-Macho mit dem Sexappeal einer Kalaschnikow. Trotzdem hab ich auf ihn reagiert. Komisch. Bin wahrscheinlich unterdosiert. Ein Groke-Komplementär. Eigentlich beschreibt ihn das vollständig: Aufdringlich, plump und nah. Aus irgendeinem Grund wollte er, dass LadyZero Anästhesistin wird. Oder er wollte einfach nur Widerstand spüren. Hab mich tatsächlich von ihm provozieren lassen. "Kommunikationsfehler", motzte die Maske dann beim Ausloggen. Bin froh, dass am Dienstag Training bei den Cheerleadern ist. Mal sehen, wie die Fotos werden. Das müsste mein mit Abstand bester Artikel werden. Hab Schiss vor dem Gespräch mit dem Ausländerrat. Die Struktur ist so verwaschen. Ich hab noch keinen Gesprächsfaden Vielleicht hänge ich alles am Zuwanderungsgesetz und den dadurch eingetretenen Veränderungen auf und frag zur Chipkarte nach. Der Internetauftritt ist extrem kompakt. "Ausländer helfen Ausländern" könnte die Überschrift sein. Und irgendwas zum regionalen Vernetzungsgrad. Ich ärgere mich immer noch über den Banker. Der muss nicht daneben stehn, wenn die Kacke am dampfen ist. Warum mutet der das dann anderen zu? Ein Artikel drüber und dann geordneter Rückzug, das isses. Das wär auch was bis zur Rente. In Ruhe & Gelassenheit. Hab letzte Nacht von Paul geträumt. Von dem breiten Grinsen und dem Jobben neben ihm. Der hatte es geschafft: Ein kleines Haus mit einem winzigen OP-Spektrum ohne Notfälle. Trotzdem war seine Familie weg. Ein Haus, ganz neu und ganz leer. Mit Feng Shui Bach und High Tech, aber nur mit den Fotos seiner Familie. Gelebt wurde woanders. Bin gespannt, wie der Weißig-Artikel wird. Vielleicht schicke ich Paul ein paar Artikel. Vielleicht lade ich ihn sogar nach Dresden ein. Das erste Mal Sauna hab ich mit ihm erlebt. Ruhe & Gelassenheit.

Minimalinvasiv

Was minimalinvasiv ist, überlege ich immer wieder neu. Grad wenn Nina über ihre Freunde spricht. Keiner ist morgen für sie da, sagt sie. Familie zählt nicht. Freunde müssen es sein. Oder Salsa. Tim hat versprochen, mir meine Digicams zu erklären. Drei Stück sind das inzwischen, aber keine funktioniert.

Ein stiller und freundlicher Charakter

"Der hat sich doch immer so gehemmt bewegt." "Das war nur die Feinmotorik, die war bei dem gestört." "Weißt du, dass wir Luise immer damit unter Druck setzen können, dass Charly kommt, wenn sie sonst nicht reagiert?" "Ist der nicht beim Regierungspräsidium?" So war das Feedback auf mein Aufjaulen, dass ER am Telefon war. Jeder wusste irgendwas über ihn, aber keiner, ob er jetzt tatsächlich beim Presseamt ist. Sehr romantisch, das alles. Dass unser Kater einer Dreijährigen Angst macht, die sich sonst durch nichts schockieren lässt, hat mich schon beeindruckt. Gegenprojektion war das, glaube ich. Oder irgendwas noch Komplizierteres. Ob der Anästhesie-Charly deshalb so ruhig war? Ob ich den anders gesehen hab, nur weil ich an den Lockenschlacks gedacht hab? Ich kapiere immer seltener, wie ich funktioniere. Vater fing an zu zittern, er hatte mit seinem Vater zusammen gearbeitet. Aber warum er da zittern muss, ist mir unklar. Das war nur gleichzeitig. Auch dass er dann ein halbes Ei verschwinden und wiederauftauchen lassen musste, war mir unheimlich. Ich hatte Angst, dass er sich dran verschluckt. Inzwischen stand Martin an der Tür und kam nicht rein, weil die Klingel nicht funktionierte. Spannend, das alles. Besonders der Grund für den Stromausfall: Eine zerbrochene Fliegenpilzlampe aus dem Weltweiten mit der Inschrift "Nicht für Kinder unter 14 Jahren. Dekoration."

Freitag, Dezember 29, 2006

"Sieg heil, hab Sprengstoff dabei"

In der Bahn neben mir zwei aufgeregte Jungchen mit Silvesterknallern. Ich habe erst gedacht, ich verhör mich. Winkt der eine doch einem Freund am anderen Ende der Bahn, kommentiert seine Handbewegung als SiegHeil und verweist auf seine Tasche mit Vorrat für die Neujahrsnacht. Wo er feiert, weiß er noch nicht. Aber dass es laut wird, lässt er sich 90 Euro kosten. Der war noch keine achtzehn. Hab mich alt gefühlt, wie lange nicht mehr. Ein Gespräch mit ihnen zu beginnen, hätte nichts gebracht. Wie alt sie sind, wissen sie selbst. Wenn ihre Eltern erfahren, wie viel Geld sie für die Knallerei ausgeben, regelt sich vieles sicher von selbst.

Kinderhospiz. Ein Dialog mit jump@mdr.de

C: Wissen Sie schon, wie die Einweisungsprozedur in das von Ihnen geplante Hospiz erfolgen soll? Wie werden die Verantwortlichen die Freiwilligkeit der Einweisung der Minderjährigen sichern, falls sie selbst nicht die hauptsächlichen Entscheidungsträger sein werden?

Jump: Information über das Kinderhospiz Mitteldeutschland findest du unter www.kinderhospiz-mitteldeutschland.de.

C: Ich habe in dem Internetauftritt leider keine Antwort auf meine Frage gefunden.

Jump: Leider kann ich dir deine Anfrage auch nicht beantworten. Am Besten wendest du dich an die Hotline des Kinderhospizes unter 01805 999 890 (Montag-Freitag von 8-18Uhr).

Über 300 000 Euro hatte Jump in der Vorweihnachtszeit für das Kinderhospiz erzielt.

Google

Hab heute das erste Mal Wind und Regen ergoogelt. Der Blog war dabei. Ob die jeden Link erst lesen, bevor sie ihn listen? Bei Groke stehen meine Blastereinträge gleich hinter seiner Crew-Seite. Trau mir kaum noch, über ihn zu schreiben. Ob Google Worthäufigkeiten ermittelt und damit auf Relevanz schließt? Jetzt rückt der Cursor auf Worthäufigkeiten zurück. Sonst macht der sich nur in Word selbständig. Witzige Software. Die scheint seismografisch genau zu reagieren. Nächstens verrückt der Cursor noch, sobald der Fahrstuhl sich einschaltet. Affairen mit Geräten. Hab heute Thilo Alexe auf seine Fotos angesprochen. Drei Monate ist seine Jüngste und heißt Anna. Geheiratet haben sie nicht, hat er mal erzählt. Aber wenn sie ihr Kind Anna nennt, scheint sie auch in nächster Zeit nicht vorzuhaben zu heiraten. Oder? Anna Alexa klingt gut, aber Anna Alexe? Naja. Einen Buchstaben zu ändern, kostet viel Kraft, Zeit und Geld. Ein Baby wär schön. Blödes Haldol.

Charly

Hab heute auf Bettina Klemms Stuhl gesessen. Neben mir Telefonnummern vom Presseamt. Und dazwischen eine, die ich schon mal angerufen hatte. Schuricht. Karl Schuricht. Hab die Kinderstimme noch in den Ohren gehabt und ihn deshalb nicht erkannt. Wenn er es überhaupt war. Hab still für ihn geschwärmt damals. Und er hatte nie auf mich reagiert, war ja auch mindestens vier Jahre älter als ich. Er hat mich überhaupt nicht bemerkt. Als Elisabeth Charly brachte, fiel mir das wieder ein. Inzwischen ist der Kater zehn Jahre alt und Karl scheinbar beim Presseamt. Hab überall rumtelefoniert, um meine Neuigkeit rauszuposaunen. Außer Martins DuWirstDasSchonRauskriegen vor dem HörerInDieStationKnallen blieben alle gelassen. Thilo meinte, ich soll den Schuricht anrufen, um zu erfragen, ob er Charly ist. Hab es mir nicht getraut. Vier Jahre trennen eben doch.

Donnerstag, Dezember 28, 2006

Alte Fotos



Handlesen in McPomm

Mittwoch, Dezember 27, 2006

Thilo Alexe

Hab heute das erste Mal auf seinem Stuhl gesessen, an seinem Schreibtisch genestelt und seinen PC benutzt. Vor mir seine Fotos. Hab seine Kinder gesehen und seine Frau. Und den Staub auf den Fotos. Und das viele Papier, das irgendein System zu haben scheint, wie es da so liegt. Bin selten so oft zurückgewiesen worden wie heute. Alle reagierten gereizt. Fast alle. Aber ich habe auf dem Stuhl gesessen, kurz nach der Umfrage. Ich hab gestaunt, wie sehr die Cossebauder sich mit ihrem Ort identifizieren. Zig Autos bretterten an uns vorbei, aber fast alle schwelgten in der Schönheit der lauschigen Ecken. Als ob die Brücke erst in x Jahren fertig sein wird, die den Ort dann endgültig mit Blech fluten wird. Kalt war das.

Voyager hat mir angeboten, den Schreibtisch zu fotografieren und online zu stellen. Womit wieder das leidige digicam-thema aktuell wäre. Ich muss Tim erst fragen, wie das Teil funktioniert. In meinem hohen Alter bin ich zu blöd, so ein komplexes Etwas zu erfassen. Tim kann das jedenfalls schneller. Hat aber heute und morgen keine Lust, resignier. Tja, die Zukunft.

Und es war wie immer: Kaum ist Groke auf Sendung, scheint er nur mit mir zu sprechen, nur für mich Musik aufzulegen und sogar bei den Verkehrsmeldungen nur zu überlegen, wie sie auf mich wirken. Ich - sein einziger wahrer Hörer unter drei Millionen. Ich hätte ihn am liebsten mit IchLiebeDich-Mails zugespammt, als 22:03 seine Stimme aus dem Webradio kam. Mittags und abends auf Sendung sein zu müssen, ist Wahnsinn. Mittags kann ich ihn nicht hören, ohne Soundkarte. Aber da sitze ich ja wenigstens auf dem Alexe-Stuhl. Mittags der Alexe-Stuhl, abends Groke - das ist der Luxus, wie ich ihn mag.

Geschrieben hatte ich die letzten Zeilen auf dem Alexe-Stuhl, den ich grad wieder hab räumen müssen, aber senden konnte ich sie nicht von dort aus, wozu auch immer der PC so nach außen versiegelt ist. Inzwischen ist der Text schon fast nicht mehr wahr. Hab Pech gehabt: Eine phantastische Momentaufnahme, ein toller Bildausschnitt, aber eine miese Auflösung. Der Aufmacher für meinen nächsten Artikel ist im Moment ein Reinfall. Hab eine Intensivkopfwäsche hinter mir. Die Bildabteilung hat mich abblitzen lassen. Pech.

Montag, Dezember 25, 2006

Willkommen

Tilo heißt er und kann herrlich strahlen. Ein Ponny und einen Hund hat er und wohnt in einem Turm. Mitten im Funkloch unterm Fernsehturm. Das Telefonhäuschen ist ziemlich weit weg. Ein Münztelefon. Fast wie in der Klapper klingt das, wenn Münze für Münze in der Kiste verschwindet. Ich glaube, das war die linke Hand. Gatzweiler hat links gesessen. Das ist alles schon so lange her. Manchmal wünsche ich mir, ich wär nie Arzt geworden, dann könnte ich über alles schreiben, was ich erlebt habe. Journalist zu sein, ist schon der bessere Job.

Lieber Markus, ich bin seit ein paar Tagen bei einer Zeitung und dadurch auch mit Fotografen unterwegs, sehe also den Fotografierten beim Fotografiertwerden. Deine Fotos helfen mir sehr, mir die Gesichter zu den Radiostimmen vorzustellen, zumal ich sie selber so noch nie gesehen hab. Danke. Komisch ist das zeitlich Versetzte. Dass ich erst Jahre später diese Momentausschnitte sehe. Aber ein bißchen kann ich dann den Moment ahnen, wie er gewesen sein könnte. Danke. Du hilfst mir sehr. Morgen bin ich wieder mit Fotograf unterwegs. In Cossebaude. Gläsern zu sein, ist mir wichtig. So gläsern, dass das, was ich sehe, deutlich wird. So unwahrscheinlich das Wahrgenommene auch ist. Gestern rief mich ein Patient an. Patient deshalb, weil ich vor vierzehn Jahren bei seiner Notfall-OP dabei war. Das war einer der wenigen Dienste, die ich als Arzt gemacht hatte. Ich hatte inzwischen oft an ihn gedacht. Aber dass ich ihm auch durch´s Hirn gespukt sein muss, hab ich gestern erst begriffen. Es war unwahrscheinlich, woran er sich noch erinnerte. Er schien gläsern für mich zu sein damals. Inzwischen hab ich erkannt, dass ich draußen war. Ich hab nur einen winzigen Bruchteil von dem erfasst, was er durchgemacht haben muss, obwohl ich ihn die Stunden damals wie eine Schmeißfliege begleitet hab. Er ist in sämtliche Fallen gerutscht, die nur denkbar sind. Von Herz-OP bis hin zur Amputation. Und das nach einer simplen Hand-OP. Mir ist schon klar, dass ich mit ein paar Stunden Begleiten kaum in ein Leben eingreifen kann, aber meiner Allmachtsphantasie tat das mindestens genauso weh wie das Blättern meiner Eltern in der gestrigen Zeitung: Sie haben mich einfach nicht gelesen. Ich war zu weit weg. Dabei hab ich die Äpfel fotografieren lassen, die sie mir kurz vorher geschenkt hatten und drüber geschrieben. Sie haben nicht mal meinen Namen gelesen. Nicht mal, als ich sie gebeten hatte, nach mir zu suchen. Hab dann über Nähe spekuliert. Über gefühlte und über realisierbare Nähe. Damals bei der Notfall-OP hatte ich gerade einen Hypnosekurs abgeschlossen und alles frisch Gelernte in die Minuten gepackt. Und dann kriegt der doch tatsächlich einen Sudeck und muss den kleinen Finger amputieren lassen. Zwar zwölf Jahre später, aber amputieren. Hab gegrübelt, was überhaupt machbar ist. Kurz vor dem Einsetzen des Sudeck hatte er die Herz-OP. Und am OP-Vorabend hatte er bei mir angerufen. Ich hatte Angst um ihn. Das kam rüber. Mehr nicht. Ich war mies drauf. Er hatte dann brüsk aufgelegt und kurz nach der OP den Sudeck entwickelt. Klar ist das meiste multifaktoriell. Grad bei Reflexdystrophien. Aber mir ist schon klar, dass ich eine Chance verschenkt habe. Hab nur meine/seine Angst gespiegelt, statt zuzuhören. He, das sollte eine Mail werde. Inzwischen ist sie so lang geworden, dass ich sie lieber in den Blog stelle, als dich damit zu erschlagen.

Sonntag, Dezember 24, 2006

Mein Weihnachten

Mein Weihnachten ist jetzt grad. Ich hab alles, was ich mir wünsche: Ein paar Stunden Groke und danach meine Kinder. Ein schöner Tag.

Love Is All Around (Wet Wet Wet)

Es ist schon wieder ein paar Wochen her. Ich hatte eine regelrechte Fliegenplage hier. Beim Tippen setzten die sich auf die Finger, beim Bildwechsel auf das IE-Pictogramm. Mitten in den Nahkampf hinein spielte MarcusBarsch Wet Wet Wet »I can feel it in my fingers...«. Ich war verblüfft. Nicht dass ich es als Synchronizitätspanik eingeordnet hatte, aber die Gleichzeitigkeit fiel mir schon auf. Als er den Titel wieder mal auflegte, hab ich das erste Mal geahnt, was Kundalini-Flow bedeuten könnte. Hab mich selten so frei gefühlt wie in den Sekunden. Als ich beim Yoga davon erzählt hab, wurde das Training stressig bis sportiv. Dem Hauptkommissar gefielen die Fliegen überhaupt nicht. Das erste, was er veränderte, war der Fliegenfänger vorm Fenster. Dreißig Fliegen pro Fänger. Inzwischen hatte er seine Tanzschuhe wieder eingepackt, aber der letzte Fliegenfänger aus der Großpackung hing noch vorm Fenster. Im Radio war wieder einmal MarcusBarsch. Wie sehr der Fliegenfänger an den Haaren klebt, fiel mir erst im Dunklen auf. Jetzt ist auch der weg. Alles ist wieder wie vorher. Nur den Kundalini-Flow muss ich weiter üben. Der tat gut.

Samstag, Dezember 23, 2006

Mitleid

Nichts ist toxischer als dieses Ahnen von Mitleid beim Sortieren von Drinnen und Draußen, von Nähe und Distanz. Ich verziehe mich dann immer tiefer in mein Schneckenhaus und beschimpfe jeden, der es wagt, meine Ruhe zu stören. Oder ich schweige ihn an. Je nach Wahl der Waffen. Eigentlich tue ich mir selbst grad leid. Meine Kinder haben keine Zeit für mich. Das ist schrecklich. Es gibt nichts Schrecklicheres. Aber bitte KEIN Mitleid.

Radiostimmen

...helfen mir beim Sortieren von Nähe und Distanz. Das ideale Eichmaß. Grad Groke. Auf die Stimme zu verzichten ist wie OhneUhrZuLeben. Hab mich gewöhnt an die Stereotypie. Schade, dass ich beim Artikel-Schreiben kein SWR3 hören kann. Die Soundkarte fehlt im PC. Bleibt nur die imaginäre Nähe dessen, der noch kurz vorher an dem PC gesessen hat, um freier zu schreiben. Die Schmierer auf der Tastatur und die hingeworfenen Zettel, die ein wenig über die letzten Gedanken verraten, die dem Anderen durch den Kopf gegangen sein könnten, bevor er das Feld geräumt hat. Hab fast alle Spuren auf dem bisherigen PC beseitigt. Bis auf einen Ordner. Den hatte ich vergessen. Hoffentlich kann sie den nicht öffnen. Da ist nur Müll drin. Die allerersten Schritte im Wordpad. Das ist schon eine Woche her und gar nicht mehr wahr. Peinlich. Das Archiv ist nicht nach Autoren sortiert. Wer weiß, wozu das gut ist.

Freitag, Dezember 22, 2006

Assessmentcenter

In dem Pflegeheim, in dem ich zuletzt recherchiert hatte, gibt es ein Assessmentverfahren, bei dem die Demenz verschiedenen Stadien zugeordnet wird und entsprechend Gruppen gebildet werden. "Damit die Schwächeren vor Gehässigkeiten geschützt werden", sagte die Heimleiterin. TeilenUndHerrschen war alles, was mir dazu einfiel. Immerhin wirkt das Mobiliar hotelartig. Aber das Miteinander bestimmt der direkte Geldfluss, sagt mir mein Instinkt. Und den vermittelt ein Sozialverband im Hintergrund. Ob der ein Assessment fordert, frage ich im nächsten Pflegeheim.

Donnerstag, Dezember 21, 2006

Hotel auf Lebenszeit. Gepflegt wohnen.

Ich war heute wieder in einem Pflegeheim. Das ist noch ganz leer. Alles ist neu. Es ist erst eröffnet worden. Tagesstrukturierende Bereiche hat das. Ergotherapie eben. Neue, teure Möbel stehen überall. Das Personal scheint noch unverbraucht zu sein. Frisch gecastet.