Samstag, Januar 20, 2007
Christa
In der dritten Klasse war Christa in meiner Klasse. Sie war Heimkind und wehrhaft. Auf den Unterricht konnte sie sich kaum konzentrieren. Inzwischen soll sie angeblich eine erfolgreiche Unternehmerin sein. Blond war sie und hatte ein grobes Gesicht. Zu keinem der Klassentreffen war sie gekommen. Sie war ja auch nur kurz in meiner Klasse. Vielleicht ein Jahr. Dann blieb sie sitzen, glaube ich. So genau weiß ich das nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass sie ein Doppelstockbett neben Angela und Isolde, den zweieiigen Zwillingen hatte, die ständig orange-braun-gestreifte Häkelkostüme zur breitrandigen Brille trugen. Alle drei musste ich zu meinem neunten Geburtstag einladen. Mutter wollte das so. Kurz drauf musste ich ihnen auch noch ein Buch borgen. Mein Lieblingsbuch mit französischen Märchen. Danach war es ganz zerfleddert. Ich war wütend auf meine Mutter. Sozial nannte sie das. Sich sozial zu verhalten, war ihr wichtig, schließlich war sie Lehrerin. Ich hatte wirklich Pech. Christa konnte sehr schnell laufen und war stark. Ich hab mich nie mit ihr geprügelt. Wozu auch?
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