Höre heute MDR1. Einen Mix aus 70er Liedern und Nachrichten. Alles, was ich von mir lese, wird plötzlich peinlich. Lichtschachtmäßig peinlich. Das pubertäre WasWäreWenn ist plötzlich wieder da. Vielleicht ist es besser, ein bißchen Farbe auf´s Gesicht zu verteilen, das Neuroleptikum zu nehmen und in den Regen hinaus zu gehen. "Die Sehnsucht zerreißt mich. Bin ganz Fernweh, ohne zu ahnen, ob du mich spürst", stand da. Ich hatte das geschrieben. Trotz Lichtschacht und mit so wenig Ironie, dass es weh tat. Weh tut. Die Augen brennen. Frisch geschminkt. Die Nase war auch schon freier. Groke war seit 4 auf Sendung. Ich hatte den Wecker auf halb 6 gestellt, um ihn zu hören. Ein paar Email-Worte tauchten da wieder auf. Ich kann mir trotzdem nicht vorstellen, woran er gedacht hat, als er sie geschrieben hat. Vielleicht war das eine mit Standardmail. Eine, die er so oder ähnlich an verschiedene Adressaten verschickt hat. Es war ja kurz vor der Sendung, also kein Grund, sich groß zu konzentrieren. Trotzdem läuft bei mir gleich wieder ein ganzer Film ab: Eine halbe Stunde braucht er ins Studio, vor der Tür der Hawai-Weihnachtsmann. Die ganze Familie wird noch schlafen, während er jobbt. Das macht er so seit Jahren. Ein Du. Meine formale Denkstörung. Vielleicht ist es das Beste, statt "Groke" nur noch "formale Denkstörung" zu denken. Blödes Überich überall. Was das ausmacht, diesen albernen Dudel-Sender zu hören. Schon stehe ich neben mir und beobachte mich grinsend. Fast wie Manu mit seinen Cher-Ambitionen. Aber irgendwas zum Dranglauben wär schon schön. Und so ein bißchen Groke tut nicht weh. Eine formale Denkstörung. Nebenan puhlt einer an der Tür. In einer halben Stunde muss ich los. Die Kinder schlafen noch. Kalt wird es sein, wenn ich raus gehe. Hoffentlich ist die Redaktion heute wärmer. Den Weg zu Sabine Jordan hab ich noch nicht rausgesucht. Hab ihr noch nicht erzählt, dass ich einen Fotographen bestellt hab. Um 10 frühestens rufe ich sie an. Und vorher die LMAA-Spritze. Hab gestern einen Schreck gekriegt, als Tim erzählte, dass Martin mit ihm nach Nürnberg ziehen wollte. Ohne Tim ist alles so leer. Da hilft dann auch kein Groke mehr. Ein Job als freier Mitarbeiter, die Rente und irgendwann Enkel, so wird es wahrscheinlich werden. Karin ist mit 44 Oma geworden. Das wär dieses Jahr. Nina lacht bloß, wenn ich ihr das erzähle. Die Radiostimme ist komisch. Viel bewegter als vorhin. Irgendwas ist dort passiert.
Egal, ich muss nicht alles verstehen. Komischer Sender. Was so ein paar 70er Lieder ausmachen, gleich interessiert mich eine wildfremde Stimme, der ich nicht mal einen Namen zuordnen kann. MDR1.
Dienstag, Januar 02, 2007
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3 Kommentare:
Gestern hat Mutter von ihrem Schlaganfall erzählt. Ich hatte ihn schon wieder vergessen, nur dass sie sich in letzter Zeit zerbrechlicher fühlte, war mir aufgefallen. Hab dann aber sofort Vaters Zittern vor Augen gehabt. Wie schnell so ein Leben vorbei ist, ist schon erstaunlich. Tagebuch-Schreiben tut gut. Ein bißchen die Zeit festzuhalten, damit sie nicht so sinnlos rast wie im Saal. Aber im Saal war der Mindestintervall ja auch zehn Minuten. Und innerhalb von zehn Minuten kann ja eine Menge passieren. Schreiben tut mir gut. Egal wo ich bin. Alles wird gläserner. Auch Irritation.
Laß dich nicht hängen, es gibt Menschen, die an dich glauben und immer noch da sind, solltest du straucheln. Darauf kannst du dich 100%ig verlassen. Noch ein wenig mehr Vertrauen, dann kann es so werden.
Im Prinzip stimmt das schon, Tagebuch schreiben ist eine hilfreiche Sache. Es tut wirklich gut. Auch wenn nur sehr wenige Menschen begreifen werden, was man selbst damit meint und auszudrücken versucht. Hingeworfene Gedanken, aus dem Reich der Erinnerung geboren, nach Tagen nicht mal unbedingt selbst wiederzuerkennen. Entwicklung eben, ganz in Ruhe ;-)
la la laalala la...
mint...
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