Samstag, September 15, 2007

Marktkompatible Gesundheit

Bei aller Liebe zur direkten Kommunikation ist mir das defizitorientierte, ach so soziale Miteinander gruslig. Petra Stephan verbalisiert ihre eigenen Sorgen und Nöte lösungszentrierter als für ihr Klientel: Bei denen fordert sie primär Trauerarbeit ein bis hin zu testamentarischem Miteinander. Eine junge Blinde und eine alternde MS-lerin saßen neben ihr auf der Bühne. Ort des Geschehens war die Landeszentrale für politische Bildung. Man scheint sich dort zu kennen. Jedenfalls stürzten gleich drei Mann auf mich zu, um zu erfahren, wer ich bin und was ich dort will. Hab Mafia geschnuppert bei so viel ungewohnter Nähe. Aber es war der Landesverband für Selbsthilfe.

Auf meine Frage, ob sie an einem ähnlichen Bewertungsmaßstab wie dem GOÄ für Ärzte auch für Sozialarbeiter mitarbeiten will, konterte Petra Stephan: "Bilden Sie Rangreihen! Was ist das Wichtigste? Achten Sie auf eine ausgewogene Balance! Das Selbstwertgefühl steigt mit dem Selbstmanagement!" Bleibt als nächster Schritt, die Evangelische Fachhochschule anzusprechen, ob eine Diplomarbeit das Aufsplitte sozialpädagogischer Pauschalpakete in abrechenbare Einzelposten aufsplitten helfen könnte, um ein finanzierbares Weglaufhaus zu konzipieren. Sonst bleibt Sozialarbeit für alle tatsächlich am Gynäkologenstuhl für Rollstuhlfahrerinnen und der Gebärdendolmetscherin für den Klassenelternabend hängen. Das Weglaufhaus als Einrichtung der Behinderten-Selbsthilfe diesseits des PsychKG war jedenfalls noch kein Thema, das SGB IX allerdings schon.

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