Donnerstag, November 16, 2006

Sächsische Zeitung

Jaja, Traum und Wirklichkeit sind oft nur einen Link weit voneinander entfernt. Über Groke Bloggen und bei der SZ wegen einem Praktikum nachfragen. Hab grad mit Iris Schawohl von der SZ telefoniert: Ein Praktikum erscheint ihr nicht sinnvoll, eher freie Mitarbeiterschaft. Ich soll mich bei den Ressortleitern der einzelnen Redaktionen melden. Ich will! Ich will mich da melden. Wellness-Themen zum Beispiel könnte ich bearbeiten. Funktionskleidung und Pheromonspiegel, grübel. Hautdurchblutung und Erektion. Irgendsowas Randständiges, was eh überlesen wird für die hinterletzte Spalte. In Ruhe. Alles wird gut. Schritt für Schritt. Vielleicht kommt noch eine TED-Umfrage zur weiblichen Spontanejakulation dazu. Irgendwas Seriöses eben. Bin schon so durcheinander, dass ich die benutzte Kaffeetasse in den Kühlschrank stellen will. So viel zum Wollen und Können. Mal sehn, die haben ja ein bestimmtes Profil. Ich kann also nicht Spontanejakulation in die Überschrift bringen. Das muss dann irgendwo anders stehen. Irgendwie schlüssig, aber trotzdem nachhaltig. Lymphknotendrainage durch ganzheitliches Atmen oder so. Irgendwas halbwegs Hahnebüchenes. Heute hab ich das erste Mal gehört, dass die 1400 Polizisten statt Videoüberwachung bei dem Fußballspiel zwischen Union Berlin und Dynamo Dresden eingesetzt hatten. Das war ja fast intim. Pro Zuschauer ein Bodyguard oder so. Huchja, die Pheromone und die Funktionskleidung. Brainstorm unter Zeitdruck ist blöd. Am besten ich piesacke Martin Witt wegen DFG-Fördermitteln, statt einen Artikel zusammenzukrampfen. Mir ist schon wieder einsam. Vielleicht mache ich auch einfach nur eine virtuelle Sitverdammtwiewirdkomgeschrieben meiner Angebeteten und vergleiche die passageren Füllungszustände der Hautvenen. Ohmann. Es ist schon wieder so langweilig, dass ich fast verblöde. Verblöden beim SichSelberLesen ist so masochistisch. Fast so masochistisch wie ReufsteckHören. Der knödelt schon seit Stunden das Mikro zu. Jetzt fließt überhaupt nichts mehr. Ich denk das Leser mit. Verdammt, wie konnte mir das passieren. Einen Leser mitzudenken ist das Letzte. Das passiert mir in der Regel nur bei Groke. Und dann fange ich sofort an zu schleimen. Als ob das Schleimen irgendwas ändern würde. Peinlich. SZ. Irgendwann geht meine Mutter ans Telefon, hört den Anrufbeantworter ab und gibt mir die Telefonnummern der Ressortleiter der einzelnen Redaktionen durch, die angeblich alle im Impressum stehen, damit ich die mit meinem IchWillFürSieAlsFreierMitarbeiterArbeiten zumüllen kann. Ich seh jetzt schon die Überschrift „Leistenerosionen durch Sisal“. Huchja.

Mittwoch, November 15, 2006

Einsam ist das hier

Hab grad die Nachbarblogs angeschaut. Die sind erschütternd weit weg. Einer in China und einer in Florida. Da brauche ich mich nicht zu wundern, dass die Seite erst 95mal aufgerufen wurde. Das ist wie Warten in der Wüste auf Wasser. Idiotisch zu glauben, das Bloggen verbindet. Und Voyager hat mich vor Spammern gewarnt. Genauso gut hätte sie mich vor dem nächsten Buch von der Berg warnen können. Das kommt hier genauso wenig an. Mir ist zum Schreien. Nix los hier. Mir ist zum Umziehn. In irgendeine deutsche Domain, wo wenigstens ein Bruchteil der Leute, die sich auf die Seite verirren, deutsch können. Es ist zum Piepsen. Voyager lacht sich jetzt bestimmt ins Fäustchen.

Ich kann ohne dich nicht leben

...stand gestern in meinem Handy-Display. Erst war ich schockiert, dann hab ich überlegt, wen ich mit der Message schikanieren würde. Groke fiel mir auf Anhieb ein. Das genervte Gesicht beim Wegzappen würde ich schon gerne sehen. Huchja, hab heute meinen Tag der ausgeprägten Nächstenliebe. Gestern hatte ich Einsiedlerkrebs Kontakt, wenn auch großteils akustisch, zu mehr Männern als ich ohne Nachschwankung ertrage. Martin Witt hat keine Lust, mich als Doktorvater zu betreuen. Verdammt. Er sagt nicht mal, worüber er grad arbeitet. Seinen Stuhl bearbeitet er ganztags. Mehr weiß ich bis jetzt nicht. Und sein bestes Teil durchblutungstechnisch. Warum ist der so stur? Warum erzählt der auch nicht das winzigste Detail? Die Bücher, die ich von ihm rausgesucht hab, hat er angeblich alle nicht geschrieben. Sein Name wär häufig, sagt er. Anatomiebücher. Ich bin wütend wie lange nicht. Ich kann ohne dich nicht leben, hab ich ihm nicht entgegengefaucht. Aber viel fehlte nicht.

Dienstag, November 14, 2006

Chef vom Dienst

Das gab mal eine Zeit, da war ich so gut drauf, dass ich mich auch als Chef vom Dienst bei Welt der Wunder beworben hatte. Letztendlich wurde ein Praktikum draus. Mit einem Match um die stärkeren Nerven. 800 Euro hat er vorgestreckt für zwei Sendeminuten, die es dann so nie gab. Inzwischen erreiche ich ihn nicht mal per Mail. Wie sich Hass anfühlt, weiß ich inzwischen. Hab selten so viel Energie in zwei Minuten investiert.

Verzweiflung

Eigentlich geht es mir gut. Ich verdiene ein paar Euro und kaufe damit alles für eine Hühnerbrühe. Er wird gesund. Nicht ganz so schnell wie sonst. Aber gesund. Ein bißchen Heulen. Ein bißchen Selbstverachtung. Ein bißchen in die Ferne lieben und den Unsichtbaren anschreien. Dann kann der Tag beginnen.

Samstag, November 11, 2006

Er

Hab den Wecker auf 3:45 gestellt. Schon den zweiten Tag. Um keine Minute zu verpassen. Punkt vier läuft dann das Webradio, ich krieche unter die warme Decke, höre ihn und schlafe sofort ein. Glück kann so einfach sein. Fünf vor sechs wache ich dann auf, höre, wie er sich verabschiedet, hadere mit meinem Schicksal und stelle den PC aus. Schließlich habe ich nur ISDN und muss sparen. Das Leben ist hart. Aber wenigstens habe ich ihn allein verschlafen. Und irgendwie war er ja da. Das Groke. Manchmal schnappe ich ein paar Brocken auf und träume dann bunter. Ziemlich existentiell, ich weiß. Bunt zu träumen, ist existentiell. Grad an so grauen Tagen.

Cynetart

Das erste Mal, dass mir nicht gleich Klaus Nikolai über den Weg stolperte. Stattdessen jedes Exponat kryptisch wie nie. Nix erklärte sich selbst. Nirgendwo jemand, der ein Wort zu viel verlor. Nur diverse Flachbildschirme. Dazwischen dieverse Kameras. Und ich ohne Fernwehguru, aber zum Glück mit Nina. Tim hatte keine Lust auf FremdPC. Episode 1 aus http://www.inanimatealice.com/ hat mich angerührt. Mehrere Minuten. War verschwunden. Für Nina. Sie hatte mich gesucht. Bis sie selbst in die Story eintauchte. Die mit Abstand sympathischste Installation war die für Hände und Tinte http://thesystemis.com/drawnInstallation/: Du malst auf Papier, scannst das Gemalte, legst das Papier beiseite, bringst deine Hände ins Bild und bewegst so das Gemalte. Ein Hauch von Freiheit. Zumindest in der vierten Dimension. Ein winziges Gefühl von dem, was Zeit bedeuten könnte, vermittelt die Installation. Grad wie eine Groke-Zeitansage.

Lust

er ist glücklich, sagt er. keine ahnung warum er mir das immer wieder sagen muss, sobald er mich sieht. und wie toll sie ist. bin ich sein arzt? hab keine lust seinen tüv zu machen. warum erzählt er mir, dass es ihm gut geht? seh ich aus, als ob ich das wissen muss? langsam kann ich eine strichliste machen: er ist immer noch glücklich. vielleicht am besten tabellarisch, damit ich ihn besser von den anderen noch glücklichen unterscheiden kann. aber warum die augen dabei so rot sein müssen, kapiere ich nicht. macht glück die augen rot? und warum muss ich mich dazu umarmen lassen? kann der seine sehnsucht nach nähe nicht woanders entsorgen?

Freitag, November 10, 2006

Sehnsucht

Mich zerreißt es schon wieder vor Fernweh. Wie jedes Jahr zur Cynetart. Das sind die Tage im Jahr, an denen ich gern mein Wachsfigurenkabinett beleben würde. Einmal den Namen angeklickt, müsste derjenige welcher sofort da sein und die virtuellen Landschaften mit mir begehen. Vielleicht kommen meine Kinder morgen mit.

http://www.kunsthausdresden.de/
http://www.medienkulturzentrum.de/
http://www.culturall.de/?http://www.culturall.de/kultur/dresden/festival/cynetart/cynetart.html

Hypertext

Jetzt ist der Blog so groß geworden, das Blättern Mühe macht. Hypertext wär gut. So was MindMappingArtiges. Alvar fehlt mir. Alvar Freude und seine Software.

Doktorarbeit & Vorlesung

Allmählich sehe ich Licht am Ende des Tunnels: Hab das Vorlesungsverzeichnis des Uniklinikums Im Internet gefunden. Nicht allein, aber immerhin. Zwar ist der nur bis heute, aber der für nächste Woche müsste ja auch bald dort auftauchen. Dann setze ich mich in die Vorlesung und lerne die Vokabeln des potentiellen Doktorvaters. Schritt für Schritt. In Ruhe.

Autokonfrontationstechnik bei Schizophrenie

Hab gestern hans.diener@uni-duisburg-essen.de angemailt, um ihn nach Literatur zur Autokonfrontationstechnik bei Schizophrenie zu fragen. Ich bin mir sicher, dass ich bei Multimedica davon bei ihm gelesen hatte. Er erinnert sich nicht mehr, als ob ich ihn verwechselt habe. Da er sich aber auch nicht mehr an Multimedica erinnert, hab ich erst mal geschaut, ob sich da eine Struktur verändert hat. Zwischen Tür und Angel erinnert mann sich ja an manches nicht mehr. Am Telefon war Diener heute mehr als ablehnend. Nicht verblüfft, eher genervt. Hab deshalb direkt das Multimedica-Archiv angeschrieben. So direkt, wie es bei dieser Bertelsmann-Struktur im Moment geht. Über info@medizin-online.de. Aber vielleicht ist das ja inzwischen auch gar nicht mehr Bertelsmann. Das Eingangsportal hat sich zumindest stark verändert. Diener wehrte ab, dass er Neurologe ist und keine Ahnung von Schizophrenie hat. Bin immer noch verwirrt über die Antwort.

Hab jetzt noch einmal die Multimedica-Unterlagen herausgesucht. Leider hatte ich nur einen Bruchteil ausgedruckt. Der Ausschluss damals kam für mich unerwartet. Vielleicht maile ich Günter Goerge. Vielleicht hat der noch Zugang zum Archiv. Der Expertenrat Psychiatrie bestand 1999 noch. 2000 scheinbar nicht mehr. Der Name Deister taucht dabei auf. Googeln nach Deister AND Schizophrenie ist der nächste Schritt. Und wenn der nicht weiterführt, frage ich Goerge.

Donnerstag, November 09, 2006

Mailbox-Träume

Hab grad im Neuenheimer Feld angerufen. In Heidelberg. Der Springer-Verlag ist dort ganz in der Nähe. Der Springer-Verlag, aus dem auch Multimedica hervorgegangen ist. An der Uni suchen die Neuropharmakologen dort jemanden, der sich für Schlaganfallvorsorge interessiert. Anhand der IKK. Nicht der Innungskrankenkasse, ich weiß. IKK meint eine Kinase beim zellulären Selbstmord. Hab mich trotzdem sofort gemeint gefühlt. Dabei geht es nicht um den Lichthof bei Springer. Die Stimme am Telefon war nett. Die Gesichter auf der Institutsseite auch. http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Sektion-Molekulare-Neuropharmakologie.9430.0.html Grund genug zu mailen. Grad scheint die Sonne. Eigentlich ideal um rauszufahren und Charly zu füttern. Aber vielleicht ruft das Oliver ja jetzt grad zurück. Vielleicht auch nicht. Reufsteck schwatzt grad auf dem SWR3. Über Energiesparer. Ein bißchen ist es schade, jetzt zu warten. Vielleicht reagiert er ja auch gar nicht, nachdem er den Blog gelesen hat. Puh, komisch, das Gefühl, Geschriebenes mit fremden Augen zu sehen. Fremde Augen, die ich überhaupt noch nicht kenne. Egal. Ich warte noch zehn Minuten und dann gehe ich los. Das Wetter ist grad so schön. Und Charly hab ich auch schon seit Tagen nicht mehr gesehen. Ich kann hier eigentlich gar nicht weg. Gestationsdiabetes wär gut. Schade, dass die AOK so zögert. Blöde Kassen, die. IKK wär schon interessant. Ich hätte interessant beinah mit Doppel-R geschrieben. Auf dem Foto ist nicht zu erkennen, wer wer ist. Der ist bestimmt viel jünger als ich. Egal. Nicht mein Problem. Olivers müssten so zwischen 28 und 45 sein, glaube ich. Ob er das liest? In der Ambulanz ist er grad. 5:26 ist schon eine Weile her. Eigentlich braucht es wenig, um glücklich zu sein. Einmal "5:26" durchs Radio geflötet und schon bin ich glücklich.

Konfus

Ich schreibe meine Gedanken jetzt noch lückenloser auf. Irgendwann knacke ich den Code, nach dem ich funktioniere, ohne ein Draußen zu brauchen. Gestützte Inventur ist auf die Dauer verdammt teuer. Dazwischen die Worte eines Mannes, der vor einiger Zeit Auschwitz aufgesucht hat. Über Freiheit. Die Freiheit, weg zu gehen. Weg von einem Ort, an dem gestorben wurde. Einem Ort, an dem es diese Rückzugsmöglichkeiten damals nicht gab. Allmählich spüre ich, dass mich Zahlen fast immer zu meinen scheinen, solange ich sie nicht aufschreibe. Ob auf Autokennzeichen oder in Verkehrsmeldungen. Das Fell ist immer noch dünn. Kaum treten zwei, drei bekannte Merkmale auf, kann ich nicht mehr zuhören, ohne Amok zu laufen. Dann trotzdem jede einzelne Zahl mitzuschreiben, kostet Überwindung. Wenigstens ist es inzwischen so, dass ich ein kleines d tippen kann, ohne mich beobachtet zu fühlen. d wie schwanger. Im Blaster spinnt der Primzahlheini seit Wochen herum. Einerseits will er gelesen werden, andererseits codiert er bis zur Unkenntlichkeit. Irgendwie ist es beruhigend, diesen schizoid verklärten Exhibitionismus mitzuerleben. Genausogut könnte er hebräisch schreiben. Ich würde genauso viel in dem Text erfassen. Genauso viel wie aus den Rohrstöckler- und Hodenpreller-Texten, die sich in den letzten Wochen zu Dutzenden wiederholten. Immer wieder das gleiche Schema: 1. ich bin verletzt worden, 2. es war toll. Ein Wahnsinnscode. Jeder braucht ein Stück Unendlichkeit. A61 Unfall, Gegenstände, A8 Fußgänger,A3 7km , A6 Saarbrücken 4 km, A67 Unfall, A661 Stau, A8, A1 6km. A3 4 km... Aber das ist inzwischen schon wieder 20 Minuten her. Konfus. Gedanken.

Mittwoch, November 08, 2006

Betroffenenlobby beim Gestationsdiabetes

Offensichtlich ist die Prävalenz des Gestationsdiabetes in Deutschland niedriger als im Rest der Welt. Irgendwas ist in Deutschland anders. Am ehesten das Früherkennungs-Screening. Oder die Outcome-Diagnostik. Jeder Fall verursacht Kosten von bis zu zwei Millionen Euro, wenn er denn erkannt und behandelt wird. Kosten, die die Kasse so jetzt noch nicht zu tragen braucht. Bislang gibt es noch keine ordentlichen sächsischen Zahlen hierzu. Und sämtliche Studien dazu haben Makel, sagt das Institut für Qualitätssicherung, das dem Gemeinsamen Bundesausschuss direkt zugeordnet ist. Achsennah, wie es ist, steigen die Ladezeiten in Disney-Länge. Ich kann es nicht mal verlinken, ohne mich ISDN-mäßig dumm und dämlich zu zahlen. http://www.iqwig.de/ Das Institut arbeitet wie gesagt dem G-BA zu. Dem gemeinsamen Ausschuss von Ärzteschaft und Kassen. Unter anderem mit dem Ziel, Kosten zu dämpfen. Es versteht sich angeblich als Gegenpol zur Pharmaindustrie. Der B-GA hat eine Studie zur Früherkennung des Gestationsdiabetes in Auftrag gegeben, die wenn sie fertig ist, wahrscheinlich wieder von dem Institut abgeschmettert wird. Inzwischen wächst wahrscheinlich die Anzahl der Betroffenen, die allerdings nichts von ihrer Betroffenheit ahnen. Tja, was kann Medizin? Lohnt Diagnostik? Und wenn, wie teuer wird die Intervention? Puh, hängt hier ein Wasserkopf von Hackern dran. Das ist ja noch ekliger als im Hygienemuseum. Die Software menschelt wie beim Crash. OK, hab den Blogger neu geladen. Der Text war nicht abgestürzt, liest sich allerdings beschissen. Feel Spass am Substrat. Es ist deine Lebenszeit, die du grad beim Lesen verplemperst, nicht meine.

Entflechten von Phantasie und Wirklichkeit

hab groke grad gemailt. ich will wissen, was er bei verkehrsmeldungen sieht. irgendwann begreife ich vielleicht die vernetzungsstellen der einzelnen datenbanken. und ob da tatsächlich einer mit mir spielt, indem er/sie autos zusammenkrachen lässt. irgendsoein ballerspiel mit fahrzeugelektriksoftware. clean wie der pathway beim zurückverfolgen des spielers. ein autobahnrohrstöckler. vielleicht sind es auch mehrere.

Dienstag, November 07, 2006

Sie hatte ein gutes Zeitgefühl

Ok, da war grad ein Gedanke. Jetzt ist er mangels intaktem Zwischenspeicher abgerissen. Pech. Nur ein Rest ist noch da: Robby Gierer hatte grad "Komm doch mal rüber, Mann, und setz dich zu mir hin..." aufgelegt und mit "Sie hatte ein gutes Zeitgefühl" kommentiert. Eine Fließbandromanze für zwischendurch. Mein Kühlschrank ächzt, als müsste er die ganze Wohnung kühlen. OK, da war grad ein Gedanke. Den Rest fasse ich vielleicht noch. Wie willst du ein gutes Zeitgefühl entwickeln, wenn dein nächster Gegenüber größenwahnsinnig ist und sämtliche Notfallpieper des Hauses in Phallusnähe positioniert? Und zwar alle in Nähe seiner eigenen Weichteile? Wie willst du mit so einem Chaoten normal reden? Der war doch immer auf dem Sprung. Immer dabei, die ganze Welt zu retten. Und mit dem dann in Ruhe die nächsten fünf Minuten zu planen, war reinster Masochismus. Klar dass ich den so viel wie möglich im Alleingang machen lassen wollte. Klar, dass ich mich möglichst selten in seinen Tag eingemischt hab. Klar, dass ich so wenig wie möglich seine Patienten mitbegleitet hab. Das war ein anderes Lebenstempo. Als ich ihn tatsächlich mal brauchte, weil die Chefin meinen urlaub vergessen hatte, mein Flieger auf die Canaren aber schon gebucht war, hatte der angeblich einen Termin als Kronzeuge in einem Mordprozess. Mister Urgent Emergent. Ein Einzelkämpfer, mit dem ich so wenig wie möglich zu tun haben wollte. Kein Groke-Double. Eher ein Irrwisch. Wenn der neben dir zusammenbrach, stürzte das halbe Universum ein. Ein Wessie eben. Vernetzt wie TNT.

90er Charme

Im Radio laufen seit heute früh 90er Titel. Bin ganz aufgewühlt. Ich seh mich wieder nächtelang durch die Wohnung spuken. Immer in Angst vor dem nächsten Tag. Vollgestopft mit dem Know How aus Larssen und Co. und zig Fragen im Hinterkopf, auf die ich bis zur Narkose sowieso keine Antwort kriegen würde. Dann, wenn ich trotzdem die eine oder andere Frage zwischen Tür und Angel platzieren konnte, ständig das genervte EsWirJemandVorbeikommen. OP-Plan als Gesetz und Überforderung als Standard. Immer ganz Versagensangst. Wenn ich geträumt hatte, waren das in der Regel Albträume. Und dann kam der für mich schlimmste Tag. Der Tag, an dem eine der Patientinnen bitter frotzelte UndBeiIhnenWerdeIchSterben. Es war die Hölle. Ein bißchen Geborgenheit wäre schön gewesen. Irgendjemand zum Anlehnen. Jemand, der Zeit hatte. Die 90er waren furchtbar. Die einzige Insel, die geblieben war, war die Musik. Und die hab ich mit Erinnerungen überfrachtet wie ein abgetragenes Kleid. Es war die Hölle. Bloß nicht wieder zurück müssen. The Last Warrior hatte ich für sie ausgesucht, musste es aber nie auflegen. Einen Filmtrack. Zu hoffen, dass tatsächlich jemand kommt, war meistens sinnlos. Gut wenn du dich dann wenigstens so weit abgesichert hattest, dass die ganze Vorbereitung so stand, das jeder x-beliebige andere an deiner Stelle sofort übernehmen konnte. Dass du austauschbar warst. Austauschbar zu bleiben war das größte Ziel, das ich damals hatte. Austauschbar für alles und jeden. Als ich dann ausgepowert in der Psychiatrie landete, blieb erstaunlicherweise eine spürbare Lücke zurück. Die hatten tatsächlich gemerkt, das jemand fehlte. Nicht am OP-Plan, aber an den Überstunden. Es war Wahnsinn. Hab meine Kinder kaum gesehen. Nur die Musik lief als Hintergrundrauschen. Ein Alb.

Montag, November 06, 2006

Warten auf den Rest der Welt

OK, es war vorherzusehen, dass ich verdammt viel Groke-Hologramm brauchen würde. Aber das es so hart wird, hatte ich nicht gedacht: Alle laberten diffus über mögliche Handicaps für Mutter und Kind und über die Notwendigkeit ordentlicher Zahlen bei gleichzeitiger integrativer Versorgung. Einer Versorgung, deren Finanzierung so noch nicht gesichert ist, bei einem Datenbestand, der mehr als schwammig ist und für den es noch keine Betroffenenlobby gibt. Es war total verkackt. Bleibt also die Literaturrecherche, um einem blauäugigen Dämonen namens Sawitzki ein klein wenig paroli bieten zu können, wenn er mit diabetologischen KnowHow gestützt den Kostenaufwand für Gestationsdiabetesfrüherkennung auf die möglichen Bestattungskosten bei Totgeburt zurückschraubt. Ein ganz Süßer scheint das zu sein. Ulla-Attachment der ersten Wahl. In der Lage, jede Studie per se ad absurdum zu führen. Unsachlich und breitbeinig. Hab ihn bis jetzt noch nicht eindeutig ergoogeln können. Vielleicht kennt ihn ja wenigstens Medline.

Luftpiraterie

Europaweit gelten neue Regelungen für das Mitführen von Flüssigkeiten in Flugzeugen. http://www.medizin.de/gesundheit/deutsch/1069.htm. Heute trifft sich die Fachkommission Diabetes Sachsen. Ich bin das erste Mal dabei. Es geht um eine Initiative. Gestationsdiabetes. Ich hab meinen Anzug seit Jahren nicht angehabt. Hoffentlich friere ich nicht. Ein Pullover wär gut. Und die Daunenjacke. Anzug ist schlimm. Ich friere schon den ganzen Morgen, sobald ich daran denke. Gestern hab ich das erste Mal beim Sex die chinesische Rückenschule ausprobiert. Und es funktionierte nicht. Ist wahrscheinlich doch eher was für die unbefleckte Empfängnis. Verdammt, warum hab ich mich bloß auf den Anzug eingelassen. Und warum tauchten im Radio Diabetikerflüssigkeiten in der Verordnung auf? Konzentration, prust. Allmählich wird es warm. Hab die Heizung auf Maximum gestellt. Luftpiraterie hat mich noch nie interessiert. Abgesehen von dem Abort nach Flughafenkontrolle hatte ich damit nichts zu tun. Die Rückenschule ist eigentlich ganz simpel. Zumindest beim Untenliegen. Und wenn keiner drauf liegt. Wie die Chinesen die außer beim Cunulingus anwenden ist mir schleierhaft. Und auch da stelle ich sie mir kompliziert vor. Das müssen alles isometrische Dehnungen sein. Nur innerlich spürbar. Ansonsten klappt das nicht. Egal. Heute ist wieder Yoga. So schwer kann das ja nicht sein. Ganzkörperatmung scheinen die das zu nennen. Das geht bestimmt nur bei Frauen. Die Männer sahen jedenfalls nicht allzu verklärt dabei aus. Die Männer. Naja, zwei Exemplare sind dabei. Einer introvertierter als der Andere. Und sie trug einen Hauch von Nichts. Marion aus Lerch. Badewannenatmen bis die Wanne aus der Kehle sprudelt. Egal. Es ist egal. Irgendwann wird auch aus dem beschissensten Moment eine orgastische Zäsur. Ich werde den Anzug tragen wie eine Daunenjacke. Alles wird gut. Vielleicht macht es sogar Spaß, in diesen heiligen Hallen zu sitzen, zu nicken und teilnahmsvoll zu lächeln. Eins mit dem System, nah an dem, was sich da Zukunft zu schimpfen scheint, gröhl.