Freitag, August 17, 2007

Heute

Ich hätte heute fast im Dresdner Webradio-Studio gestanden. Janos Wieland quittierte es leicht irritiert mit WiesoWäreDasSchlimm? Immerhin ist da eine Klingel, die sich ignorieren lässt, irgendeine Rotlicht-Tür, die das BetretenVerboten eindeutig mit dem HierSendeICH verknüpft, wird er schon haben. Jedenfalls ist im Webcamsegment das einzig Bewegliche, die Zeitangabe, wenn seine Einzigkeit afk ist. Ich würde gern die Studio-Monitore gesehen, schmacht. Verglichen mit dem Callcenter ist es bei ihm einsam. Das Hintergrundrauschen bei K&M Media Service hat was von Brandung: acht Arbeitsplätze auf 16 Quadratmetern. Aber dunkel ist es. Die Fenster gehen alle auf einen winzigen Hinterhof raus. Und Mittag ist dort teuer: ab drei Euro. Dort ist nur eine Mikrowelle. Janos war in einem Callcenter für Antenne Sachsen. Ich werde versuchen, dass ich bei K&M Media Service einen Minijob kriege a 14 Wochenstunden. Dann ein paar Artikel und es müsste zum Leben reichen. Jedenfalls solange ich die Rente kriege. Vielleicht organisiert Webradio Dresden auch ein Tanzfest wie SR1 letzten Monat mit Tanzlehrern. Das war ausverkauft. Fünf Euro kostete der Eintritt. Tanzlust haben sie das genannt. Groke hat sich als Tanzpartner verlost. Und ich habe ihn nicht gewonnen. Das war schrecklich. Janos würde sich eventuell opfern, wenn Katjess ihn gewinnt. Gefragt, warum er auf der Webradio-Startseite eine Sonnenbrille trägt, schweigt er sich aus. Seine Augen sind kaum zu erkennen. Katjess wohnt allerdings in Merseburg, arbeitet bei Leipzig in Dölzig als Grafikerin in einer Werbefirma. Wofür sie gerade wirbt, verrät sie nicht. Katjess wird am Wochenende nicht zum WQ-Treffen auf dem Theaterplatz zum Stadtfest kommen. Samstags 19 Uhr ist das, stand im Forum am Schwarzen Brett, Seite 5. Der Webradio-Chat verknüpft Flüstern und Gruppe nur per ODER, das ist gewöhnungsbedürftig. Die Fenster sind schroff. Unvermittelt tauchen Befehle und die Statusangaben dazwischen auf. Das ist bei www.werweisswas.de komfortabler. Aber da putschen in den Foren militante Moderatoren herum, die Anekdote in Lexikon transferieren wollen und dadurch Information trocken verknappen und Qype personell fluten.

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