V: Was sind denn Wegläufhäuser?
C: Das Weglaufhaus ist eine der wenigen Möglichkeiten, aus der Psychiatrisierungsspirale auszubrechen: Von den 200.000 jährlichen Psychiatrieeinweisungen in Deutschland erfolgen etwa 40.000 Unterbringungen unter Zwang. Ist der Betroffene außerdem wohnungslos, ist er noch stärker gefährdet, medikamentös zwangsbehandelt zu werden. Im Weglaufhaus findet er Partner, um psychopharmakafrei wieder auf die Beine zu kommen.http://www.weglaufhaus.de/weglaufhaus/index.html
V: Ihr gewährt den Geflohenen Unterschlupf und ärztliche Hilfe?
C: Ich bin noch bei der Recherche. Der nächste Schritt wird die Lobbybildung sein. Bis zur Vereinsgründung, Konzepterstellung und dem Beantragen von Fördermitteln ist es noch ein weiter Weg. Bislang sind wir noch nicht einmal sieben Personen. Die Vorstellungen differieren auch noch sehr. Sie gehen vom Weglaufhaus über Krisenpension und Krisennetzwerk bis zum Gesundheitsladen. Gemein ist ihnen, dass Psychiatrieerfahrene nach Möglichkeiten zur Selbsthilfe außerhalb der pharmakotherapiezentrierten Psychiatrie suchen. Naturgemäß verlagert sich das Begleiten dann in Richtung Sozialarbeit und das Syndromverständnis in biographisches Herangehen.
V: Ist das denn überhaupt finanzierbar?
C: Woran denkst du bei der Finanzierbarkeit im Einzelnen? An die Kosten für passager ambulant betreutes Einzelwohnen oder an lebenslange Heimunterbringungen? Ich denke, dass im Konfliktmanagement geschulte Sozialarbeiter genauso intensiv eingreifen können wie pharmakonbewaffnete Psychiater.
V: Ich glaube, daß es viel billiger ist, dreimal am Tag zu sedieren als sich um die Menschen zu kümmern.
C: Auf die Dauer ist es teurer, wenn du die Lebenserwartung der Menschen dabei einbeziehst, denn die Präparate haben auch ihren Preis.
Montag, August 20, 2007
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen