Sonntag, November 19, 2006

Frosteinbruch

Und er ging. Mit großer Geste. Er liebte. Große Gesten zumindest. Letzte Nacht hatte ich ihn in mir und Barsch im Ohr. Ich war selten so durcheinander. Nicht mal Blähungen konnte ich mehr kontrollieren. So viel Aufregungen in meinem großartigen Leben. Jetzt ist er gegangen. Für immer, scheint es. Alles war so wichtig. Für ihn. Meine Blähungen sind weg. Gestern dachte ich noch, ich muss sterben. Irgendwo in der Gosse. An im Dünndarm verklemmten Winden. Ileusmäßig. Hab dann in den Beckenboden geatmet und alles an chinesischem Rückenschulenwissen mobilisiert, was im Gehen abrufbar war, mich dramatisch im Nachtwind gekrümmt und den Rest der Nacht Luft abgelassen. Inzwischen ist er gegangen. Er hatte Großes vor, glaube ich. Die wahre Liebe. Jetzt lässt das Frösteln allmählich nach. Die Heizung ist gut. Hab sie auf Maximum gestellt. Die Gänsehaut ist auch nicht mehr zu sehen. Alles war nur ein kurzer Schauer. Vielleicht war das auch nur der Kommentar des großen Unsichtbaren zu meinem DuRedestWieEinGeradeNochNichtGestorbener zu meinem Vater. FragDochDenHauptkommissar, ist seit gestern Vaters Standardantwort. Es wird nett. Ich seh mich schon im erweiterten Familienkreis Hirschgulasch hinterwürgen. Freundlich grinsend einander zunicken und mit Thüringer Klößen den Schlund verkleistern. Der Hauptkommissar kennt meinen Blog noch nicht. Den kennt nur Stoppel. Aber der hat sich ja vor ein paar Minuten mit großer Geste aus meinem Leben verabschiedet. Heinrich VIII. war gründlicher. Eigentlich habe ich Glück. Einmal Türenknallen hat ihm gereicht. Ich hab damals eine Stereoanlage, Martins Lieblingsstück, in den Container schmeißen und das Schnupftuch der Neuen mit Hylotox desinfizieren müssen, um nicht zu ersticken. Die Blähungen sind weg. Immerhin. Wenn ich nicht so müde wäre, würde ich jetzt Fischsuppe kochen. Aber für die Suppe ist es jetzt sowieso noch zu früh. Der Lachs würde zerfallen. Erst wollte ich Rotbarschfilet nehmen. Aber bei Lachs bin ich mir sicherer, dass keine Gräte mehr drin ist. Aldi macht´s möglich. Hab ihn im Whirlpool kennengelernt, ihn gesehen, mich sortiert und beschlossen, ihn anzubaggern. Die Schreibblockade seitdem war zwar ein Hammer, aber allmählich finde ich auch wieder Worte, ohne sofort zu stolpern. Der Massagestrahl ist auf die Dauer verdammt hart, wenn frau sich nicht treiben lässt, wusste er. Eine Feldstudie war das wahrscheinlich. Der hockt dort Woche für Woche und vergleicht. Gründlich scheint er zu sein.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Kein Türenknallen, keine lauten Abgänge, leise und still. Nicht verabschiedet, sondern gegangen worden. Ohne Gefühle zu verdeutlichen, die da waren. Verletzung. Ja die tut weh. Aber der Stolz ist noch da, sonst wäre die Schraube nach unten unendlich. Vielleicht ist irgendwann ein Reden miteinander wieder möglich, vielleicht auch ein Schauen in die Augen des Gegenübers. Notwendig war die Sache nicht, sie war schön, aber auch unfair. Unfair im Ausgang. Und kalt.