Samstag, Juni 02, 2007

Anonymisiertes

Frauen suchen sich ihre Masseure aus


Je nach Wunsch streichelt er in Boxershorts, vollständig bekleidet oder nackt.

Dass seine Massagen gut tun, hat sich herumgesprochen, Freundinnen reichen seine Telefonnummer untereinander weiter. 50 Frauen betreut der 33-jährige Dresdner inzwischen. Dazu kommt er ins Haus. Oft ist er aller vierzehn Tage da. Besonders Hausfrauen auf dem Weißen Hirsch schätzen seine Hände. 54 Jahre ist die Älteste.
Mit Neukundinnen bespricht er zuerst bei einem Glas Wein, was er genau macht, wo er massiert und wo Grenzen sind. Dann breitet er im Schlafzimmer oder auf dem Sofa eine Decke aus, während sich die Kundin entkleidet. Seine Berührungen seien wie ein Hauch, sagt er. Einfühlsam stimme er die Bewegung ab. Zwei Stunden streichelt er - erst Rücken, Po und Beine, dann Hals und Brust, schließlich Bauch und Scham, bis seine Kundin so entspannt ist, dass sie ein Kribbeln spürt. Er sitzt dabei im Schneidersitz, legt die Beine der Frau über seine Beine und vertieft mit ruhigen Worten ihre Atmung. Dann massiert er Kitzler und Schamlippen, bis multiple Orgasmen eintreten. Je nach Wunsch ist er vollständig bekleidet, trägt Boxershorts oder ist nackt. Ist die Frau kein Single und wird befriedigt, will sie danach meist ihre Ruhe haben, und er geht.
Männer hat er noch nicht massiert. „Schwule haben ihre eigenen Kreise“, sagt er. Er sei Einzelkämpfer und schließe sich niemandem an.
Aufgewachsen ist er in einer Kleinstadt. Die Eltern seiner Mutter hatten dort eine Fleischerei, die er übernehmen sollte. Aber er wurde Anlagenelektroniker und war viel im Ausland unterwegs, auch drei Monate in den USA. Jetzt ist er Vater und will nicht weg. Der Blick früh aus dem Fenster auf die Elbhänge, das Licht, hält ihn. Vier Jahre ist sein Sohn jetzt. Hat er frei, ist er mit ihm im Garten seiner Eltern, an der Elbe Enten füttern oder räubert draußen mit ihm rum.
Er zeichnet gern Elemente, die ohne Anfang und Ende ineinander fließen. Auch die Rose, die er im Schritt trägt, hat er selbst entworfen.
Um nicht zu ermüden und in Form zu bleiben, trainiert er im Fitnessstudio. Im Moment sucht er eine Aktfotografin, um sich seinen Kundinnen besser präsentieren zu können. Er befriedige die Sehnsucht nach Gefühl, sagt er. „Frauen suchen sich ihre Masseure aus.“


Bildunterschrift: Er zeichnet gern Elemente, die ohne Anfang und Ende ineinander fließen.