Mittwoch, Mai 09, 2007
Putze, Mama oder Hure
Zur Wende war ich grad im Erziehungsurlaub. Das Begrüßungsgeld habe ich mit dem Baby auf dem Arm abgeholt. Damals hatte ich eine erste Ahnung der Geldnot, die mich seitdem umgibt. Geldnot kannte ich vor der Wende nicht, nur Warenmangel. Und das Rollenmuster als Putze, Mama oder Hure gab es damals nicht. Aber dem nachzutrauern hat keinen Sinn. Das ist vorbei. Das gemeinsame Eigentum an Produktionsmitteln für ein ganzes Volk hat sich nicht bewährt. Und mit der Privatisierung war die Geldnot offensichtlich notwendig verbunden. Witzig war, dass sich gerade durch die Geldnot, also durch die Währungsunion, so schnell das ganze System ausdehnen ließ. Und da stehst du daneben und staunst. Staunst, wie selbstverständlich Zeit fließt und das Alter über dich hereinbricht wie eine Urgewalt. Ich sehe heute noch den wütenden Bankangestellten vor mir, der mir das Geld für die regennasse X. in die Hand drückte und dafür einen Stempel in meinen Personalausweis machte. Geld, für das Rossin ein Keyboard kaufte, um eine Band zu gründen. Die Band gab es nie. Auch seine Ehe ist inzwischen kaputt. Stattdessen fliest er als Pianist Bäder. Musiklehrer wollte er nie werden. Zu X. Geburtstag tauchte sein Sohn wieder auf. X. kannte ihn nicht. Woher auch. Damals war sie noch ein Baby. Ausverkauf der Träume. 9.10 Uhr meldet SR1 den obligatorischen defekten Laster auf der A8, Ohnmacht.
