Dienstag, Dezember 12, 2006
Betreuer & Richter
Das ging damit los, dass ich eine Stalkingstrafanzeige gegen seine Neue machen wollte. Noch am selben Abend wurde ich zwangseingewiesen. Eine unheimliche Maschinerie. Wenig später setzte ein Richter eine Betreuerin ein, um mich gegen meinen Willen medikamentös behandeln zu lassen. Hab selten so viel Todesangst gespürt wie in den Tagen damals. Eigentlich wollte ich ein Baby. Egal von wem. Den Kontakt zu meinen Kindern und ein Baby. Deshalb die Stalkingstrafanzeige gegen die Neue. Inzwischen hat der Richter entschieden, dass die Betreuerin einen Heimvertrag über mich abschließen kann. Ein eigenartiger Staat. Manchmal wache ich heulend auf. Manchmal kommt mir das große Kotzen, wenn ich in den Spiegel schaue. Wie Freiheit riecht, weiß ich schon lange nicht mehr. Ich hätte genug Geld, um sie zu bezahlen, sagt die Betreuerin. Irgendwann kaufe ich mir einen neuen Pullover und Socken. Muss ja nicht gleich ein Urlaub mit meinen Kindern sein. Aber vor dem Pflegeheim habe ich Angst. Gestern war ich nach langer Zeit wieder drin. Die Heimleiterin stellte mehrere als dement vor. Zur Einweisungsprozedur befragt, zählte sie vergessenes Anziehen, Essen oder den atypischen Umgang mit den eigenen Ausscheidungen auf. Ich habe Angst, aus Armut im Heim zu landen, statt arbeiten zu können. Aber so viele Heime gibt es zum Glück nicht. Vielleicht gibt es ja doch noch irgendwas, um sich auf den nächsten Tag zu freuen. Die Kinder. Bin müde. Heute abend ist Ortsbeiratsitzung in Pieschen. Es geht um ein Schulungszentrum für Gesundheit und Sozialwesen. Ich erwarte nichts Gutes. Irgendwas zum unbegrenzten Kasernieren von Menschenmassen. Haushalten mit menschlicher Zeit.
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