Freitag, Dezember 01, 2006
Träumen, fürchten, lieben, vertrauen
Das Verrückteste, was mir passiert ist, war, Verkehrsmeldungen auf mich zu beziehen. Als ob ich den Hauch einer Chance hätte, so etwas Wirres wie eine Unfallmeldung zu beeinflussen. Zu akzeptieren, dass da scheinbar etwas mich meint, dass da scheinbar jemand Gott spielt, ich aber nichts daran ändern kann, war grad so, als ob ich stehenbleiben will, während der neben mir aus dem Fenster springt. Weiterzugehen ist der einzige Selbstschutz, der mir bleibt. Er wird nicht springen, und die Verkehrsmeldung wird nichts mit mir zu tun haben. Auch die nächste nicht. Die klingen bloß so komisch vertraut. Und dass sie vertraut klingen, ist Zufall. EsIstEklig. Zeitgleich und Zufall. Weit weg. Fast so weit weg wie der Neurochirurg damals. Dieter ähnelt Thomas immer weniger. Nur dieses Misstrauen, dieses ständige Misstrauen ist noch da. Diese Sehnsucht nach Distanz. Nach Freiheit. Alles ist so düster. So angstgetönt. Im Radio dudeln Liebeslieder. Hab gerade gebadet. 80%ig ist die Behinderung. Was haben andere, was mir fehlt? Angstfreiheit? Naivität? Lebensfreude? Ein eigenes Ziel? Einen Traum? Jugend? Halt? Nähe zu irgendetwas, was ihnen wirklich wichtig ist? Selbstverständlichkeit im Tun... Hab keine Verben im Moment. Versinke nur in Selbstmitleid. Ich fühle mich ausgebrannt. Dabei ist nichts weiter passiert. Groke hat einen Unfall auf der A63 gemeldet. Mehr war nicht. Und schon bricht mein ganzes Kartenhaus zusammen. Der ganze Altar ist in sich zusammengefallen. Der große Groke ist eben doch nicht mehr und nicht weniger als eine Radiostimme von vielen. Das Radio, das mit mir spricht. Es ist normal. Klar. Warum soll ausgerechnet bei dem nix passieren, was ich nicht... Was ich nicht was? Hab tatsächlich darauf gewartet, dass André sich rührt. Als ob er mir näher ist, sobald ich Angst um ihn habe. Ob Angst Perversion der Sehnsucht nach Nähe ist? Warum will der Richter mich im Heim unterbringen lassen? Will der mich überhaupt im Heim unterbringen? Was sieht der? Was befürchtet der? Spricht von seinem Job, um den er kämpfen musste, und setzt mich unter Druck. Ob der das oft macht? Vielleicht ist es das Bühnenmäßige, das mich an den Unfällen fasziniert. Plötzlich scheine ich wichtig zu sein. Mitten in meinem Beziehungswahn. Aber was für Beziehungen sind das überhaupt, die ich da wähne? Das IchHörDichUndFühleMichSoGeborgen,DassIchSicherFahre? Das DuWirstEsSchonSchaffen? Oder das AllesGeht? Wie lange trägt so eine Illusion?
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3 Kommentare:
Du Irre, carpe noctum
Bin immer noch wie betäubt. Groke hat vorhin einen Unfall auf der A63 gemeldet. Ausgerechnet Groke. Ausgerechnet auf der A63. Ich bin 63 geboren. Kurz drauf erzählt die Koester von Britney Spears 25 Geburtstag. Mein Bruder wird grad 50. Mir drehte sich gleich wieder alles im Kopf. Hab mich tiefer in mein Bett vergraben und wollte den Tag am liebsten verschlafen. Neben dem Leptop liegt noch der Beschluss des Amtsgerichts zum Betreuungsverfahren. Abschluss, Änderung und Kontrolle der Einhaltung des Heim- und Pflegevertrages. Kann es nicht zuordnen. Hab aber auch keine Lust zu recherchieren. Vielleicht liest Voyager ja mit und lässt ein paar Bemerkungen dazu fallen. Mir ist klar, dass ich nicht die Einzige bin, die so einen Zettel erhält. Auschwitzmäßig riecht er trotzdem. Immer das Gefühl, Freiwild zu sein. Für Retter aller Art. Ob aggressive Stalker oder routinierte Überwacher. Ein bißchen Ruhe und Gelassenheit wär gut. Grad um solche Zettel zu tolerieren. Unfall auf der A63. Es ist verrückt. Warum geht mir das alles so unter die Haut? Es ist Zufall. Es kann nur Zufall sein. Und dass Groke grad Dienst hatte, hat nichts mit dem Unfall zu tun, nur damit, wie es mir geht, wenn er UnfallAufDerA63 sagt. Kurz drauf die gleichen Worte von der Koester. Es ist normal. Ein ganz normaler Tag. Der Schnupfen lässt allmählich nach. Ich freu mich auf Montag. Und der Geburtstag geht auch irgendwie vorbei. Gestern beim Blasten hab ich mehrfach sechs Bewertungspunkte angeboten bekommen. Hab sie nicht genommen. Die Schrift beim Kopieren wechselte von Orange nach Blau. Das war eigentlich das Schlimmste. Dieses Wechseln von Orange nach Blau. Alles war plötzlich so düster und trostlos. Eben nicht mehr Orange.
Vielleicht feiere ich Silvester mit Blasterern. Irgendwo weit weg oder bei mir am runden Tisch. Wenn ich allein bin, gehe ich zum Tango. Oder ich feiere mit den Kindern. Nur nicht dieses permanente Verplantwerden bis zu seiner Rente. Puh, mir wird kalt. Rente. Ich will endlich wieder arbeiten. Was verdammt ist Erfolg? Nicht im Heim untergebracht zu werden? Es ist Wahnsinn, wie viel Macht sich in den Händen weniger konzentriert. Warum hat die das Recht, mich im Heim unterbringen zu lassen? Warum will der Richter das? Was hat der vor? Macht der das oft? Ich versteh den nicht. Genauso wenig wie das, was mit mir passiert, wenn ich die Unfallmeldungen höre. Es ist, als ob mir jemand was wegnimmt. Etwas, was mir nie gehört hat. Es ist alles so unwirklich. Wahn. Es ist Wahn. Irre. Und trotzdem tut es weh.
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