Dienstag, Januar 01, 2008

Fremdeln, dieses Fehlen von Konspirativem, Verschworenem gibt Nähe, ohne einzuengen. Loyalität erlebe ich so. Austauschbar zu bleiben. Verwechselbar zu sein. Fast anonym. Geborgen in einer imaginären Gruppe Gleichbetroffener, Hörer, Leser. Es fällt mir leicht, Sibylle Berg zu mailen, dass ich sie liebe. Ich bin eine von vielen. Schwerer war es, ihr Dilda vorzustellen. Ihre erste Frage war WillErMichHeiraten? Dilda wollte nicht. So wurde aus dem Kontakt nichts. Kein Buch. Inzwischen ist wahrscheinlich nur noch ein Bruchteil seiner Schriften zu dekodieren. Er ist verhungert. In seiner eigenen Wohnung. Heimlich. Er hat niemanden vorher gefragt. Er hatte Diabetes und wahrscheinlich auch eine Psychose. Jedenfalls hat er die Wohnung nicht mehr verlassen, auch nicht zum Einkaufen. Irgendwo in Bremen hat er gelebt, glaube ich. Wenn ich Türkisch könnte, könnte ich seine Aufzeichnungen bearbeiten. Ein Wörterbuch wollte er schreiben. Ein deutsch-türkisches Wörterbuch. Amoebe hat seine Aufzeichnungen jetzt. Das ist alles so weit weg.

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