Montag, Januar 14, 2008
It´s too late to apologize
Als ich noch Narkosen gemacht hatte, fiel es mir oft schwer, mich abzugrenzen: Hab oft erst 14.30 Uhr frühstücken können. Besonders bei missglückten Reanimationen fiel mir die Dokumentation schwer. Ich hatte ständig das Gefühl, Hilfe zu brauchen, jemanden, der einfach da ist und sagt, dass er alles genauso machen würde wie ich, Guidelines, Checklisten, Actiontools. Anästhesie ist ja zu 95 Prozent Warten und trotzdem rechtzeitig Eingreifen. Gegen Ende habe ich Standby bei neurochirurgischen Stereotaxien gemacht und habe mich auch in der Herzchirurgie beworben. Im Moment kann ich mir nicht vorstellen, irgendwann wieder gefestigt genug zu sein, dort zu arbeiten. Ich bin oft in Gedanken. Wenn ich allein bin, scheint alles mich zu meinen. Schlimmstenfalls sogar das Wetter. Eigentlich wollte ich Kinderarzt werden. Inzwischen ist meine Große 18 und träumt davon, Kosmonaut zu werden, während ich mich ständig beobachtet fühle wie ein Obdachloser. Am freiesten fühle ich mich, sobald ich schreiben kann. Ich bin also kein guter Partner im Alltag.
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