Sonntag, Januar 06, 2008
Was würde es ändern, wenn das alles, was ich erlebe, dieses Gläsern-Sein, dieses Gehört- und Gesehen-Werden tatsächlich passiert? Was wäre dann? Was ist, wenn ich in einem realen Raum bin? Was ist dann zwingender? Ist es nicht genauso belanglos, als ob ich mit dem, der da spricht, gerade in der selben Straßenbahn sitze oder die selbe Straße quere? Was macht diesen Kontakt um so viel bedeutsamer? Die Neugier? Die Sehnsucht nach Information? Das ist wahrscheinlich übertrieben. Wahrscheinlich ist es nur agitierte Langeweile. Wenn schon Sehnsucht, dann die, den Moment mit Geräuschen zu unterlegen. Romantik eben. Lichtschacht pur. Ein bißchen Spotlight, ein bißchen Bühne, ein kurzes Innehalten. Verdammt, warum reagiert Calabrese nicht? Warum addet mich Groke nicht? Warum differenziert der so stark?Die hieß nicht Samsara, die hieß Pam. Eine flachbrüstige Pam. Dass der Sari Mönchskuttenfarbe hatte, fiel mir erst durch die Fotos auf. Ich hätte so gern das pelzige Gefühl weg. Stattdessen treten die Sehnen immer deutlicher hervor, als ob ein Spasmus einläuft. Sport, Dehnen. Die Handinnenfläche scheint nur noch Sehne zu sein. Ich atme flach. Der Sitzball ist zu leer. Wahrscheinlich ist es das. Halt, war das überhaupt die Knispel mit dem Heiratsantrag? Ich bringe schon Steffi Neu und Heike Knispel durcheinander. Verrückt. So kurze Zeit und ich verwechsle die beiden schon. Ich kriege den Sitzballstöpsel nicht raus und kann die Luft nicht aufpumpen. Ich rede schon genauso in Kreisen wie Freitag. Wenn der über Neuroleptika geredet hat, konnte ich mich kaum konzentrieren. I feel like a criminal ist in den Charts. Es war tatsächlich alles nur Autosuggestion. Da ist keine Querverbindung zwischen dem, was ich schreibe und dem was ich höre: Das, was ich schreibe, beeinflusst das, was ich höre nur autokonfrontativ. Allmählich wird es wieder übersichtlicher. Ich war nur aufgeputscht. Verrückt. Ich bin froh. Was wäre das sonst für ein Leben? Ich höre jetzt drei verschiedene Sender. Das Zappen fällt mir leicht, schon fast wie beim Fernsehen. Das Bindende ist weg. Dieses Zwingende ist nicht mehr da. Das Schreiben tat gut. Bei Lablue schwärmt Karl vom Morgenteam-André auf 103.5. Der wäre bei ihm im Fitnesscenter gewesen. 103.5 - das ist für mich der Morgen zwischen Altenberger Platz und Meißner Straße. Ich kann mir den Dresdner Morgennebel schon gar nicht mehr ohne das Gegackere und die Sibylle Berg vorstellen. Es ist meine Peer-Group, habe ich heute gelernt beim Lesen in den "Einsamen Cowboys". Es geht schon wieder los: Alles meint mich: Auf der A81 kracht es, weil ich SWR3 höre - eine idiotische Gedankenschleife, aus der ich nicht ausbrechen kann, ohne in der Musik zu ankern. Jetzt läuft wieder die barfüßige Norwegerin, die ihre letzte Beziehung besingt. Aber ich bin unsicher. Vielleicht verwechsle ich sie. Die Playlist ist nicht aktuell. Was sich ändern würde? Keine Ahnung. Ich würde mich wahrscheinlich auf anderes konzentrieren. Irgendetwas bindet immer Aufmerksamkeit. Und wenn es die aktuelle Größe der Schneeflocken ist, ich liebe Schneeflocken. Dass ich die Knispel und die Neu verwechselt habe, macht mich wütend. Ich dachte, ich wär gelassener. Fremd wie in der Straßenbahn wäre es. Das scheinbar Konspirative, das Miteinander per Stoppuhr dehnt, wäre weg. Dieses alles versteinernde Dopamin würde weniger anfluten. Und auch wenn eine Bombe neben mir nieder geht, kann mich niemand zwingen, deshalb tiefer Luft zu holen. Es ist mein Leben. Ich bin kein Worst Case Attachment.
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