Dienstag, März 20, 2007

...und du flüsterst mir zu, dass du mich willst

"Heuschrecken hören mit den Beinen, Salamander mit dem Brustkorb. Selbst beim Menschen ist das Gehör gleich neben der größten Schallquelle. Grund genug, jedes Wort von den Lippen abzulesen, sobald ringsum Lärm aufbrandet."

Er hörte nichts, war stocktaub, lehnte Hörgeräte ab, aber moderierte das Philosophieren. Es war ein Gau. Alle versuchten höflich zu bleiben. Ich war die Erste, die explodierte. Als er dann noch behauptete, dass es ihm leid tut, wenn er überhört, dass ich mit ihm flirten will, war es mit meiner Beherrschung vorbei. Ich hab mich neben ihn gesetzt und ihn angezischt. Wort für Wort. Offensichtlich war er das gewohnt. Er war nicht umsonst taub. Hab ihm dann eine Runde zu Echtzeit und Eigenzeit vorgeschlagen, den Treff verpasst und statt dessen mit Gert über eine Festanstellung bei der Sächsischen Zeitung gesponnen. Verdammt, warum leistet der sich kein Hörgerät? Ich kann mich immer noch nicht auf den Artikel konzentrieren.

Als ich vorhin das UndDuFlüsterstMirZu,DassDuMichWillst eingetippt hatte, verabschiedete sich der SR1-Windows Media Player. Dadurch fiel mir die Episode wieder ein. Freiheit interessierte ihn. Die Freiheit, Gehörtes zu selektieren, hatte er sich ja schon genommen, der Taube.

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