Donnerstag, Februar 08, 2007

Fasching

Es war so unwirklich, wie Fasching nur sein kann. Stundenlang suche ich sachsenweit Karnevalsvereine heraus, stoße schließlich auf einen Karnevals-Dachverband und maile Franzens Anwalt den Versuch einer Antwort. Er will mit mir leben, schreibt er, und ein Kind. Und er hofft auf Spendenmittel von werweisswas. Franz, der Terrorist. Ich habe das Gefühl zusammenzubrechen, sobald ich an Franz denke. Es ist, als ob er alle Kraft aus mir heraus saugt. Die Kraft, die ich gern für Nina und Tim hätte. Die Kraft, die ich auftanke, sobald ich an Groke denke. Ich fühle mich wie ein Schlauch. Leer oder zugedröhnt von Fremdem. Da ist nichts, was bleibt. Alles rast. Ich will schlafen. Lichtdurchflutet schlafen. Irgendwo am Meer im Sand. Vielleicht in Vietnam. Da soll das Licht besonders gut tun, sagt Groke. Ich liebe ihn, glaube ich. Vielleicht ist es das. Jemanden, der weit genug weg ist und sein Leben scheinbar im Griff hat, zu lieben, Franz als Hologramm drüberzulegen und an meine Kinder zu denken. Channeln nennt Kerstin Klesse das, glaube ich. Kanalisieren von Energien. Ich bin schon fast in Vietnam. Zwei Atemzüge lang. Das Neonlicht tut gut. Es ist fast blau. Nichts, was zu Nähe und Herzlichkeit zwingt. Es ist einfach nur hell. Und der Migräne-Artikel braucht noch Zeit. Da ist nichts mehr, das mich meint. Es fließt an mir vorbei. Big Hug heißt große Umarmung, hab ich gelesen. Der ist wirklich angekommen. Auf Arbeit zu Hause. Verdammt, warum feiern alle an den selben Tagen den selben Fasching? Ich werde die Webseiten einfügen und Karnevalsvereine auswählen. 1985 hab ich im Studentenclub Fasching "organisiert". Einmal und nie wieder, hab ich mir damals geschworen. Alle feierten, waren angetütert und ich stand an der Garderobe. Hab danach nur noch Plakate geschrieben. Tresen war sowieso nie meins. Jemandem beim Besoffenwerden zuzuschauen, ist die Hölle. Und das Tag für Tag. Dann den wachsenden Weltschmerz mitkonsumieren zu dürfen... Nein, danke. Dann lieber Bands einladen und rumtelefonieren. Eigentlich müsste ich glücklich sein: Ich sitze am PC und schreibe. Alles, was mir durch den Kopf geht. Ich bin gespannt, was Nina erzählt, wenn sie bei dem Franzosen kellnert. Allmählich lassen die Nackenschmerzen nach. Vielleicht war das nur forciertes Mitleid. Nackenschmerzen aus Mitleid. Mitleid mit mir selbst.

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