Freitag, Februar 23, 2007
Synchronizitätspanik
Das Schlimmste, was mir beim Freischreien passiert ist, war die scheinbare Unfallhäufung. Es war, als ob irgendjemand erreichen wollte, dass ich schweige, mich zurückziehe und zuwarte, bis die Unfallwelle vorbei ist. Ich hab daraufhin so wenig wie möglich verändert, um Gleichzeitiges zeitlich eindeutiger zuordnen zu können. Klar, dass ich abgesehen von temporären Zusammenhängen nur veränderte Stimmfärbungen zuordnen konnte. Und auch die immer seltener. Es war, als ob die Häufung immer gewohnter wurde. Das zu verbalisieren, war schwer. Wer will auch Unfallmeldungen, Geschriebenes und Stimmfärbungen abgleichen? Da bleiben zu viele variable Unbekannte. Es waren temporäre Zusammenhänge, ein Filz. Irgendwann habe ich trotzdem begonnen, Unfallmeldungen in Worten festzuhalten. Allmählich verlor es das bedrohlich Bezwingende. Ich konnte mich nylonschürzenmäßig auf mein dickes Fell konzentrieren und darauf, wann mir die Unfallmeldungen stärker auffielen als sonst. Sobald ich das einkreiste, wurde es überschaubarer: Ich merkte, auf welche Ziffernfolgen ich stärker reagierte. Losgegangen war es damit, dass ich versucht hatte, Claudia-Engramme auszublenden, nachdem ich monatelang überall ihre Physiognomie gewittert hatte. Zum Schluss hieß dann fast jeder Unfall Claudia, egal wo. Jeder schien nur dazu gemacht zu sein, mir zu beweisen, dass ich ein Nichts bin, ein störendes Etwas.
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