Allmählich verliert alles seine Kraft. Auch Beziehungswahn. Ich fühle mich wie ein auf Sonne geprägter Maulwurf. Ich versuche nett zu sein, statt mich zu vergraben. Ein idiotischer Versuch, der einsam macht wie Fernweh. Ich sehne mich nach einer Radiostimme, die gleichzeitig drei Millionen hören und hoffe, dass sie die Welt für mich bunt macht mit einem Lachen, verüble ihr jeden Unfall, den sie meldet, und träume von dem Körper, der dazugehört. Als ob das Träumen mehr Kraft gibt, als jeder eigene Schritt. Um es noch unverständlicher werden zu lassen, stelle ich mir vor, er, der Vergötterte, sieht mich auf irgendeinem Weg, während ich schreibe. Es ist alles in allem genauso sinnlos wie jeder Versuch, den eigenen Lebenskreis zu verlassen, um intensiver träumen zu können. Ich gehe kaputt dabei, verzehre mich und bin trotzdem nicht in der Lage, einfach aufzuhören. Es ist, als ob mir alle Welt dabei zuschaut und darauf wartet, was passiert, dabei weiß ich schon beim Nachbarn nicht, was er tut, sobald er den Schlüssel hinter sich im Schloß rumdreht.
In die Ferne zu lieben, ist psychotisch, hatte der Psychiatrie-Professor in der Vorlesung gesagt. Bei mir ist die Familie auseinandergebrochen, als ich von Goerge geträumt hatte, um Martin leichter zu begleiten. Zum Schluss war es kein Begleiten mehr, nur noch Träumen. Goerge hatte sich zurückgezogen, sobald ich mich bei ihm beworben hatte. Ich war verletzt wie lange nicht. In der Zeit baute die Denkstörung sich auf. Ich hatte geschrieben, so viel wie lange nicht. Bei allem, was ich tat, schaute er mir zu - darin bestand sie. Er war wie ein Leuchtturm für mich, ohne es selbst zu ahnen. Ich wurde immer unbeweglicher und grübelte mehr, hab meine Kinder und mich selbst kaum mehr gespürt. Schließlich schien alles um mich herum gemacht, Radio, Fernsehen und Internet. Ich schrieb bei www.werweisswas.de und packte alle Enttäuschung in meine Zeilen. Ich hatte so viel von Goerge erwartet, aber er reagierte nicht. Wenige Jahre später wiederholte sich alles mit Groke neu. Hab ihn mit Erwartungen überfrachtet und dabei kaum gespürt, wenn mich jemand zu erreichen versuchte. Ich war wie taub. Ich konnte es durch nichts rational begründen. Es war nur ein irrwitzig intensives Gefühl, das ich am ehesten als Prägung einordne. Los ging diese Prägung bei Goerge damit, dass er mir mitten in einen PC-Gau hinein mailte, dass ich in sein Intranet geraten sei, wodurch auch immer. Ich hatte es als willentliches Verschmelzen eingeordnet und begonnen, ihn zu vergöttern. Scheinbar wollte er Kontakt, dabei war lediglich eine Grenze aufgebrochen, mehr nicht. Ich verstrickte mich immer mehr in Wunschvorstellungen und fühlte mich ihm nah.
Samstag, Februar 24, 2007
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen