Dienstag, Februar 27, 2007
Formale Denkstörung
Beim Hören, Lesen und Schreiben verschmilzt alles zu einem undurchdringlichen Filz, bei dem ich schon nach kurzer Zeit nur noch wenig Gehörtes eindeutig zuordnen kann. Manchmal schreibe ich es mit, auch wenn mein eigener Gedanke dadurch abreißt. Aber schon dieses Gedankenabreißen schafft eine irrationale Nähe, die ich so offline und ohne Webradio nur selten erlebe. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, das Gehörte bezieht sich auf das, was ich schreibe, wenn die Stimmfärbung sich ändert oder das Gesprochene zunehmend verworren wird, als ob sich mitten im Gedanken dessen, der da spricht, die eine oder andere Perspektive beim Lesen verändert hat. Nur bei Groke ist das selten. Ich habe das bisher als Distanz und Souveränität eingeordnet, eingedenk der inhaltlichen Denkstörung ErLiestMichBeimSchreiben. Manchmal wird es dann allerdings noch verrückter: Dann denke ich, er sieht mich beim Schreiben. Beim Webradio passiert mir das und da auch nur beim SWR3, einem drei-Millionen-Sender, bei dem ich mich an sich anonym und geborgen gefühlt hatte, bis Google begann, den Blog unter den Namen einzelner Moderatoren in vorderen Positionen zu listen, sobald man den Namen des Moderatoren mit dem Sender verknüpft. Anfangs hatte ich den Effekt beabsichtigt, um bei mir unheimlichen Häufungen innerhalb der Verkehrsmeldungen Wahrscheinlichkeiten leichter zuordnen zu können. Später hat es mich beim Schreiben irritiert. Ich habe dann den einen oder anderen Kommentar schon beim Schreiben vergoogelt gesehen. Das tat nicht gut. Ich hatte zu filtern begonnen und beim Schreiben gezögert, also nicht mehr den vollen Zugriff auf den Gedanken beim Schreiben, den ich nur mit Gehörten verknüpfen wollte. Am extremsten für mich war, als Uwe Groke mailte, dass er nach Kai Karsten gegoogelt hatte und in meinem Blog über das Wort Idiot gestolpert war. Ich hab mich sofort unter Rechtfertigungsdruck gesehen, warum und in welchem Zusammenhang in einem Text von mir "Idiot" steht, als ob ich schon beim Schreiben ihn als Leser mitgedacht hätte. Der gesamte Text war ein Konvolut von Gedankensplittern, eher ein Notizzettel als irgendetwas zu Vergoogelndes. Google beim Schreiben mitzudenken, lehne ich nach wie vor ab, es stört mich formal beim Denken. Wer in den Zeilen trotzdem Weiterführendes sucht, nimmt sich beim Lesen wichtiger als ich ihn. Vielleicht ist das auch der Hauptgrund dafür, dass Groke nur auf einen Bruchteil meiner Emails antwortet, obwohl ich beim Mailen anders schreibe als beim Bloggen oder Blasten: Ich schreibe manchmal sogar Hallo drüber. Verdammt, der ganze Text ist nur aus dem Gefühl heraus entstanden, mich dafür rechtfertigen zu müssen, dass Groke mir jetzt nicht mailt. Ich warte seit Stunden, seit Tagen, öffne ständig die Mailbox und blättere inzwischen sogar den Spam durch, nur um nicht zu verpassen, falls er mailt. Aber er mailt nicht. Und das ist mehr als eine formale Denkstörung. Die ist wahrscheinlich schon inhaltlich. Verdammt, wo beginnen inhaltliche Denkstörungen? Ich hab es schon wieder vergessen.
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